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Gleich zu Beginn wollen wir richtig stellen, dass unser Rennfahrer kein Abkomme des Christian Lautenschlager ist, der einst für Daimler / Mercedes (noch ohne Benz!) zwischen 1908 und 1925 Rennen fuhr. |
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Ernst Lautenschlager wird am 16. Dezember 1912 in Mannheim geboren. Sein Vater fällt 1915 im ersten Weltkrieg. Und drei Jahre später verliert er auch noch die Mutter. Seine Schwester Marie und er sind unversehens zu Waisen geworden. Um zu verhindern, dass die Kinder in ein Waisenhaus kommen, nimmt Emil Lautenschlager den Neffen Ernst zu sich, dessen Schwester Marie wird von Verwandten in Flacht aufgenommen. Ernst wächst zusammen mit den eigenen Kindern in der Lahrensmühle heran.
Auf diesem Gross-Familienfoto sehen wir in der hintersten Reihe als dritten von links Emil Lautenschlager und als fünfte von links seine Frau Emilie. In der Reihe davor steht Ernst neben der Grossmutter, im Vordergrund die Müllerstöchter und weitere Verwandte. |
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| Auch eine Anekdote über seine Begeisterung für motorbetriebene
Fortbewegungsmittel ist überliefert: Er "lieh" sich die schwere
NSU 502 (2 Zylinder, 500 cm3) von Emil Lautenschlager aus, und fuhr, bis der Kraftstoff
alle war. Der Familie hat er weis gemacht, er habe mit dem Bremsen
Probleme gehabt und sei deshalb so lange gefahren. Unser Foto zeigt das Motorrad mit seinen Basen Maria und Lina Lautenschlager sowie einer Freundin. | |
Wir sehen ihn hier (links) mit einem Sportkameraden.
Die Boxsportler von Leonberg-Eltingen, Ernst ist der Dritte von links. | Sportbegeistert, wie er ist, hat er in seiner Jugend mit einer Karriere als Boxer geliebäugelt und 1930 bei der Deutschen Meisterschaft für Federgewicht teilgenommen.
Die Leonberger Kreiszeitung vom 25. Januar 1974 wirft im 'Sport-Spiegel' einen Rückblick in die Box-Geschichte von Leonberg-Eltingen: "Auch Ernst Lautenschlager, jetzt Besitzer der Unterhaltungsgaststätte 'Oberbayern' in Stuttgart, gehörte zu den Spitzenboxern der damaligen, wirtschaftlich und politisch nicht gerade so ruhigen Zeit. Ja, Ernst Lautenschlager wagte sich in dieser Zeit sogar an einen überaus schweren Mann in einem Zirkus heran und schlug ihn fürchterlich K.o. um dann anschliessend die 'Siegprämie' mit seinen Kameraden in neue 'Kraftkalorien' umzusetzen." | |
| Vom Boxen abgesehen, verläuft sein Lebensweg zunächst eher unspektakulär. Er lernt das Müllerhandwerk von Emil Lautenschlager, denn dieser hofft, in Ernst einen Nachfolger gefunden zu haben, nachdem ihm seine Frau ausschliesslich Töchter gebar. Zur Weiterbildung geht er auf die Müllerschule nach Nürnberg. Die Müller haben dort eine eigene Burschenschaft, die sich hier stolz mit ihrer Fahne als "Moletarier" präsentieren. Ernst sitzt ganz vorn rechts (blau angekreuzt). Im Anschluss arbeitet Ernst Lautenschlager in Esslingen bei den Beckermühlen als Walzenführer, was einem Betriebsleiter gleichkommt. | |
Im Verlauf des Jahres 1938 macht Ernst eine unliebsame Erfahrung. Nicht regimekonformes Betragen führt dazu, dass er seinen 26. Geburtstag nicht im Kreis der Freunde verbringt, sondern “gesiebte Luft“ atmet. Man wirft ihm illegale Betätigung gegen den Nationalsozialismus vor. Die Quittung sind fast zwei Monate Schutzhaft in der Zeit vom 2. Dezember 1938 bis zum 29. Januar 1939.
In der folgenden Zeit hält sich Ernst bedeckt. Er muss nicht in den Krieg ziehen, da sein Vater im I. Weltkrieg gefallen ist. Er rettet sich über die Jahre und arbeitet im Lazarett. |
Zusätzlich wird er am 1. Juli 1947 Mitglied der Verfolgten des Naziregimes, wie sein Mitgliedsbuch Nr. 7476 bezeugt. Entscheidend ist, dass es Ernst gelingt, sich ein Fahrzeug zu ergattern, während die Deutschen überwiegend zu Fuss oder im besseren Fall auch mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Der BMW 315 aus der Mitte der 1930er Jahre wurde bei einem Stuttgarter Arzt mit vermutlich brauner Vergangenheit requiriert und Ernst zur Verfügung gestellt. Dieser erinnert sich, dass er noch zu Zeiten unter französischer Besatzung einer Militärpatrolie, die ihn "kassieren" wollte, mit dem BMW entwischte. Da er die Strassen von Stuttgart wie seine Hosentasche kennt, fegt er mit dem kleinen 1,5 Liter Sechszylinder so geschickt durch das Strassenlabyrinth, dass die verdutzen Franzosen ihn aus den Augen verlieren. | |
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Im Nachkriegsdeutschland ist der Alltag von Ruinen und Mangel gezeichnet, im Bild links der Marktplatz, unten die Königstrasse in Stuttgart. Unter den Jugendlichen herrscht Nachholbedarf in Sachen Lebensfreude, auch in der württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart.
