Startseite Landschaftsschutz Die Lahrensmühle und ihre Umgebung – Mikrokosmos einer altschwäbischen Landschaft

Die Lahrensmühle und ihre Umgebung – Mikrokosmos einer altschwäbischen Landschaft

Drucken


alt

Keine botanische Sensation erwartet hier den stillen Betrachter, sondern ein perfekt behütetes Landschaftsrelikt – Kleinod aus der Zeit vor der gesichtslosen Bauwut der 1970er- und 1980er-Jahre, die speziell in Leonberg schwere Narben hinterlassen hat.



Altschwäbische Landschaft als Ausdruck der Lebensqualität

alt

Erinnern Sie sich noch? Was hat es eigentlich erzeugt, dieses Gefühl, genau hier zu Hause zu sein?

Wer in Schwaben aufgewachsen ist, wird diese Frage nach kurzem Nachdenken leicht beantworten können: Er wird sich an Ernteszenen auf Streuobstwiesen erinnern, wenn leuchtende Äpfel sorgsam in Kisten verpackt werden. Er wird sich an unbefestigte Feldwege erinnern, die von Trockenmauern gesäumt werden. An die Höhlenbrüter, die in den Spalten zwischen den Steinen nisten und geschäftig aus und ein fliegen. Er wird an Schlehenhecken denken, die Zuflucht für Kleintiere und Vögel aller Art bieten. Er wird sich an Tal-Auen erinnern, durch die schmale Bäche plätschern und von denen enge Mühlkanäle abzweigen. Vielleicht kommt sogar noch ein Mühlrad in Erinnerung. Und ein riesiger Kastanienbaum vor dem Haus, der im Sommer so herrlichen Schatten spendet.

Die lebendige Bewahrung eines solchen Bildes hat sich die Besitzerfamilie der Lahrensmühle zum Ziel gesetzt. Denn im Umfeld der Lahrensmühle sind alle diese Bestandteile noch Wirklichkeit. Sensationell daran ist, dass sich ein Kleinod in absoluter Zentrumsnähe der knapp 32.000 Einwohner zählenden großen Kreisstadt Leonberg befindet. Richtiger wäre eigentlich zu sagen "Das Zentrum hat sich auf die Mühle zu bewegt". Und genau hier setzt die kämpferische Seite für den Erhalt dieser Idylle an: Je stärker die Industriekultur versuchte, Stück um Stück dieser intakten Landschaft zu vereinnahmen, desto wichtiger wurde es, den bewahrenden Gedanken in den Vordergrund zu stellen.

Dieser Prozess ist leider nicht zu Ende – er dauert nach wie vor an, ja hat sich in den letzten Jahren sogar noch verstärkt. Hilfe von allen Seiten ist erforderlich, um zu retten, was noch zu retten ist.

Und so wurde es ein bedeutender Teil der landschaftspflegerischen Arbeit, die Öffentlichkeit auf diese langsam sterbende Talaue aufmerksam zu machen.



Die Tal-Aue um die Lahrensmühle – ein einziges Biotop

alt

Die Anlage einer Mühle bietet grundsätzlich die besten Voraussetzungen für die natürliche Entstehung von Biotopen.

Die Wasseranlage für ein oberschlächtiges Wasserrad spannt funktionsbedingt ein flaches Dreieck auf zwischen dem Punkt, an dem der Mühlkanal vom Bach abgezweigt wird, der Mühle selbst und dem Punkt, an dem das von der Mühle ablaufende Wasser wieder in den Bach mündet.

alt

Naturgemäss sind diese Flächen schmal, feucht und nur schwer zu bewirtschaften. So entsteht an solchen Stellen ganz von selbst ein Spektrum an einheimischen Pflanzen, Büschen und Bäumen, die an wirtschaftlich interessanteren Flurstücken längst hätten weichen müssen.



