Startseite Geschichte Ein Rennfahrer von der Lahrensmühle auf Stanguellini und Ferrari

Ein Rennfahrer von der Lahrensmühle auf Stanguellini und Ferrari

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Da steht der brandneue Renner mit der Fahrgestell-Nr. CS 00127 und der Motor-Nr. 555793, fertiggestellt am 26.03.1959. In Sachen Karosserieform kann den Italienern zu jener Zeit niemand etwas vormachen, der Monoposto (Einsitzer) sieht einfach hinreissend aus.

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Gruppenbild mit dem Stanguellini-Rennleiter Sergio Sghedoni.

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Die Doppelnutzung als Flugplatz und Rennbahn erklärt das ungewöhnliche Zusammentreffen der hier gezeigten Fahrzeuge.


Für 1959 steht wieder ein Fahrzeugwechsel an: Ernst Lautenschlager übernimmt am 4. April einen von rund 70 in diesem Jahr gebauten Stanguellini-Fiat Formel Junior mit der Fahrgestell-Nr. CS 00127. Das ist eine neue, in Italien vom italienischen Rennfahrer und Journalisten Giovanni Conte Lurani kreierte Rennwagen-Klasse, die Nachwuchspiloten eine Chance geben soll. Der offene Einsitzer (Monoposto) muss einen Radstand von mindestens 2000 mm haben, der Motor darf maximal 1,1 Liter Hubraum aufweisen und muss von einem homologierten Fahrzeug (in unserem Fall ein Fiat 1100) stammen. Und dann gilt es noch, ein Mindestgewicht von 400 kg zu erreichen.

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Stanguellini war schon vor dem zweiten Weltkrieg aktiv, und die von ihm gebauten Formel Junior zählen zu den Top of the Top. Schliesslich ist auch Juan Manuel Fangio als Testfahrer bei den Abstimmungsarbeiten beteiligt. Fast hätten wir es vergessen: 72 PS leistet der kleine Vierzylinder, also genau das Doppelte des Serientriebwerks.

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Die Vorderradaufhängung stammt ebenfalls vom Fiat 1100.

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Es geht gleich auf den Aeroautodromo von Modena, um den "Neuen" zu testen.


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Noch ohne Start-Nummer trainiert Ernst mit dem "Neuen".

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In voller Fahrt geht es durch die Berge und er kommt auf den 5. Platz.

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... gleich noch einmal mit der Giulietta unter der Start-Nr. 332. Auf dem Kotflügel ist der Name der italienischen Schönheit montiert: Giulietta Sprint Veloce, darunter das Markenzeichen des Karosserieherstellers Bertone. Wie sich unser Rennfahrer mit dem Alfa-Romeo geschlagen hat, bleibt im Dunkeln.


In der Nähe von Verona findet der 2. Corsa in Salita auf öffentlichen Strassen zwischen Stallavena und Boscochiesanuova statt, und zwar genau einen Tag nach Übernahme des Fahrzeugs am 5. April 1959.

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Die unbekannte Strecke muss regelrecht "erfahren" werden.

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Ausnahmsweise geht es hier einmal bergab.

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Und weil's so schön war ...

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Jetzt geht es schnell nach Hause, denn Ernst Lautenschlager will seine Neuerwerbung der deutschen Öffentlichkeit präsentieren.



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Die Fach- und Tagespresse ist eingeladen, den Boliden auf der Solitude-Rennstrecke in Augenschein zu nehmen.

Wir zitieren aus 'Das Auto, Motor und Sport' Heft 9 von 1959: "Der erste Deutsche, der einen Original-Stanguellini Junior Grand Prix Wagen nach Deutschland gebracht hat, ist der Stuttgarter Ernst Lautenschlager. Er ist mit diesem Fahrzeug auch bereits in einem italienischen Bergrennen in der Nähe von Verona gestartet, wo er in der Junior-Klasse 5. wurde. Lautenschlager will in den nächsten Wochen in Rimini, Montlhéry, Monte Carlo und Pau bei den Formel Junior-Rennen starten."

Von den genannten Rennen haben wir bis jetzt nur zwei nachverfolgen können.

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Auch eine örtliche Tageszeitung berichtet von dem Ereignis am 12. April 1959. Im Foto erkennen wir das Start-und Ziel-Haus an der Solitude-Rennstrecke. Rechts daneben steht Ernst Lautenschlager, während Rudi Scholl im geöffneten Motorraum hantiert: "Den Höhepunkt des Solituderennens am 19. Juli sollen 18 bis 20 dieser Boliden darstellen, die nach der neuen Junior-Formel gebaut werden. Dieser im Bild gezeigte Wagen ist ein Stanguellini aus Modena, ein von dem seit Jahrzehnten bekannten Fiat-Tuner auf Fiat-Basis in Serie fabrizierter Wagen. Sein Eigentümer ist der Stuttgarter Ernst Lautenschlager, der den Wagen am Sonntagvormittag der Presse und dem ADAC vorstellte und der am letzten Sonntag beim Bergrennen von Verona Bosco-Chiesa in einem Klassefeld den fünften Platz belegte. Walther Berghe von Trips, Lang und andere deutsche Fahrer haben diesen Wagen bestellt. Die hauptsächlichen Daten 1100 ccm, elektrischer Starter und weitgehendste Verwendung von Serienteilen."