Es entstehen Tanzlokale und billige Amüsierbars im Gebiet zwischen Hauptstätter und Eberhardstrasse, einfachste Holzbaracken, für biedere Bürger ein "Sündenbabel Stuttgarts", Oberbürgermeister Arnulf Klett nennt es einfach die "Vereinigten Hüttenwerke". Amerikanische Besatzungssoldaten sind häufige Gäste, gerne gesehen, da sie fleissig mit den damals noch hoch bewerteten Dollars bezahlen. "Striptease" heisst das Zauberwort des Amüsements. Aus einem Interview der Stuttgarter Zeitung: "Das habe einfach dazu gehört, sagt Ernst Lautenschlager, der in den fünfziger Jahren ausserhalb der Hüttenwerke eine Szenegrösse war. Striptease sei gesellschaftlich akzeptiert gewesen. In seinem gehobenen Cabaretbetrieb Maxim am Österreichischen Platz liess Lautenschlager damals ein Stripteaseballett tanzen, das den Besuchern den Eindruck der grossen weiten Welt vermitteln sollte. Im Publikum sassen Männer mit ihren Ehefrauen. Das war eine Kunstform, sagt Ernst Lautenschlager." |
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Wenn eine Reparatur am BMW 315 ansteht, fährt Ernst Lautenschlager zur örtlichen BMW-Vertretung. Die ist aber im Krieg im Stuttgarter Westen ausgebombt worden und führt ein äusserst bescheidenes Dasein in einer Garagenanlage an der Moltkestrasse, man würde auch Hinterhofwerkstatt dazu sagen. Nun will es das Schicksal, dass der junge Rudi Scholl ausgerechnet bei dieser BMW-Werkstatt seine Ausbildung erfährt. Da BMW zunächst keine neuen PKW produziert, sind die Kundenfahrzeuge alle Vorkriegsmodelle. Der legendäre BMW 328 ist allgegenwärtig.
Zwangsläufig gerät Rudi in Kontakt mit Ernst Lautenschlager. Der taucht zunächst mit dem kleinen Sechszylinder 315 auf. Im Jahr 1951 ist es Zeit für einen Fahrzeugwechsel, Ernst erwirbt ein BMW 327 Cabriolet aus dem Jahr 1938. Hiervon ist leider bisher kein Bild zum Vorschein gekommen, deshalb hier ein Werbefoto aus der Vorkriegszeit.
Wir wissen, dass das Fahrzeug mit dem Original-Pappbrief heute noch existiert. Zugelassen unter der Nr. W24-4866 am 18. September 1951 finden wir folgenden Eintrag im Fahrzeugbrief: 'Ernst Lautenschlager, |
Spätestens hier in der Werkstatt, wenn nicht schon vom Vater (ebenfalls BMW 328-Fahrer), springt der Motorsport-Bazillus auf Rudi über. Sein Meister ist Motorsportler und hat sich einen eigenen Rennwagen gebaut, mit dem er 1949 am Rennen auf dem Hockenheimring teilgenommen hat.
Neben dem Rennwagen des Werkstattmeisters steht ein Vorläufer der heutigen BMW "Servicemobile": Eine kleine BMW-Limousine erhielt einen selbst gedengelten Kastenaufbau. Ernst überredet Rudi, die BMW-Werkstatt zu verlassen und bei ihm im Cabaret die Stelle als Hausmeister (oder eigentlich "Mädchen für alles") zu übernehmen und seine geplanten Rennaktivitäten zu begleiten. Dieser Versuchung kann Rudi nicht widerstehen, eine derartige Chance gibt es nur ein Mal. Mehr als 10 turbulente Jahre stehen ihm bevor in einer Zeit, als das Wirtschaftswunder noch ausgesprochen verhalten ins Laufen kommt. | |
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![]() | Ernst macht Ernst könnte das Motto lauten. Für die Saison 1952 erwirbt er einen gebrauchten Veritas RS mit 6-Zylinder-Motor. Veritas sind Sport- und Rennfahrzeuge mit Vorkriegs-BMW-Technik, die in der Zeit von 1946 bis 1953 gebaut werden. Das auf dem Vorkriegs-BMW 328 basierende Antriebsaggregat leistet 100 PS. Hier ein Foto von einem solchen Fahrzeug. Damit hat sich Ernst Lautenschlager zum Eifelrennen am 25. Mai in der Sportwagenklasse bis 2 Liter Hubraum gemeldet. Er startet unter der Nr. 9 auf diesem nicht einfachen Kurs auf dem Nürburgring. Beim Chefredakteur der Zeitschrift "Das Auto, Motor und Sport" Heft 12 hat einen Eindruck hinterlassen, aber vielleicht nicht den gewünschten. Im Artikel 'Enttäuschendes Eifel-Jubiläumsrennen' schreibt der Journalist: "Nicht nur der kalte Wind, der über die Eifel pfiff, trug die Schuld an dem schlechten Besuch des Nürburgrings zu seinem 25. Jubiläum; die Leute hatten zuhause in der Zeitung das Nennungsergebnis studiert und 'ohne uns' gesagt..." Die angetretenen Fahrzeuge waren nicht mehr wirklich up-to-date und die internationale Konkurrenz glänzte durch Abwesenheit. "So waren denn, bis auf einen 15 Jahre alten BMW aus Luxemburg und einen zwar attraktiv blau-gelb gespritzten, sonst aber äusserst müden Ferrari aus Schweden die Deutschen in der 2-Liter-Sportwagenklasse unter sich."
Bei seinem Renndebüt gibt Ernst Lautenschlager sein Bestes und zeichnet sich durch zügigen Fahrstil aus. Wozu dies führt, hat ein Fotograf geistesgegenwärtig festgehalten. In der Bildunterschrift zum oben genannten Artikel lesen wir: "Hoppla! Nachwuchsfahrer Lautenschlager bewegte seinen Veritas etwas zu rasch in die Nordkurve hinein, rutschte mit dem Heck über die Böschung, fuhr weiter" Ja so ist er, unser Draufgänger. Aber ob und, wenn ja, wie er ins Ziel gekommen ist, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. | |
| Neuer Versuch am 3. August wieder auf dem Nürburgring zum Grossen Preis von Deutschland. Ernst startet mit dem Veritas unter der Nr. 10. Der Kurs des Nürburgrings erweist sich dieses Mal als noch tückischer. Unser Rennfahrer verliert die Kontrolle über seinen Veritas.