Aufbruch in der Glems-Aue

alt

alt

Als das Mühlenanwesen mit den zugehörigen Grundstücken 1997/1998 vom heutigen Besitzer in 3. Generation übernommen wurde, schien die Aufgabe fast unlösbar:

Die Gebäude der Lahrensmühle waren fast allesamt in schlechtem bis baufälligem Zustand.

Die bislang von Freizeitpferden beweideten Wiesen in der Tal-Aue sowie die Streuobstwiese waren seit Jahren ungepflegt, der Obstbaumbestand war verwildert.

Als grösste Bedrohung aber gab es Pläne, eine Zubringerstrasse zur Autobahn mit mehr als 15.000 Autos täglich direkt an den Mühlengebäuden vorbei durch die Tal-Aue zu legen.

Nun ist es generell nicht immer einfach, lokalpolitische Entscheidungsträger vom Wert landschaftsschützerischer Massnahmen zu überzeugen – zumal wenn eine geplante Straße die andere Alternative darstellt. Noch schwieriger war es allerdings im vorliegenden Fall, denn auf Basis der vorliegenden Ausgangssituation mit verwilderter Landschaft und baufälligen Gebäuden war die Argumentation schwer zu untermauern.

Nach Lage der Interessen war mit nur wenig Unterstützung von örtlichen Verbänden zu rechnen.

Also wurde die Aufgabe, den Besitz zu restaurieren und das Landschaftsschutzgebiet Glems-Aue vor allzu wildem Strassenbau zu schützen, von der Besitzerfamilie und wenigen Freunden und Bekannten selbst in Angriff genommen.



Die Einzelmassnahmen

alt

Die Tal-Aue der Glems und die Gebäude der Lahrensmühle ergeben eine schutzbedürftige Gesamtheit, die bis heute und auch in Zukunft hohen Bedarf an öffentlichem Interesse haben wird. Nur durch öffentliches Interesse kann ein gewisser Schutz vor Überplanung dieser Zone erreicht werden. So entstanden die vielen unterschiedlichen Massnahmen, die auf dieses Ziel hinführen sollen. Und das erklärt zum Beispiel, was ein Internet-Auftritt mit Umweltschutz zu tun hat.

Die Massnahmen im Einzelnen:

♦ Die Streuobstwiese an der Lahrensmühle

♦ Projekt Kopfweiden

♦ Rettung des Hausbaums der Lahrensmühle (Kastanie)

♦ Trockenmauern

♦ Projekt Beweidung der Talaue

♦ Zukauf von städtischen Grundstücken auf dem Gebiet des ehemaligen Mühlkanals

♦ Projekt Biotop im ehemaligen Mühlkanal

♦ Massnahmen zur Wiederentstehung des historischen Mühlrads – u.a. durch Einrichtung eines offiziellen Spendenkontos

♦ Planung zur Reaktivierung des alten Mühlkanals

♦ Restauration der historischen Gebäude

♦ Durchführung von kulturellen Veranstaltungen

♦ Jährliche Teilnahme am Tag des offenen Denkmals

♦ Entstehung eines Buches zur Geschichte der Lahrensmühle



Die Streuobstwiese an der Lahrensmühle

alt

Um in zurückliegender Zeit eine Mühle zu betreiben, waren zahlreiche Menschen erforderlich, deren Nahrungsmittelversorgung sichergestellt werden musste. Da lieferte eine Streuobstwiese die willkommene Abwechslung für den Speiseplan.

Die Streuobstwiese der Lahrensmühle musste lange Zeit ohne Pflege auskommen. Schwere Schäden waren an den alten Bäumen zu verzeichnen. Über die letzten Jahre wurden deshalb mehrere Schnitte durchgeführt, um die alten Bäume wieder in die richtige Form zu bringen.

alt

Lücken in den Baumreihen wurden durch Neupflanzungen von alten Sorten wie z.B. Hauxapfel, Ontario, Welschisner geschlossen. Dazu bot sich publikumswirksam die Mithilfe des Landesverbands für Obst-, Garten- und Landschaftsbau (LOGL) im Rahmen des Tages des offenen Denkmals an.