Der Chronist muss hier korrigieren: Der Vorname von Graf Trips ist Wolfgang.



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Die Rennstrecke erreicht der Stanguellini mit 2 MS (Menschenstärken).

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Die Teilnehmer von der Tribüne gesehen.

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Nachzutragen bleibt, dass Ernst Lautenschlager auch die höchste Geschwindigkeit des Tages gefahren ist: knapp 210 km/h.


Zurück nach Italien und neuer Einsatz für das Fahrzeug am 19. April wieder unter der Start-Nr. 5 beim VII. Trofeo Bruno e Fofi Vigorelli.

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Ein Blick ins Fahrerlager.

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Rudi Scholl bei der Arbeit unter den aufmerksamen Augen der Zuschauer.

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Ernst beim Training in Monza

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Getümmel an den Boxen vor den Start des Rennens.

In 'Das Auto, Motor und Sport' Heft 10 1959 berichtet Richard von Frankenberg: "In Monza fand der 'Prix Vigorelli' für Junior Grand Prix-Wagen statt. Diesmal waren die Stanguellini-Rennwagen klar überlegen. Sieger wurde Businello, der bereits das Bergrennen bei Verona gewonnen hat, über das wir in der letzten Nummer berichteten. Sein Durchschnitt betrug 160,154 km/st; die schnellste Runde fuhr er in 2'06,6'', was 163,507 km/st entspricht. Dies ist eine Rundenzeit, wie sie auch von einem Carrera GT in Monza kaum erreicht wird. Lautenschlager wurde 7."



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Kaum abgeladen, ist der Stanguellini vor lauter Schaulustigen kaum noch zu sehen. Rechts parkt der VW Bus aus dem Lautenchlagerschen Fuhrpark.

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Ernst dreht seine Runden ....


Zum Trainieren hat sich das Trio Lautscnschlager/Scholl/Fischer mit dem Ingenieur Sergio Sghedoni von Stanguellini am Hockenheimring eingefunden.

Der Fahrer ist startbereit, auf dem Anhänger kniet der teameigene Mann mit der Filmkamera. Dies ist ein Kellner aus einem Lokal von Ernst, der zahlreiche Rennen auf Zelluloid gebannt hat. Professionell mit Stativ ausgerüstet hat er hervorragende Filme gedreht.

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... und der Stanguellini-Ingenieur stoppt die Zeiten.


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Aber nach 11 Runden gibt es den ersten Ausfall mit dem Stanguellini.


Die nächste Veranstaltung findet am 3. Mai in Frankreich auf der Rennstrecke von Montlhéry statt.

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Zuerst werden Fahrzeug und Fahrer abgelichtet, um eine Autogrammkarte unter den Fans verteilen zu können.

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Aufstellung der Konkurrenten.


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Ernst Lautenschlager beäugt seinen Rennwagen kritisch ...

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Atmosphäre kurz vor dem Start

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Autorennen mitten durch die Stadt und das Mittelmeer direkt nebenan.

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Leider reicht der 5. Platz nicht, um einen Pokal aus den Händen der Fürstin Gracia überreicht zu bekommen.


Schnell weiter, denn am 9. Mai ist der I. Grand Prix de Monaco für die Formel Junior.

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In "Das Auto, Motor und Sport" Heft 11 1959 zitiert Günther Molter: "Der Automobilclub von Monaco hatte es sich diesmal zur Aufgabe gemacht, etwas Besonderes zu bieten, nämlich einen Grand Prix über 32 Runden für die Formel Junior. 19 Wagen nahmen daran teil. Es waren in der Mehrzahl Stanguellini, die auch die dominierende Rolle in diesem Rennen spielten. Vom Start weg setzte sich der junge Schweizer Michael May an die Spitze und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. ... Einziger deutscher Vertreter war der Stuttgarter Lautenschlager, der sich rundenlang mit dem 'Giambertino' auf Rainieri herumschlug, den Italiener schliesslich vorbeilassen musste, aber seinen Stanguellini doch noch auf den 5. Platz ins Ziel brachte. Von den 19 Junioren fiel nur einer aus."

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... während Rudi Scholl schraubt. Sieht so aus, als sei die Start-Nr. gerade draufgeflogen.

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Jetzt kann's endlich losgehen, die Zuschauer warten gebannt.

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Die Nr. 2 vor typisch südfranzösischer Kulisse.

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Wehmütiger Blick zurück bei der Rückreise..


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Bei der nächsten Veranstaltung am 31. Mai läuft es noch besser. Im Formel Junior Lauf des IV. Flugplatzrennens Pferdsfeld/Hunsrück geht es unter der Nr. 160 auf die Strecke. Er wird Zweiter hinter Wolfgang Graf Berghe von Trips.