Wie wir noch sehen werden, fährt Ernst nie ohne Schutzengel. Wenn sein Rennwagen mit den Rädern nach oben zu liegen kommt, bleibt dem Fahrer wenig Platz, um sein Leben zu retten. Die Verkleidung hinter dem Fahrersitz dient der Windschlüpfigkeit, sie verbirgt keinen Überrpllbügel. Der schleudernde Veritas überschlägt sich und landet kopfüber im Strassengraben. Für Ernst ist im Graben genügend Platz, um den Kopf zu retten. Jetzt setzt Rudi Scholls Erinnerung ein: Ein Zuschauer eilt mit der Kamera herbei, um den Unfall abzulichten. Ernst – noch im Wagen – brüllt, er solle ihm aus dem Fahrzeug helfen, statt Fotos zu schiessen. Aus seiner misslichen Lage befreit, bewirft der vor Wut kochende Ernst den Gaffer mit einem Erdklumpen. Mit ein paar Helfern ist der Veritas schnell wieder auf die Räder gestellt, für Ernst ist das Rennen zu Ende, die Schutzengel haben Feierabend. | |
Am 9. und 10. August wird am Flughafen München-Riem ein Rundstreckenrennen für Motorräder und Autos ausgetragen. Ernst Lautenschlager ist wieder mit dem Veritas unter der Nr. 10 gemeldet, hat Bernhard Völker herausgefunden. Ob Ernst eine Woche nach dem Unfall am Nürburgring jedoch tatsächlich zum Rennen angetreten ist, wissen wir nicht. | ||
| Beim Internationalen AvD Avus-Rennen am 28. September 1952 geht es weiter. Ernst Lautenschlager ist für den 4. Meisterschaftslauf in der Sportwagenklasse E (1500-2000 ccm) unter "Münchener Renngemeinschaft" mit der Nr. 10 auf seinem Veritas gemeldet. Bekannte Namen sind in der Liste zu finden: Toni Ulmen, Fritz Riess, Wolfgang Seidel, Paul Pietsch und Heinz Melkus.
Die Teilnehmer reisen mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen an, links ein italienischer Renntransporter-Lkw, in der Mitte ein BMW 327 Cabriolet mit Anhänger. Vielleicht ist es sogar Ernsts Wagen, aber das Kennzeichen ist leider nicht entzifferbar. Der damalige Besucher des Avus-Rennens und Käufer des Programmhefts hat den Rennverlauf in der Rundentabelle mit Bleistift eingetragen. In der 1. Runde liegt Nr. 10 auf dem 5. Platz, in Runde 2 auf Platz 7 und in der Folgerunde taucht gar kein Eintrag mehr auf. Das spricht für einen Ausfall in der 3. Runde. | |
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Im Folgejahr gibt es einen Eintrag in der Starterliste zum XVII. Internationalen ADAC Eifelrennen am 31. Mai 1953 auf dem Nürburgring.
Dort nimmt Ernst Lautenschlager auf seinem BMW Veritas RS unter der Start-Nr. 29 beim Formel-2-Rennen teil, aber er scheidet vorzeitig aus.
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Beim IX. Internationalen AvD Avusrennen am 12. Juli 1953 startet Ernst Lautenschlager zum einen in der Sportwagenklasse bis 1,1 l Hubraum auf einem Dyna-Veritas, jedoch ohne Erfolg. Mehr Glück hat er in der Klasse für Rennwagen Formel 2 mit der Start-Nr. 29: Er kommt mit 2 Runden Rückstand auf den Sieger auf Platz 8 in der Klassierung. Das Fahrzeug ist laut Programmheft ein Veritas (BMW).
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| Am 2. August 1953 findet der XVI. Grosse Preis von Deutschland um den Rheinland Cup am Nürburgring statt.
Wir finden Ernst Lautenschlager in der Sportwagenklasse bis 1,5 l, hier als Start-Nr. 135. Sie wundern sich, dass der Veritas jetzt nur noch 1,5 Liter Hubraum hat? In diesen Jahren, als die Veranstalter froh um jeden Rennteilnehmer waren, galt Improvisation als oberste Tugend. Um in der entsprechenden Wagenklasse starten zu können, wurde notfalls auch während der Veranstaltung kurzerhand der Motor getauscht. Das ist auch kein Problem, denn anstelle des Zweiliters wird der ebenfalls von BMW stammende sechszylindrige 1,5-Liter-Motor eingebaut. Ernst schafft es mit dem Veritas RS BMW auf Rang 7. Neben dem Fahrzeug steht Rudi Scholl. | |
| Beim Bergrekord-Meisterschaftslauf in Schauinsland handelt es sich um ein internationales Bergrennen, das seit Jahrzehnten vom ADAC veranstaltet wird.
Am 9. August 1953 startet Ernst Lautenschlager auf seinem Veritas RS BMW in der Sportwagenklasse bis 1,5 Liter Hubraum.
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| Am 30. August 1953 werden die 1000 Kilometer am Nürburgring ausgetragen. Unter Nr. 28 ist der laut Programm Veritas (Comet) RS mit den Fahrern Ernst Lautenschlager/Heinz Fischer gemeldet, aber sie starten nicht beim Rennen. Im Internationalen Vergleich sind die alten Veritas-Modelle nicht mehr wirklich konkurrenzfähig, denn die Fahrzeugentwicklung hat erhebliche Fortschritte gemacht. Ernst Wagen taucht in keiner Nennung mehr auf, was aus dem Fahrzeug geworden ist, wissen wir leider nicht. | |
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Dass der 356 im Grund genommen auf dem VW Käfer basiert, dürfte vielen bekannt sein. Von ihm übernimmt er auch einige Konstruktionsmerkmale. Aber er entwickelt sich zunehmend von der alten Basis weg, ganz besonders was die Leistung betrifft. Mit dem auf 1,5 Liter Hubraum vergrösserten luftgekühlten Boxermotor mit Zweivergaseranlage und erheblich verbesserten Zylinderköpfen ist der Fahrer Herr über 70 PS. Da staunen die Fahrer so mancher Sechszylinder-Limousinen. |
Ernst Lautenschlager zieht die notwendige Konsequenz, statt alter Fahrzeuge kommt jetzt ein neues Sportfahrzeug ins Haus. Die Wahl fällt auf einen Porsche 356 1500 Super, das zu diesem Zeitpunkt leistungsstärkste Modell. Die nächst gelegene Vertretung des Zuffenhausener Werks ist die Hahn-Motorfahrzeuge GmbH in Stuttgarts Friedrichstrasse 20. Die verkauft fast ausschliesslich VW Käfer oder Busse, aber gelegentlich auch einen Porsche. |
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Während des Trainings, am Porsche 356 mit dem Kennzeichen AW58-7147 ist bereits die Start-Nr. aufgepinselt. Links sehen wir Benno Murazzi, den in Deutschland lebenden Italiener, der als Dolmetscher fungiert. Rechts steht Rudi Scholl.
Gut vorbereitet zeigt sich der Porsche bei der Abnahme: Steinschlagschutzgitter vor den Scheinwerfergläsern, ein Nebelscheinwerfer und Lederriemen zur zusätzlichen Sicherung der Kofferraumhaube.