Tote Bäume oder abgestorbene Teile von Bäumen wurden belassen, um Insekten, wie Gartenbaumläufer, Baumweissling oder Ringelspinnerraupe Unterschlupf zu bieten.



Projekt Kopfweiden

alt

Typischer Baum an Bächen und Mühlkanälen ist die Weide mit Kopfschnitt. Zahlreiche Weiden haben auch an der Glems und am Mühlbach der Lahrensmühle gestanden. Der Rückschnitt wurde aber im Laufe der Zeit aufgegeben und viele der alten Weiden drohten gerade in letzter Zeit auseinander zu brechen.

Im Winter 2003/2004 konnten einige der Weiden zurückgeschnitten werden, so dass heute schon wieder ein schöner Bestand an Kopfweiden die Glems und den ehemaligen Mühlkanal säumt.

Das Projekt wird fortgesetzt.



Rettung des Hausbaums der Lahrensmühle (Kastanie)

alt

Der Hausbaum der Lahrensmühle ist eine mächtige Kastanie die direkt vor dem Wohnhaus der Mühle, der im Sommer herrlichen Schatten spendet und die Kinder auch heute noch mit ihren braunen Früchten erfreut.

Bedroht ist dieser Baum durch die ihm eigene schlechte Wundversorgung und durch die seit einigen Jahren in Deutschland aufgetretene Miniermotte.

Massnahmen zur Erhaltung:

♦ Glättung aller Astbruchstellen

♦ Verschliessen der Wunden mit Baumharz

♦ Verfüllung von Wassertaschen mit elastischem Schaum

♦ Jährliches Sammeln allen Herbstlaubes, um ein Überwintern der Miniermotte zu verhindern

♦ Ablieferung des Laubs (jährlich ca. 400 kg) zur Hitzebehandlung im Kompostwerk

Die Pflege zeigt Wirkung: Der Baum präsentiert sich kräftiger denn je und erfreut auch wieder durch herrliche Blütenpracht.



Trockenmauern

alt

Den Weg zur Lahrensmühle flankiert eine über 100 Jahre alte Trockenmauer. Seit jeher nisten in ihren Spalten und Zwischenräumen Höhlenbrüter.  

Ihr wurde eine neue Trockenmauer zur Seite gestellt, die aus Steinen gebaut wurde, die bei der Restauration der Mühle übrig geblieben waren. So kann weiteren Kleinlebewesen Zuflucht und Heimat geboten werden.



Projekt Beweidung der Tal-Aue

alt

Der problematischen Bewirtschaftung der Tal-Aue wurde eine interessante Alternative mit gutem Erfolg zur Seite gestellt: Die Beweidung der Aue mit Schafen.

Bedingt durch die feuchte Tal-Lage ist die Aue nicht immer mit Schleppern zum Mähen zu befahren.

Die Schafe sind auch in der Lage, die Randzonen der Aue abzufressen, die durch ein Mähwerk nicht erfasst werden können.



Biotop im ehemaligen Mühlkanal

alt

Mit der teilweisen Verfüllung des ehemaligen Mühlkanals im Zuge der Glems-Begradigung in den 1960er-Jahren ist vieles vom Charakter der Tal-Aue verloren gegangen.

Im Zuge der Restaurierungsmassnahmen der Mühle wurde ein kurzes Stück des ehemaligen Kanals ausgehoben, das sich sofort mit Wasser aus einem nahe gelegenen Quellhorizont füllte.

Ein Biotop war entstanden, das sofort von Fröschen, Wasserläufern u.s.w. von selbst besiedelte wurde.



Mühlrad

alt

Verbindendes Element zwischen Mühlengebäude, Talaue und Bach ist das Mühlrad. Dass dieses Rad wieder entstanden zu lassen, heisst, diesem Ort seine Identität wieder zu gegeben zu haben.

Näheres zum Mühlrad