Die Zeitschrift 'Automobil' berichtet in Heft 7 vom 1. Juli 1959 von diesem Ereignis: "In der Nähe von Bad Kreuznach – genauer gesagt in Pferdsfeld – liegt ein grosser Jägerflugplatz der Amerikaner. Die überschallschnelle North American F100 Super Sabre befindet sich auf dieser 'Air Base'.
Diesen Flugplatz hat nun der amerikanische Luftwaffen-General Everest kürzlich für ein Automobilrennen zur Verfügung gestellt, das die amerikanischen Sportwagenfahrer zusammen mit ihren deutschen Kollegen veranstalteten. Der Kurs war nicht ganz einfach und für den Nachwuchs die richtige Gelegenheit, Erfahrung zu sammeln... Im Lauf der Junior-Rennwagen waren neben anderen auch Graf Trips auf seinem Stanguellini, der Mitter-DKW, eine sehr schnelle Konstruktion aus Leonberg bei Stuttgart, und ein aus Teilen des früheren EMW-Sportwagens gebauter Junior aus der DDR am Start. Der DDR-Junior war gegenüber den italienischen Stanguellini zu schwach und der Mitter-DKW fiel leider zu früh aus, um echte Vergleiche zu haben. Graf Trips gewann die Junior-Klasse vor dem Stuttgarter Lautenschlager, der ebenfalls einen Stanguellini fuhr."


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Am 7. Juni 1959 findet der III. Copenhagen Cup auf dem Roskilde Ring statt.

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Unmittelbar vor dem Start, insgesamt sechs Fahrer treten gegeneinander an.

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Ihm folgt im wahrsten Sinnes des Worts dichtauf der Däne Poul Rasmussen auf einem Elva 100 BMC/Rytune mit 20'39,8'' – die englischen Rennwagen beginnen, die Stanguellini-Vormacht zu gefährden.

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Am Fahrerlager angekommen: Ernsts Freund und Übersetzer fürs Italienische, Benno Murazzi im Fahrerlager am Stanguellini mit "Schlafmütze".

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Ernst Lautenschlager startet unter der Nr. 52. Er bleibt an erster Stelle bis zum Schluss auf dem nur 1,4 km langen Kurs, seine Gesamtfahrzeit beträgt 20'34,6''.

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Bei der Heimfahrt vom Roskilde Ring reist ein Pokal im Gepäck mit.



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Das Publikum trotzt Regen und Nebel, um die Formel-Junior-Piloten in Aktion zu sehen.


Am 14. Juini stossen wir wieder auf Ernst Lautenschlager mit Start-Nr. 118 beim Rossfeld Bergrennen am Obersalzberg bei Berechtesgaden.

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Beim Training hat der Stanguellini schon einen "Nasenstüber" abbekommen. In 'Das Auto, Motor und Sport' Heft 14 1959 (erschienen am 04. Juli 1959) schreibt Richard von Frankenberg: "Noch klarer als am Wollberg distanzierte bei den Junior Grand Prix-Wagen der Leonberger Gerhard Mitter alle seine Konkurrenten (schnellste Zeit 4'09,2'') völlig unangefochten. ... An vierter und fünfter Stelle in der Junior-Klasse erst die privaten Stanguellini des Braunschweiger Kurt Ahrens und des Tutzinger Joachim Springer (mit dem Tripsschen Wagen, dessen Motor nicht ganz einwandfrei lief). Der Stuttgarter Lautenschlager brachte seinen Stanguellini nicht in die Rangliste, sondern zweimal an eine Felswand, relativ sanft, so dass ihm nichts passierte."

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So sieht ein gekonnter Powerslide aus: Das Heck driftet nach aussen, der Pilot lenkt gegen.



Auf dem Flugplatz Hörsching wird am 5. Juli der Preis von Linz ausgetragen.Es ist die Österreich-Premiere für die Formel Junior.

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Ernst Lautenschlager startet unter der Nummer 81.

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Das Ergebnis: Erster Gerhard Mitter auf Mitter-DKW (gefahrene Zeit 42'37,3''), Zweiter Ernst Lautenschlager (42'53,9''), als Dritter fährt Sepp Liebl auf Gordini-Simca genau eine Minute später durchs Ziel.



In Heft 15 von 'ams' erfahren wir Weiteres über den Rennwagen, Autor ist wieder Günther Molter: "Der erste Junior-Rennwagen, den es in einer echten Serie gab, und den man jederzeit käuflich erwerben kann – Preis in Italien rund 15.000 DM, Lieferzeit etwa 6 Wochen – ist der Stangeullini. Der Commendatore Stanguellini besitzt in Modena die offizielle Fiat-Vertretung und hat sich in den Nachkriegsjahren durch Rennsportwagen mit 750 und 1100 ccm-Motor, entwickelt auf Fiat-Basis, einen Namen geschaffen. Die ersten Stanguellini waren bereits 1958 fertig. Sie sind seitdem zu einer beachtlichen Reife entwickelt worden. In Deutschland  besitzen der Stuttgarter Ernst Lautenschlager und der Braunschweiger Kurt Ahrens  einen solchen Stangulleini, ausserdem hat sich Graf Trips einen besorgt, den er von Fall zu Fall auch an Nachwuchsfahrer ausleiht."