Ernst Lautenschlager und Rudi Scholl auf der Startrampe. Gleich heult der Motor auf und sie donnern davon.
Wie sagt Rudi Scholl doch so trocken: "Bei den Zeitkontrollen war das sehr praktisch, statt die Seitenscheibe herunterzukurbeln, reicht man die Papiere durch die Windschutzscheibenöffnung." |
Am 1. und 2. Mai 1954 findet die Weltmeisterschaft der Sportwagen auf der XXI. Mille Miglia statt.
Bella Italia, Pause im Strassencafé, Ernst ist ganz entspannt.
Sie starten in der Gruppe Grand Tourismo bis 1,5 l Hubrau In 'Das Auto, Motor und Sport', Heft 10 von 1954 lesen wir unter 'Wie sich die Deutschen schlugen': "Auch der Stuttgarter Lautenschlager stürzte, nachdem er in Ravenna gehört hatte, dass er nur knapp hinter Frankenberg liege und nun mit Bleifuss hinterherjagte." Anmerkung des Chronisten: Das Wort "stürzte" stammt von den Motorradrennen, wurde damals aber auch bei Autorennen als Umschreibung für einen Unfall verwendet. Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Rudi Scholl berichtet, dass der Porsche am regnerischen und stürmischen Morgen des zweiten Tages von einer Windbö erfasst wird. Der Tank über der Vorderachse ist schon fast leer, die Vorderräder heben ab und die beiden Rennteilnehmer verlassen die Strasse in Richtung Kornfeld. Nachdem der Schreck überwunden ist, lautet der Beschluss: Weiterfahren. Dazu muss das auf der Fahrerseite stark eingebeulte Dach jedoch erst nach oben gedrückt werden. In der Schmiede von Cattolica bei Riccione gelingt dies mit zwei grossen Brechstangen. Und damit niemand glaubt, das sei Rennfahrerlatein, hier der 356 in voller Fahrt:
Geknickte Knickscheibe (in Porsche-Kreisen der Ausdruck für Fahrzeuge bis Baujahr 1955 mit dem markanten Knick in der Windschutzscheibe): Beifahrer Rudi Scholl neben dem reichlich zerstörten Porsche 356, der nur wenige Wochen alt ist |
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Alljährlich erscheint nach Ende der Mille Miglia ein grosses Heft, das sämtliche Ergebnisse der verschiedenen Etappen detailliert auflistet. Wir werden gelegentlich einen Blick hinein werfen. |
Eine späte Ehre wird dem Team noch zuteil. Der italienische
Hersteller von 1:43-Miniaturen Brumm bringt das von
Lautenschlager/Scholl gefahrene 356 Coupé mit der authentischen
Start-Nr. 234 in einer limitierten Auflage auf den Markt. Allerdings haben die Italiener bei den Details ziemlich geschlampt, Der Porsche ist silberfarben und nicht rot, und er wird dieses Mal auch nicht ohne Stossstangen gefahren, wie unsere Bilder beweisen. | |
![]() | Was jeder VW Käfer-Fahrer schon erfahren hat, gilt in gleicher Weise für den Porsche 356. Am ausgebauten Motor sind viele Wartungsarbeiten wesentlich leichter zu erledigen als im engen Motorraum. So hat auch Rudi Scholl kurzerhand die vier wesentlichen Muttern herausgedreht, die Züge getrennt und den Vierzylinder ans Tageslicht befördert. Die Karosserie ist mittlerweile wieder in der Originalform. | |
Kennzeichenvergleich: Es ist derselbe Porsche, der in Italien schwer beschädigt wurde. | In der kleinen österreichischen Kurstadt Baden bei Wien versucht ein rühriger Kurdirektor, neues Publikum anzulocken. In der Stadt wird zum 4. Juli ein Strassenrennen um den Bäderpreis von Österreich ausgeschrieben.
Auch Ernst Lautenschlager erscheint mit dem wieder hergestellten Porsche zu diesem Ereignis. Aber bereits beim Training kommt das vorzeitige Aus. Ein unvorsichtiger Passant (der Legende nach mit einem Kinderwagen) gerät vor den mit vollem Tempo heranrasenden Porsche. Ernst reisst das Lenkrad herum, verschont den Fussgänger und setzt den Porsche zwischen eine Mauer und einen Mast. Das Ergebnis sehen wir hier. An eine Teilnahme am Rennen ist nicht mehr zu denken. | |
| Kaum zu glauben, schon am 1. August tritt Ernst Lautenschlager wieder im reparierten Porsche mit dem amtlichen Kennzeichen AW58-7147 am Nürburgring an. Dort findet der Grosse Preis von Deutschland statt.
Aus Bernhard Völkers Unterlagen wissen wir, dass er unter der Nr. 90 gestartet ist, und Rudi Scholl hat ihn hier in der Nordkurve am Nürburgring abgelichtet. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass einige Vereinfachungen vorgenommen wurden: So hat die Stossstange hinten ihre Hörner und auch ihre Chromleiste eingebüsst, auch auf das verchromt D-Schild, das schon einmal auf einem Bild zu sehen war, wurde verzichtet. Dies ist die letzte Aufnahme von diesem Fahrzeug. Ob bei den noch folgenden beiden Veranstaltungen im Jahr 1954 dieser 356 oder sein Nachfolger eingesetzt wurde, ist (noch) unklar.
Ernst hat sich jedenfalls ein Fahrzeug beschafft, das dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich sieht. Aber es trägt das amtliche Kennzeichen AW83-6577 und besitzt einen Aussenspiegel auf dem linken Kotflügel. Beides werden wir zu späterer Gelegenheit noch sehen. | |
| Beim internationalen AvD Avus-Rennen um den Grossen Preis von Berlin am 19. September 1954 nimmt Ernst Lautenschlager in der Kategorie Seriensportwagen/GT bis 1600 cm³ teil.
Diesmal ist ihm das Glück hold, er erreicht unter der Nr. 7 gestartet Rang 2 noch vor so renommierten Rennfahrerkollegen wie Richard von Frankenberg (4. Platz) und Wolfgang Graf Berghe von Trips (5. Platz). In der 'Motor Rundschau - NKZ' Heft 19 1954 lesen wir unter dem Titel 'Avus-Rennen entschied die Deutsche Automobil-Meisterschaft 1954': "In der 1600-ccm-Sportwagenklasse schlug H. Polensky mit 156,5 km/h seine Porsche-Konkurrenten E. Lautenschlager und den Schweizer Heuberger, doch sicherte sich hier Graf Trips-Köln als Fünftplazierter hinter v. Frankenberg die Meisterschaft."
(Foto: Bert Sass) Die 'ADAC Motorwelt' berichtet unter 'Schnellste Rennstrecke der Welt - Die Avus' in Heft 10 1954: "Sieger in der Klasse der Seriensportwagen bis 1600 ccm wurde Helmut Polensky, Karlsruhe, vor Ernst Conty, Stuttgart, beide auf Porsche." Wie bitte? Conty? Ja wirklich, gelegentlich startet unser Ernst Lautenschlager unter dem Pseudonym "Conty", häufiger jedoch "Conti". Ach so ...
Und das 'Jahrbuch Internationaler Motorsport 1954' wirft gleich noch einmal einen Blick auf die Rennfahrer, die aus welchen Gründen auch immer unter einem anderen Namen starten. Es berichtet vom "Internationalen AvD-Avus-Rennen ... das am 19. September vor nahezu 100 000 Zuschauern auf dem 8,4 km langen Berliner Hochgeschwindigkeitskurs als letzte autorennsportliche Veranstaltung dieses Jahres im Bundesgebiet in Szene ging ...
Für die Vitrine zu Hause gibt es eine Silberschale, gestiftet von den Continental Gummiwerken. | |
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An der Internationalen ADAC-Rheinlandfahrt auf dem Nürburgring nimmt Ernst Lautenschlager am 3. Oktober 1954 ebenfalls mit seinem Porsche teil.
Nach den gefahrenen Zeiten erfolgte vor der Abfahrt zur Bergprüfung die Aufstellung der strafpunktfreien Wagen. Wir zitieren aus 'ADAC Motorwelt' Heft 11 1954: "Bei den Klassen der serienmässigen Sportwagen waren die Porsche unter sich... Beide fuhren mit ihren Porsches in ausgezeichnet sauberem 'power slide' die Bergprüfungsstrecke. Rolff in 2.58,0 Min. Oebels in 3.02,4 Min... Also Klassensieger der 1300er Victor Rolff, bei den 1600ern Rolf Goetze. Der Zweitbeste in der Bergzeit der 1600er, Lautenschlager, Stuttgart, auf Porsche, war schon langsamer als Oebels."
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Es soll in den Süden gehen, aber die Strasse ist nicht mehr vollständig befahrbar. Es geht zurück und der Porsche wird per Bahnverladung zu seinem Bestimmungsort gebracht. | Mit der Start-Nr. 252 im hinteren Seitenfenster sehen wir hier den erst jüngst gekauften Porsche 356 auf tief verschneiten Strassen am Gotthard.
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| Während in Deutschland im Januar Schnee und Eis regieren, herrscht im Süden Frankreichs ein wesentlich moderateres Klima. Einfach nach Südfrankreich zu reisen, wäre dem Sportsmann Ernst zu wenig. Also meldet er sich für die legendäre Rallye Monte Carlo, die vom 17. bis 21. Januar 1955 stattfindet. Die französische Post würdigt dieses Ereignis mit einer besonderen Briefmarke. Und um allen Beteiligten den Mund ein wenig wässrig zu machen, hier ein Bild von der Principauté aus der Zeit. Wer kann da widerstehen?
Das Team Lautenschlager/Scholl startet mit der Nr. 216.
Die beiden erreichen das Ziel, aber sie kommen nicht in die Wertung. | |
Die Aluminium-Karosserien für den Porsche 550 entstehen bei der renommierten Firma Wendler in Reutlingen. Wer genau hinschaut, erkennt dieses Herstellerschild auch beidseits an Ernsts Fahrzeug. |
Für die Saison 1955 beschliesst Ernst Lautenschlager, Nägel mit Köpfen zu machen. Er erwirbt einen neuen Porsche 550 Spyder. Ja richtig, solch ein Fahrzeug besass auch der junge amerikanische Filmschauspieler James Dean, mit dem dieser dann tödlich verunglückt ist.
Diese Fahrzeuge entstehen in der Rennabteilung des Zuffenhausener Autoherstellers. Hier einige Blicke hinter sonst fest verschlossene Türen. Zugelassen am 29. März 1955 steht nun ein technischer Leckerbissen vor der Tür. Für bessere Fahrdynamik liegt der Motor vor dem Getriebe, Mittelmotor sagt man dazu. Vier obenliegende Nockenwellen von sogenannten Königswellen (Bild links unten) angetrieben sind verantwortlich für den Ventiltrieb. Die Leistung kann sich sehen lassen: 110 PS bei 7800/min aus 1,5 Liter Hubraum, damit schafft man 0 – 100 in 10 Sekunden und kommt auf 220 km/h. Das ist nur durch die Beschränkung auf das Notwendigste möglich: Leichtmetallkarosserie mit winziger Rennscheibe. Verdeck? Seitenscheiben? Fehlanzeige, schliesslich gilt es, auf 550 kg Gewicht ohne Treibstoff zu kommen. (Fotos: Wörner)
Die Autogrammkarte zeigt den Porsche in weisser Lackierung vor der Boxengasse der Solitude-Rennstrecke bei Leonberg. Das W21 im Kennzeichen steht für "Amerikanische Besatzungszone Württemberg, Stadt Stuttgart". |
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Die Erfolg in Frankreich ist es der Firma Veedol, Hersteller von Motorölen, auch wert, in einer Anzeige verkündet zu werden.
Die Heimreise tritt das Team mit Pokal an. |
Bereits am 17. April 1955 taucht der Porsche 550 #0033 bei den Coupes de Paris auf.
Schranke auf für Ernst. hinter dem Spyder sehen wir links Rudi Scholl mit Mütze und in der Mitte Hannelore Lautenschlager, Ernsts Ehefrau.
Ernst Lautenschlager, hier mit seinem treuen Co-Piloten und Mechaniker Rudi Scholl, ist erfolgreich mit der Start-Nr. 19 und landet auf Rang 13 im Gesamtklassement und auf Platz 2 in der Gruppe Rennsportwagen bis 1500 cm³.
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Vom 30. April bis 1. Mai 1955 ist die XXII: Mille Miglia Brescia angesagt. Ernst Lautenschlager (hier im feinen Zwirn) ...