(Foto: Stanguellini)


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Am Nürburgring angekommen, nutzen wir die Gelegenheit, einige Blicke in die Boxen der Formel-Junior-Fahrer zu werfen.

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Hier geht es sichtlich entspannt zu.

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Sie sind gestartet, die insgesamt 8 Stanguellini kauern nachgerade auf der Fahrbahn, in dieser Gesellschaft nimmt sich die Nr. 17 vergleichsweise hochbeinig aus.

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Diesmal verfolgt Ernst die Nr. 15 vor einem begeisterten Zuschauer.

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Ernsts Ehefrau Hannelore sitzt an den Boxen, neben sich die Anzeigetafel mit der Zahl "7". Wenn ihr Mann vorbeibraust, wird sie diese Tafel hochhalten, damit er er weiss, dass er an siebter Stelle liegt. Aber ihr skeptischer Blick verheisst nichts Gutes. Sie wartet vergeblich, denn der Stanguellini ist ausgefallen.


Zum 22. Internationalen Eifelrennen am 12. Juli 1959 starten erstmals in Deutschland die Formel Junior Monoposti auf der Nürburgring Südschleife.

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Diesen beiden Jungs ist es ziemlich warm.

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Rudi Scholl schraubt draussen im Fahrerlager, auch ihm ist es sichtlich warm.

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Ernst macht sich bereit zum Start und bindet den Sturzhelm fest, links steht sein Stanguellini.

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Zunächst verläuft es vielversprechend für Ernst, denn er kommt gut vom Start weg. Er ist sogar zu schnell für Rudi Scholls Kamera, man kann die Start-Nr. 14 nur erahnen.



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Wir sehen den Stanguellini-Fiat mit der Start-Nr. 16 bei der Abnahme.


Es folgt das Solitude-Rennen am 19. Juli 1959.

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Die beiden Tage vor dem Rennen verlaufen erfreulich. Eine örtliche Tageszeitung berichtet unter der Überschrift 'Lautenschlager Trainingsschnellster': "Bei strahlendem Sonnenschein wurde gestern der erste Trainingstag des Internationalen Soltude-Rennens vor zahlreichen Zuschauern, die schon die Tribünen bevölkerten, abgewickelt.
Höhepunkt des Trainings war am späten Nachmittag der Start der Junior-Formel-Rennwagen. Hier kam als einziger Fahrer der Stuttgarter Ernst Lautenschlager auf Stanguellini, der zugleich auch einer der trainigsfleissigsten Fahrer war, unter die Fünf-Minuten-Grenze und fuhr mit 4:59,4 Minuten = 137,3 Stundenkilometer eine ganz hervorragende Zeit. Nur unwesentlich langsamer war der Leonberger Gerhard Mitter auf seinem DKW-Eigenbau, der 5:01,5 Minuten benötigte. Drittbester war der Franzose Bec auf Stanguellini vor dem Engländer Fitzwilliam, der einen Elva-Spezial fuhr."

Erst noch etwas Werbung, bevor das Rennen losgeht. Hier eine Gruppe mit Heinkel Tourist Motorrollern.

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Als erste starten die Motorräder.

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Hier ein Foto kurz nach dem Start.

Richard von Frankenberg berichtet vom Rennverlauf unter 'Solitude Premiere' in 'ams' Nr. 16: "Im Training war am ersten Tag (die Italiener und der Hartmannsche Wagen kamen erst zum zweiten Trainingstag) der Stuttgarter Ernst Lautenschlager die beste Zeit gefahren, ganz knapp unter der 5 Minuten-Grenze. Im Rennen hat Lautenschlager allerdings enttäuscht. Er lag anfänglich gut im vorderen Mittelbereich >im Bild ganz vorn zwischen Glemseck und Hedersbachkurve – der Chronist<, drehte sich aber beim Versuch, weiter nach vorn zu kommen, und kam, schon ziemlich weit zurückliegend, eingangs der letzten Runde mit einem Maschinenschaden an die Boxen gefahren – taktisch völlig falsch. Er hätte den Wagen einen Meter vor der Ziellinie abbremsen sollen und ihn nach Passieren des Siegerwagens darüberschieben müssen, dann wäre er mit einer Runde Rückstand nämlich noch placiert worden."

Da hat ein alter Fuchs aus dem Nähkästchen geplaudert, solche Spitzfindigkeiten sind sicher nicht jedem Rennfahrer vertraut. Aber der Knaller kommt noch: "Das Publikum 'ging mit'. Wer würde die Ziellinie als erster überfahren? Aber es erschien Michael May allein, als ganz überlegener Sieger. Bordeu war 3 km vor dem Ziel endgültig liegengeblieben, liess den Wagen ausrollen und hat dann die letzten 2 km Mahdental seinen Stanguellini keuchend bis ins Ziel geschoben, wo er noch als Sechster placiert werden konnte". Erzähle das einmal unseren heutigen Rennfahrern!