... und Rudi Scholl (deutlich lässiger gekleidet) machen sich auf den Weg nach Italien, hier beim Zwischenstop am Gardasee.
Auch der Porsche ist im Sonntagsstaat – mit Radkappen. |
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Quälende Minuten bevor es losgeht. |
Endlich auf dem ersehnten Startplatz. |
Nach dem Crash im Vorjahr gelingt es dem wesentlich besonneren Rudi Scholl, Ernst zu einer weniger riskanten Fahrweise zu überreden. Das Ergebnis bleibt nicht aus. Der Reporter für die 'ADAC Motorwelt' hat im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt und uns einen Eindruck vom Rennen hinterlassen.
"Auch Porsche konnte grosse Erfolge erringen. Hier nehmen eben Lautenschlager/Scholl, die Dritten in der Sportwagenklasse bis 1500 ccm, eine gefährliche Kurve".
| Wir finden ihn mit seinem Beifahrer Rudi Scholl am Ende des Rennens an 23. Stelle im Gesamtklassement und auf Platz 3 in der Gruppe Rennsportwagen bis 1,5 Liter Hubraum.
Der siegreiche Porsche frisch gewaschen umringt von Schaulustigen.
Die beiden Rennfahrer kehren heim jeder glücklich mit einem Pokal "Trofeo Franco Mazzotti" | |
Wer bereits über ein Fernsehgerät verfügt, kann den weissen Spyder im Einsatz erleben. |
Am 8. Mai 1955 findet auf dem Hockenheimring das Rennen um den Rhein-Pokal statt.
Die Konkurrenten treten zum Rennen an, Ernst Lautenschlager startet unter der Nr. 12.
In seiner Klasse belegt er hinter Richard von Frankenberg den 2. Platz. Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.
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Die ersten
Aufwärmrunden. Der Porsche Spyder von Ernst Lautenschlager trägt die
Start-Nr. 20.
Start! Ernst hat einen hauchdünnen Vorsprung.
Barth folgt dichtauf mit der Nr. 26 ...
... und ist vorbeigezogen. Jetzt drängelt Rosenhammer mit der Nr. 27. | Am 15. Mai 1955 findet in Dessau in der DDR die Strassenmeisterschaft statt.
Im Motorsport ist noch nichts vom Kalten Krieg zu spüren, wie der nebenstehende Zeitungsartikel über den Verlauf des Rennens beweist: "Der Höhepunkt des Tages war zweifellos das 23-Runden-Rennen der Klasse F bis 1500 ccm. Auf Grund eines bedauerlichen Unfalls in Hockenheim konnten Theo Helfrich und Kurt Ahrens ihre eingegangenen Startverplichtungen nicht erfüllen. Während Theo Helfrich noch an das Bett gefesselt ist, kam Ahrens als Zuschauer nach Dessau. In einem matten Maisonnenschein glänzten die neu karosserierten EMW, die von Edgar Barth, Arthur Rosenhammer, Paul Thiel und Egon Binninger gesteuert wurden. Der westdeutsche Gast Lautenschlager, einen neuesten Porsche-Spyder fahrend, setzte sich mit seinem Wagen sofort an die Spitze. Wie eine grosse Raubkatze sass Edgar Barth seinem Gegner im Nacken, um nach der zweiten Runde an ihm vorbeizuziehen. Einige Runden später schob sich auch Arthur Rosenhammer an Lautenschlager vorbei. Der Bündheimer Robert Trenkel hatte gleichfalls den neuesten Spyder im Rennen. Er musste sich nach er Hälfte des Rennens die Überrundung durch Barth und Rosenhammer gefallen lassen. Systematisch und sicher bauten die führenden EMW-Fahrer ihre Position aus. Friedrich Höftmann von der Westberliner Renngemeinschaft hatte in keiner Phase des Rennens eine Chance und gab mit seinem älteren Porsche-Modell mit Maschinenschaden auf. Gegen Ende der 120-km-Distanz gab es zwei Gruppen, die das Interesse der Zuschauer auf sich zogen. Einmal näherte sich von Runde zu Runde Arthur Rosenhammer seinem Stallgefährten Edgar Barth. Dabei erreichte der Meister des Sports Schnitte für eine Runde von 142 bzw. 151 km/st. Bei beiden Wagen rutschen die Kupplungen. Mit Beginn der fünftletzten Runde griff auch Paul Thiel den nunmehr an dritter Stelle liegenden Lautenschlager unaufhörlich an. Für den jungen Nachwuchsmann ergab sich kaum eine reelle Chance, um an dem Schwaben vorbeizuhuschen. Ausgangs der letzten Runde erschien plötzlich hinter der schützenden Wand der Strohballen nicht mehr Lautenschlager als Dritter, sondern Paul Thiel."
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Im Hintergrund steht Ernsts Wagen mit der Start-Nr. 44.
Der Nürburgring ist als anspruchsvolle Rennstrecke bekannt. Ernst Lautenschlager bringt seinen Spyder ins Ziel, an 11. Stelle, was angesichts der zahlreichen Starter kein schlechtes Ergebnis ist. | Als nächstes steht der 29. Mai im Terminkalender. Am Nürburgring wird das ADAC-Eifel-Rennen ausgetragen. Ernst rückt mit seinem Porsche 356 und dem 550 Spyder an.
Während vom Einsatz im 356 unter der Start-Nr. 86 nur dieses Foto auf dem Parkplatz zeugt, ist das Rennen mit dem Spyder gut dokumentiert.
Ernst auf dem Weg zum Startplatz, neben ihm steht Rudi Scholl. | |
Der Stadtkurs von Porto weist erhebliche Tücken auf. Es geht über Kopfsteinpflaster und tief eingeschnittene Strassenbahnschienen.
... überschlägt sich und landet mit den Rädern nach oben neben der Rennstrecke. Ein kaltblütiger Fotograf hat den Moment des Aufschlags festgehalten. Und Rudi Scholl hat nicht geruht, bis er dieses und die folgenden Fotos aus Portugal erhielt.
Von dieser Seite dürften die wenigsten den Porsche 550 kennen. Für möglichst geringen Luftwiderstand haben die Konstrukteure grossen Wert auf einen glatten Fahrzeugboden gelegt. | Zu einem weiteren Auslandseinsatz geht es auf die Rennstrecke Boavista bei Oporto in Portugal am 26. Juni 1955.
Ernst liegt mit der Nr. 10 gut im Tranining, gelangt aber auf die Strassenbahnschienen. Die Reifen verlieren die Seitenführung, der Spyder gerät aus der Spur ...
Ernst hat sich instinktiv zur Seite geduckt – der Porsche hat keinen Überrollbügel – und ist unverletzt aus dem Wagen herausgekrochen. Es müssen mindestens zwei Schutzengel mitgefahren sein! Die herbeigeilten Helfe beratschlagen, was zu tun ist. Wir fanden nur den folgenden Text über das Rennen: "Im 'Copa Ciudad de Oporto' dominieren die Porsche 550 Spyder, wobei der Portugiese Filipe Nogueira im Training noch vor den deutschen Fahrern Wolfgang Seidel und Ernst Lautenschlager liegt." Möglicherweise ist dem Berichterstatter da etwas Wesentliches entgangen ... Nach diesem Vorkommnis ist für den Mechaniker an Schlaf nicht zu denken. Er hat 24 Stunden Zeit, den Spyder wieder einsatzbereit zu machen. Ein portugiesischer Helfer und er dengeln die ganze Nacht die Aluhaut wieder in Form, damit Ernst am Folgetag am Rennen teilnehmen kann. Und tatsächlich, zum Rennen ist er am Start und kommt sogar auf den 3. Platz, was uns Bernhard Völkers Renn-Archiv verrät.
Und nach dem Rennen gleich noch einmal unser Held mit seinem Team. Von links Rudi Scholl, dahinter seine Frau Ruth, auf dem Porsche Hannelore und Ernst Lautenschlager, dahinter Benno Murazzi. Nur der junge Mann ganz rechts bleibt unbekannt. | |
| Vom 17. bis 21. August 1955 findet die berühmte Langstreckenfahrt Lüttich-Rom-Lüttich statt. Es gilt, 5156 km in einer Etappe zurückzulegen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 bis 72 km/h je nach Strasse.
Die Fahrzeuge sind vor dem Sitz der Provinzregierung aufgestellt, wir sehen Ernst Lautenschlager mit seinem Co-Piloten Heinz Fischer.
Der Porsche steht mit der Nr. 46 und einem zusätzlichen Weitstrahler an der Startlinie - noch schnell ein Fotos für's Fotoalbum. Aber das war's dann auch, Ankunft Fehlanzeige. | |
Wer auf Details achtet, stellt fest, dass die Fabrikschilder des Karosserieherstellers Wendler nach der Reparatur des Unfalls von Porto nicht mehr an den Seitenteilen montiert wurden. | Am 28. August findet am Nürburgring der Grosse Preis der Sportwagen statt, Distanz 500 km.
Trotz allen Einsatzes reicht es leider nur zu einem 11. Platz. | |
![]() | Bereits am folgenden Wochenende ist in Stockholm ein Rennen angesagt, bei dem Ernst Lautenschlager mit dem Spyder teilnimmt. Bernhard Völker konnte bis jetzt Folgendes recherchieren: Ernst ist unter der Nr. 10 gestartet in der Klasse Spezialsportwagen bis 2000 ccm; allerdings nach 5 von 25 Runden ausgefallen. | |
Anschliessend findet der Lauf um den Grossen Preis von Berlin für Rennsportwagen bis 1500 cm³ mit 16 Teilnehmern statt.
Gleich geht's los: Ernst startet unter der Nr. 20, er steht hinter dem EMW mit Start-Nr. 9. Der 550 Spyder hat mittlerweile eine Verjüngungskur erfahren. Die Frontpartie des Porsches wurde mit Öffnungen zur Kühlung der vorderen Bremsen versehen und die Karosserie ist hochglänzend silbern lackiert.
Irgendwo unterwegs der Porsche 356 noch mit der Start-Nr. von der Avus. | Beim Avus-Rennen am 25. September 1955 in Berlin tritt Ernst Lautenschlager mit 2 Fahrzeugen an.
Für Rennen 2, den AvD-Preis der Avus ist Ernst mit seinem Porsche 356 unter der Start-Nr. 46 gemeldet in der Gruppe Grand-Tourisme-Wagen bis 2000 ccm. In der Runden-Tabelle des Programmhefts hat unser begeisterter Zuschauer die Nr. 46 nur in der 2. Runde eingezeichnet. Beim Start dürfte das Getümmel auf der Strecke so gross gewesen sein, dass es zum Eintragen nicht gereicht hat. Aber schon in Runde 3 fehlt Lautenschlager. Am Schluss sind von 15 gestarteten Fahrern noch 4 übrig, wenn man den Einträgen Glauben schenken darf.
An der Spitze der spätere Sieger von Frankenberg, dicht gefolgt von den unglaublich schnellen EMW-Rennwagen aus Ostdeutschland. Ernst Lautenschlager wird sich noch auf den 6. Platz heranarbeiten.
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Aber das Publikum wartet vergeblich, die beiden treten nicht an. | Die Targa Florio findet am 16. Oktober 1955 auf dem sogenannten kleinen Kurs statt. Das Team Lautenschlager/Scholl ist als Start-Nr. 60 gemeldet.
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Porsche hat zum Herbst 1955 das neue Modell 356 A mit einer nunmehr gerundeten Windschutzscheibe herausgebracht. Solch einen hat sich Ernst flugs als Carerra geordert. Das heisst, dass das harmlos ausschauende Coupé unter der Motorhaube den 4-Nockenwellenmotor des Porsche 550 Spyder verbirgt. Zwar sind in dieser Strassenversion "nur" 100 PS verfügbar statt 110 im Spyder, damit ist man zweifellos "King of the road". Hier steht er irgendwo in Norditalien stolz neben seiner Neuerwerbung mit dem amtlichen Kennzeichen W58-8690. |
Grosses Hallo bei den Verwandten in der Lahrensmühle, wenn Vetter Ernst im Spätherbst mit dem "Neuen" auftaucht. | |
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Für die beiden Draufgänger endet das Rennen im Krankenhaus, nachdem sie den Porsche bei San Benedetto kräftig kaltverformt haben.
Rudi Scholl, der mit von der Partie ist, fährt kurzerhand nach Hause und rückt mit VW Bus und Anhänger aus, um den Porsche heim zu holen. Bei der Rückfahrt schneit es am Brennerpass. | Die Mille Miglia schätzt Ernst Lautenschlager besonders. So nimmt es nicht Wunder, dass er zum Start der Saison 1956 am 29. April unter der Nr. 253 auf seinem Porsche 356 Carrera mit Co-Pilot Heinz Fischer in der Klasse T/GT1.6 dort antritt.