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Ernst wirbelt Staub auf beim zweiten Dreher im Mahdental.


Ausgerechnet vor heimischem Publikum patzt Ernst Lautenschlager. Er leistet sich einen Dreher und sein Konkurrent Eberhard Mahle kann auf dem Hartmann-DKW vorbeiziehen.

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Der Kommentar von 'ams' zum oberen Foto besagt: "Lautenschlager fuhr etwas über seine Verhältnisse. In der Hedersbachkurve drehte er sich (nachher noch einmal). Die Stanguellini besitzen einen Rückwärtsgang." Das ist der Vorteil der seriennahen Ausstattung der Formel Junior. Der im Bild sichtbare freundliche Helfer ist daher eigentlich gar nicht erforderlich.

Auch die 'Motor Rundschau' berichtet in Heft 15 1959 unter 'Wiedererstandenes Solitude-Rennen' vom Formel-Junior-Lauf: "Die Hauptattraktion des seit 1956 erstmals am 19. Juli wieder ausgetragenen Solitude-Rennens, zu dem trotz hochsommerlicher Hitze rund 100 000 Besucher erschienen, bildete die über 12 Runden = 137,004 km ausgetragene Formel Junior-Konkurrenz, zu der 18 Monopostos starteten. Fangios Schüler Juna Manuel Bordeu ging dabei sofort vor seinem Stanguellini-Kollegen E. Lautenschlager und dem von Ernst Mahle gesteuerten Hartmann-Auto Union-Monoposto in Führung."

Korrektur des Chronisten: Der Vorname des Hartmann-Rennwagenpiloten ist Eberhard.

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Die 'Motor Rundschau' hat sich anlässlich des Solitude-Rennen die konkurrierenden Fahrzeuge näher angesehen und kommt unter dem Titel '1959 auf der Solitude' zu folgendem Ergebnis: "Der erfolgreichste Junior-Rennwagen ist heute der italienische Stanguellini. Er wird in Modena in Serie gebaut. Die Nachfrage nach diesem Wagen ist so gross, dass Stanguellini bereits mit Lieferschwierigkeiten kämpft."

Und noch einmal die 'Motor Rundschau': "... und so sieht es unter der Haube des Stanguellini aus. Unter Verwendung zahlreicher Fiat-Teile entstand dieser robuste 4-Zylinder-Motor, welcher bestimmt 75 'Pferdchen' abgibt."



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Läuft der Motor richtig rund? Den Ohren des Mechanikers entgeht keine Unregelmässigkeit.

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Und los geht's, aber wir kennen das Ergebnis nicht.


Nächster Termin ist das ADAC Schauinsland Bergrennen bei Freiburg am 26. Juli 1959. Es geht von Horben 12 Kilometer lang durch zahllose Kurven über die Holzschlägermatte bis zur Seilbahn-Bergstation auf dem Schauinsland.

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Die Herren Scholl/Fischer/Lautenschlager bei der letzten Besprechung vor dem Start, der Herr mit Kamera ist unbekannt.

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Jetzt wartet Ernst wieder ganz konzentriert auf das Start-Zeichen.




Zum 30. August ist der Stanguellini-Fiat unter der Nr. 17 für das Internationale ADAC Eifelpokal-Rennen auf dem Nürburgring Südschleife gemeldet, aber Ernst Lautenschlager tritt das Rennen nicht an.


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Für die Rennleitung genügt ein Bretterverschlag. Vorn rechts im Bild Ernsts Stanguellini mit der Start-Nr. 3.

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Der Publikumsandrang hält sich in Grenzen, zudem hat es begonnen zu regnen.


Am 6. September 1959 findet im Süden Frankreichs nördöstlich von Toulouse der 10 Grand Prix von Cadours für die Formel Junior statt. Das ist eine fast vergessene Rennstrecke, die über die im Dreieck zueinander gelegenen Landstrasse D89/D29/D41 verläuft und letztmals 1961 genutzt wurde. Das "Rennen zwischen den Feldern" mit seinen bescheidenen Einrichtungen hat Rudi Scholl mit seiner Kamera festgehalten.

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Die Tribüne mit dem Starterfeld und Lautsprecheranlage.

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Kurz vor dem Start, auch Gerhard Mitter ist mit der Start-Nr. 30 angetreten.

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Zweikampf von der Tribüne aus gesehen: Vorn Ernst mit der Nr. 3, aber wieder wissen wir nicht, wie das Rennen für ihn geendet hat.


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Richard von Frankenberg fasst in 'Das Auto, Motor und Sport', Heft 2 1960 unter dem Titel 'Die Formel Junior: Sie kam sah siegte' die Ergebnisse der vergangenen Rennsaison für die deutschen Fahrer dennoch zufrieden zusammen: "In Deutschland fuhren Graf Trips (mit gelegentlicher Ausleihe an Joachim Springer und Wolfgang Seidel)  und Ernst Lautenschlager den Stanguellini, kurze Zeit hatte auch Kurt Ahrens ein solches Fahrzeug, während Liebl mit einem Stanguellini-karossierten Simca-Gordini-Eigenbau auftrat. Trips gewann das Eifelrennen auf der Südschleife des Nürburgrings und in Pferdsfeld. Sein Wagen wird voraussichtlich von dem guten Kölner Nachwuchsfahrer Staussberg (bisher Volvo) eingesetzt werden. Lautenschlager, der sich in Monte Carlo und Monza nicht schlecht hielt, gewann das Junior-Rennen auf dem Roskilde-Ring in Dänemark."

Die Marke Stanguellini ist mittlerweile übrigens so renommiert, dass sie sogar in der Katalognummer 1960 der schweizerischen 'Automobil Revue' aufgenommen wird als "Spezialistin für den Bau von Sport- und Rennwagen und für Zubehörteile zur Leistungssteigerung von Fiat-Modellen."




Den letzten Eintrag für den Stanguellini-Fiat finden wir zum 3. Juli 1960 für das Norisringrennen, aber unter Nr. 200 gestartet erreicht Ernst Lautenschlager abermals das Ziel nicht.

Dass die Stanguellini zunehmend ins Hintertreffen geraten würden, erkannte Olaf von Fersen in seinem Artikel 'Junior-Jahr' in Heft 2 1960 von 'automobil'. Er kommentiert: "Nach einem recht erfreulichen Junior-Auftakt in der Sportsaison 1959 konnte man im Herbst sagen, dass wir bereits im internationalen Konzert mitspielen können. Die Wagen von Mitter und Hartmann waren auf schnellen Kursen den technisch besser ausgefeilten Stanguellini vielleicht nicht ganz gewachsen, dafür schlugen sie die italienische Konkurrenz mit schöner Deutlichkeit auf kurvenreichen Kursen und am Berg."

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Michael May (Bild oben), ein Schweizer, der an zehn Formel-Junior-Rennen teilgenommen hat, äussert sich in dem alljährlich erscheinenden 'Auto-Jahr' Nr. 9 Ende 1960 zu den Problemen der Formel Junior. Während die Stanguellini 1959 noch in grosser Stückzahl im Einsatz und voll konkurrenzfähig sind, wandelt sich das Bild 1960 grundlegend. Die englische Konkurrenz hat deutlich aufgeholt und baut Fahrzeuge mit geringerem Gewicht und erheblich besserer Strassenlage. Zudem stellen manche Hersteller von Formel-Junior-Rennwagen ihre Fahrzeuge begabten Fahrern zur Verfügung, gewissermassen inoffizielle Werksteams. Das erschwert die Situation für die engagierten Privatfahrer ganz besonders, und der erst vor Jahresfrist erworbene Renner ist leider schon ein Auslaufmodell. Über den Verbleib des Fahrzeugs ist nichts bekannt.


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Jetzt fehlt nur noch das Startzeichen.

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Die Nr. 8 in voller Fahrt. Am Ende des Rennens erreicht er an achter Stelle liegend das Ziel.


Das Stanguellini-Abenteuer ist beendet, denn am 24. Juli 1960 beim Großen Preis der Solitude taucht Ernst Lautenschlager in einem Fahrzeug des Fitzwilliam Racing Teams auf.

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Emsiges Treiben an den Boxen.

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Ernst wartet, der Lola MK2 Ford trägt die Start-Nr. 8.

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Brille auf, es kann losgehen.




Für den 2. Oktober 1960 zum Eifelpokal Rennen Nürburgring Südschleife ist Ernst Lautenschlager für das Fitzwilliam Racing Team wieder auf Lola MK2 Ford gemeldet, kommt aber nicht zum Einsatz.

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Damit endet der Ausflug in die Formel Junior.


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Eine Abbildung in der Ur-Version aus Heft 1 von "Das Auto, Motor und Sport" aus dem Jahr 1959.

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Mit diesem Fahrzeug bleibt man natürlich nicht unbemerkt, und so sind eine ganze Reihe von Veranstaltungen bekannt, an denen Ernst Lautenschlager teilgenommen hat. Ernst – ganz konzentriert – wartet auf das Startzeichen.


Wie sagen die Engländer doch so treffend:
"You can tell the men from the boys
by the price of their toys."
Auf deutsch heisst das, dass sich Männer von Jungs durch den Preis ihrer Spielzeuge unterscheiden. Das mag auch Ernst Lautenschlager, mittlerweile 49jährig, gedacht haben, wenn er inmitten jüngerer Heisssporne seine Runden dreht. Für den Abschluss seiner Rennfahrerlaufbahn hat er sich etwas Besonderes geleistet.

Bei der ersten Adresse, nämlich Auto-Becker in Düsseldorf, dem Allein-Importeur für Deutschland, bestellt er einen Ferrari 250 GT SWB California Spyder Competizione in silber mit beiger Lederausstattung. Ein hinreissendes Cabriolet, entworfen und gebaut von Scaglietti auf kurzem Radstand mit Leichmetallkarosserie. Der 3 Liter 12-Zylinder V-Motor leistet 280 PS bei 7000/min.