Das Rennen der Giganten lautet die Schlagzeile des Bolletino Mille Miglia.
Beim Anblick der Front des 356 Carrera wird klar, dass hier ein heftiger Aufprall stattgefunden hat und die nicht angeschnallten Insassen erhebliche Verletzungen erlitten haben müssen. Durch die Sturzhelme wurde zumindest das Schlimmste verhindert. Ernst Lautenschlager hat sich beim Unfall erheblich an der Wirbelsäule verletzt, er muss 3 Wochen im Krankenhaus liegen. Und auch nach dieser Zeit kann er auf keinen Fall die Rückreise im Sitzen antreten. Also mit dem Krankenwagen zurück nach Stuttgart? Nein, die Scholl'sche Lösung sieht folgendermassen aus:
Der Lautenschlagersche Fuhrpark wird um einen Opel Kapitän Modell 1954 (hier ein Prospektbild) bereichert. Kurz entschlossen baut Rudi die Rücksitzbank aus und entfernt die X-Verstrebung zwischen Innenraum und Kofferabteil. Jetzt kann eine bis zum Fahrzeugheck reichende Liegestatt untergebracht werden. Solchermassen gerüstet fährt Rudi in San Benedetto vor. Heinz Fischer ist völlig genesen und nimmt auf dem Beifahrersitz Platz, Ernst reist "Liegewagen-Klasse". | |
| Einen Monat später findet am 27. Mai 1956 am Nürburgring das 1000-km-Rennen statt. In der Starterliste taucht unter Nr. 42 Lautenschlagers Porsche 550 und Beifahrer Heinz Fischer auf, aber sie treten das Rennen nicht an, denn die Verletzungen vom letzten Crash sind noch nicht auskuriert. | |
Die Rennstrecke Boavista in der Hafenstadt Porto in Portugal scheint ebenfalls einen besonderen Reiz auf den Rennfahrer auszuüben. Es gibt Hinweise, dass er sich für dieses Rennen am 17. Juni 1956 mit dem Porsche 550 gemeldet hat, aber eine Teilnahme konnte nicht nachgewiesen werden. Schuld könnten die Unfallfolgen von der Mille Miglia sein. | ||
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Das Solitude-Rennen ist für den 22. Juli anberaumt. Auch hier muss Ernst wegen seiner angeknacksten Wirbelsäule verzichten. Sein Porsche Spyder wird von einem Rennfahrer-Kollegen gefahren: Josef Jeser aus Tübigen. Wir sehen ihn hier mit der Start-Nr. 23 im Fahrerlager. Fahrer Jeser schlägt sich wacker und bringt den Porsche 550 nach Bernhard Völkers Recherchen auf den 7. Platz. |
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Start zum Grossen Preis. Ganz vorn Phil Hill mit der Nr. 18. Ernst liegt entsprechend seiner Trainingszeit ganz hinten.
Kampf der Ungleichen, der Porsche Spyder von Nogeira Pinto inmitten der grossvolumigen Rennwagen. Ganz rechts Phil Hill mit der Nr. 18.
Unverdrossen nimmt er am Rennen teil, ein Zeitungsreporter hat ihn dabei mit der Kamera festgehalten. Das Fahrzeug ist mittlerweile nach dem seit 1. Juli 1956 geltenden System mit weissen Schildern umgekennzeichnet. |
Beim VI. Grossen Preis von Portugal am 9. Juni 1957 erleben wir den letzten Auftritt von Ernst Lautenschlager im Porsche 550 Spyder. Die Veranstaltung findet in Lissabon im Monsanto Park statt. Die 5,44 km lange Strecke lässt weniger hohe Geschwindigkeiten zu als der Kurs in Porto und findet auf einem Teil der Nationalstrasse Caxias – Lissabon statt.
Auf Grund der sehr unterschiedlichen Fahrzeuge kann man sich vorstellen, dass die Rundenzeiten der Fahrer stark differieren. Uns liegt eine Zusammenfassung des Trainings vor, die Ernst Lautenschlager an 16. Stelle auflistet. Juan Manuel Fangio legt im Maserati 143 km/h vor und erringt den ersten Rang, Ernst liegt an 16. Stelle mit 116,54 km/h. Man darf dieses Ergebnis nicht überbewerten und Ernst behält die Nerven. Er steht in Konkurrenz mit solchen Weltklassefahrern wie Juan Manuel Fangio oder Phil Hill, der übrigens im Rennen ausfällt. Da ist der sportliche Ehrgeiz durchaus zu bewundern. Auch beim Automobilsport gilt das olympische Prinzip: dabei sein ist alles. Und inmitten weltbekannter Rennfahrer dabei zu sein, das ist schon etwas!
Auch im Rennen treten zwei Hubraum-Klassen gemeinsam an. In der Endwertung sind 5 Fahrer in Klasse I und 7 Fahrer in Klasse II gelistet. Fangio hat in Klasse I mit dem bärenstarken Maserati 55 Runden zurückgelegt, seine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 139,83 km/h. In Klasse II ist Francois Picard mit 128,18 km/h der Schnellste, Ernst liegt mit 114,88 km/h deutlich darunter und landet auf dem 7. Rang seiner Klasse und dem 12. Platz in der Gesamtwertung. Das ist zwar nicht berauschend, aber betrachten wir das Ganze aus anderer Sichtweise: im Juni Rennen fahren in Lissabon oder Alltag in Stuttgart. Na also, Sie haben verstanden.
Weitere Rennaktivitäten sind für 1957 und 1958 nicht bekannt. Der Porsche 550 Spyder wird schliesslich verkauft und gelangt später in die USA. |
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Zwischendurch steht mal wieder ein Besuch in der Lahrensmühle an. Vetter Ernst ist mit dem sechszylindrigen Opel Kapitän vorgefahren, den er angesichts seiner angegriffenen Wirbelsäule als komfortables Transportmittel weiterhin nutzt. Die Gelegenheit hat die nächste Generation genutzt, auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen und vorsichtig ins Lenkrad zu fassen. Um unseren Beitrag nicht zu lang werden zu lassen, haben wir ihn zweigeteilt. Folgen Sie uns doch bitte in die Jahre mit Stanguellini und Ferrari. |
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