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Ernsts Fahrzeug wird im April 1961 fertig gestellt. Es besitzt als Besonderheiten mit Plexiglas abgedeckte Scheinwerfer, einen vergrösserten Tank mit aussenliegenem Einfüllstutzen und ein Hardtop.

Zur Fahrzeugabholung bei Auto-Becker hat Rudi Scholl gleich eine Anekdote parat: Noch im Stadtgebiet von Düsseldorf sind Ernst wohl einige der 280 Pferdestärken unter der Haube durchgegangen, denn er kassiert gleich ein Strafmandat wegen überhöhter Geschwindigkeit. Nun ja, solch ein Ferrari sieht im Stand schon so aus, als hätte er das zulässige Tempo bereits überschritten.

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Ernst mit seiner Neuerwerbung.


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Zuerst wird getankt.

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Kurz nach dem Start.

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Und hier mit seinem italienischen Freund Benno Murazzi.


Zum Flugplatzrennen in Innsbruck startet Ernst Lautenschlager am 8. Oktober 1961.

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Blick ins Fahrerlager.

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1. Platz, Ernst (ganz rechts) mit Siegerkranz.


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Beim 2. Schorndorfer Bergrennen am 15. Oktober 1961 startet Ernst mit der Nr. 250.

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Mit Hardtop ist die Aerodynamik besser. In der Rubrik "Chronik und Kritik" von Richard von Frankenberg in Heft 23/1961 von "Das Auto, Motor und Sport" finden wir das Ergebnis für die 3 km lange Strecke. Grand Tourisme-Wagen über 1600 ccm: 1. Eugen Böhringer [Bild unten], Stuttgart, auf Mercedes 300 SL 3:58,1 = 90,8 km/st,

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2. Ernst Lautenschlager, Stuttgart, auf Ferrari 250 GT 4:19,8 = 83,2 km/h.


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Hier stehen 3 Konkurrenten mit jeweils 3 Liter Hubraum einträchtig beeinander im Neckartal, links ein Austin-Healey 3000 mit amerikanischer Zulassung.

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Und noch ein schneller Blick unter die Motorhaube.


In Eberbach am Neckar findet 22. Oktober 1961 zum 5. Mal ein Bergrennen statt.

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Der Ferrari trägt dieses Mal die Start-Nr. 156.

Auch diese Veranstaltung ist in Heft 23/1961 von "Das Auto, Motor und Sport" erwähnt mit ebenfalls einer Streckenlänge von 3 km. [Grand Tourisme] Über 2000 ccm: 1. Lautenschlager, Stuttgart, Ferrari, 4:17,6; 2. Werner, Eschwege, Mercedes-Benz 300 SL, 4:18,5.


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Hier steht der Ferrari im Fahrerlager vor dem Mercedes-Benz O 6600 H des Esso-Renndiensts.


ZumInternationalen AvD-Avus-Rennen findet sich Ernst Lautenschlager am 13. Mai mit dem Ferrari in Berlin ein.

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Er landet unter der Start-Nr. 66 auf dem 6. Platz in seiner Klasse, wie wir aus dem Archiv von Bernhard Völker wissen.


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Ernst liegt vorn, hinter ihm Eberhard Mahle im Mercedes 300 SL Roadster.



Zum AvD Flugplatzrennen in Oberschleissheim am 3. Juni startet Ernst mit der Nr. 95.

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Zwei Ferrari 250 GT California Spider im Duell, vorn Wolfgang Seidel, dicht bedrängt von Ernst.

(Fotos: Rainer D. Schlegelmilch)


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Alle namhaften Kraftfahrzeug-Ausrüster und Mineralölfirmen sind mit ihren Renndienst-Bussen vertreten. Der Ferrari startet unter Nr. 53.

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Beim ADAC Norisring-Rennen am 1. Juli 1962 ist Ernst Lautenschlager unter seinem Pseudonym "Conti" gemeldet.

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Freunde klassischer Ferraris werden bei dieser Start-Aufstellung in Verzückung geraten.

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Die erste Startreihe von zwei Seiten gesehen, ganz rechts ein Aston-Martin DB5. Am Ende des Rennens ist die Bilanz nicht pokalträchtig: Dank Bernhard Völkers Archiv wissen wir, dass das Ergebnis der 4. Platz ist.



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Ernst ganz entspannt kurz vor dem Start.

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Am 8. Juli findet das ADAC Flugplatzrennen München-Neubiberg statt.

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Einige Mitstreiter sind hier zu sehen: Jaguar E, Mercedes 300 SL Flügeltürer und dahinter ziemlich verdeckt im unteren Bild ein 300 SL Roadster mit Hardtop.

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Ernst Lautenschlager in voller Fahrt. Ergebnis: 2. Platz.


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Wir sehen ihn hier neben dem Ferrari im Starterfeld.


Zum letzten Renneinsatz kommt es nach unseren Informationen beim Internationalen Solitude-Rennen am 15. Juli 1962.

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Ernst Lautenschlager startet unter der Nr. 9 in der Grand-Tourismo-Klasse.

Ergebnis: 11. Platz.


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Doch schon kurze Zeit später geht der Ferrari in andere Hände über. Das war ja dann nur ein kurzes Vergnügen. Aber dieses nur in 55 Exemplaren gebaute Fahrzeug geht natürlich nicht unter, sondern gelangt über die Stationen Esslingen, Bonn, USA schliesslich nach Gross-Britannien. Dort glänzt es nach einer vorübergehenden länger anhaltenden roten Lackierung wieder in dezentem Graumetallic. Das Foto zeigt den einstigen Besitzer mit dem Fahrzeug.

Und wie lautet das Resumee? Da hat jemand seinen Traum gelebt, koste es, was es wolle, solange zahlungskräftige Kunden dessen Etablissements besuchen und für den finanziellen Rückhalt sorgen. Heute taucht er gelegentlich bei Veranstaltungen als Zeitzeuge auf, wobei sein Rückblick sicher idealistischer ausfällt als unsere Auflistung seiner Aktivitäten. In einer Fabel von Jean de la Fontaine über die Ameise und die Grille lernen wir, dass die Ameise unermüdlich Vorräte für schlechte Zeiten sammelt, während die Grille unbekümmert ihr Konzert gibt. So gesehen ist Ernst Lautenschlager eine liebenswerte Grille, die ohne Angst vor dem Morgen ihr Leben lebt. Wer ihn, wie der Chronist, im Alter von 96 Jahren persönlich erlebt hat, eloquent, aufgeschlossen, ein Herr der alten Schule, untadelig gekleidet und jederzeit bereit, eine passende Rede zum jeweiligen Anlass zu halten, kann nur seine Hochachtung ausdrücken. Da hat jemand gelebt ohne Kompromisse, und wir freuen uns auf seinen 100. Geburtstag.

"Hauptsache Spass gehabt", vielleicht eine Anregung für unzählige Kleingeister.

Chapeau Ernst.




Hier geht es zurück zum 1. Teil.


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Ein Nachwort


Aus Spass wurde Ernst, und Ernst ist heute 97 Jahre alt.

Die Aufgabenstellung war klar umrissen: Betreuung und Aktualisierung einer Website, die eine historische Getreidemühle in Leonberg-Eltingen zum Thema hat. Eine Fülle an Material steht zur Verfügung, alte Schriften und auch Fotos von Gebäuden, Mühleneinrichtungen, Personen und Tieren. Doch dessen nicht genug, auch einige wenige Aufnahmen von aussergewöhnlichen Fahrzeugen alarmieren den benzininfizierten Chronisten. Die lapidare Antwort: “Das ist Onkel Ernst, Nachtclubbesitzer und Rennfahrer“ befriedigt die Neugier nicht. Wer in den 1950er und frühen 1960er-Jahren solch illustre Automobile wie Porsche 356, 550 Spyder, Stanguellini Formel Junior oder Ferrari 250 GT California Spyder bewegt hat, muss Spuren hinterlassen haben. Also los geht’s auf die Suche im Internet. Und tatsächlich: Unglaublich fleissige Menschen haben Startlisten mit Fahrer, Fahrzeug, Start-Nr. und Ergebnis veröffentlicht. Diese Angaben, abgeglichen mit über Jahrzehnte zusammengetragenen Zeitschriften und Büchern, ergeben schon ein bedeutend klareres Bild der Aktivitäten von Ernst Lautenschlager, der zu diesem Zeitpunkt noch nichts von den Bemühungen weiss. Das zunächst im Vergleich zum heutigen Stand noch kümmerliche Ergebnis erfreut den alten Herrn sehr, und er stellt sein Fotoalbum zur Verfügung. Der Chronist befindet sich im Goldrausch. Zahlreiche Veranstaltungen sind ausgesprochen umfangreich dokumentiert, wenn auch gelegentlich wegen verblassender Erinnerung nicht ganz korrekt zugeordnet. Kein Problem, die Mehrzahl der Fotos und Veranstaltungen lässt sich richtig zuordnen. Die Suche nach weiteren Unterlagen hat uns zu seinem langjährigen Renn-Mechaniker und gelegentlichen Co-Piloten Rudi Scholl geführt, der in jenen Jahren neben seiner Arbeit eifrig fotografiert und unvergleichliche Eindrücke festgehalten hat und diese auch noch kommentieren kann. So kommt noch manche Episode zu Tage, die unser Ernst längst vergessen hat. Dafür an dieser Stelle unser allerherzlichster Dank. Doch die Spurensuche geht weiter, gemeinsam mit Bernhard Völker, Buchautor und Besitzer eines hochinteressanten Rennarchivs, denn es ist unbestritten, dass Ernst Lautenschlager noch an anderen Veranstaltungen teilgenommen hat, die hier noch nicht erfasst wurden. Wie dem auch sei, es hat unglaublich Spass gemacht, diesen Beitrag zusammen zu stellen.


Der Chronist.

Verflixt, da habe ich doch glatt vergessen, für das Foto meine coole Sonnenbrille aufzusetzen.