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Restaurierung der Lahrensmühle

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Was bisher geschah ...


Das Mühlen-Ensemble im Dornröschenschlaf

Das Luftbild der Lahrensmühle (Ensemble) von etwa 1980 lässt schon aus grosser Entfernung Schäden an Dächern und Fassaden erkennen.


Ein idyllisches Stück Alt-Eltingen

Zwischen der S-Bahn und der verkehrsreichen Gebersheimer Strasse liegt ein idyllisches Stück Alt-Eltingens, bekannt heute als Veitenmühle. Amtlich wird sie als Lahrensmühle geführt, weil sie im 16. Jahrhundert von einem Müller gleichen Namens gebaut wurde. Seit nunmehr 82 Jahren ist sie im Besitz der bekannten alten Eltinger Familie Lautenschlager.

LKZ-Fotos: mas

Leonberger Kreiszeitung vom 24.08.1990


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Winteransicht Mitte der 1990er-Jahre. Ein Bild voll Romatik, das den wahren Zustand der Gebäude gnädig verschweigt.


Juli 1998 – eine Bestandsaufnahme der Schäden am Mühlengebäude

Das Mühlengebäude der Lahrensmühle vor der Restaurierung. Substanz erhaltende Massnahmen sind dringend erforderlich (West-Ansicht).

Brüchige Romantik - Schäden an Fassade, Gebälk und Dachtrauf (Süd-West-Ansicht).

Schadhafte Fenster und Dachrinnen haben den Verfall beschleunigt (Nord-Ost-Ansicht).

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Zu dicht am Mühlengebäude gewachsene Bäume gefährden mit ihren Wurzeln die Fundamente (Nord-West-Ansicht).

Im Vordergrund das Kellergeschoß des 1965 abgerissenen Wohngebäudes, das mit einem mittlerweile schadhaften Notdach aus Eternitplatten abgedeckt ist. Die mangelhafte Anbindung des Wohnhauses an das Mühlengebäude hat an dessen Fassade schwere Wasserschäden hinterlassen (Süd-Ost-Ansicht).

Wasserschäden im Spitzboden mit Dachausbau. Die aufgestellten Plastikeimer können schwere Schäden am Holzboden nicht verhindern.

Blick in den späteren Wohnbereich im 1. OG des Mühlengebäudes. Die damals neuzeitliche Mühleneinrichtung in diesem Bereich wurde schon in den 60er-Jahren verkauft. Das Bild zeigt die Reste der Einbauten (Sicht nach Norden).

Blick in den späteren Wohnbereich im 1. OG des Mühlengebäudes. Die Wasserschäden an den Fusspunkten der Sparren und der Andreaskreuz-Aussteifungen zeigen, dass Eile geboten ist (Sicht nach Süd-West).

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Der Keller des ehemaligen Wohnhauses steht ebenfalls unter Denkmalschutz (Nord-Ansicht).

Bedingt durch das löchrige Notdach sind auch hier schwere Wasserschäden zu verzeichnen (Nord-Ost-Ansicht).



Oktober 1998

Die Restaurierung beginnt mit dem Abdecken des Daches (die historischen Handformziegel werden aufbewahrt). Unter der Plane können die Sanierungsarbeiten des Gebälks vorgenommen werden.

Der unrettbare obere Rähm-Balken an der Ostfassade wird auf der gesamten Länge ersetzt.



Dezember 1998

Neu eingebaute Unterzüge im Innern des Gebäudes schaffen zusätzliche Stabilität an der Ostfassade.

An der Westfassade ist ein ähnlicher Unterzug bereits Bestandteil der Bausubstanz. Die Köpfe der aufliegenden Deckenbalken und der Sparren werden hier einzeln saniert.

Wasserschäden an den Sparren und an der Andreaskreuz-Aussteifung werden mit alten Balken saniert (Sicht nach Norden).

Nach Freilegen wird das gesamte Ausmass der Verfalls sichtbar: Die Fusspunkte des Dachaufbaus für den sogenannten Plansichter sind inexistent.



März 1999

Die Sanierung des Dachstuhls ist im Wesentlichen abgeschlossen. Die Brettschalung als Basis für die spätere Aussensparrendämmung wird aufgebracht.



Eine alte Mühle erwacht

von Arnold Einholz (Leonberger Kreiszeitung 30.04.1999)

Sie hat schon viel Freud' gesehen, auch Leid, und viele fleissige Hände haben sich hier geregt. Heute stehen alle Räder still, kein Balken zittert, kein Klappern, kein Staub. Auf dem Hof unter der riesigen Kastanie ist es still. Nur ein in Ehren ergrauter Hund begrüsst still die ungewohnten Gäste. Nach Jahrhunderten, die alle Spuren an dem alten Haus hinterlassen haben, schlummert sie seit Jahrzehnten unbemerkt vor sich hin, während die Hektik der Moderne unweit an ihr vorbeirauscht – die alte Lahrensmühle in der Glemsau.


Das starke Gebälk, das den Vibrationen der mächtigen Räder, der schweren Mühlsteine, der Walzen, Siebe, Aufzüge, widerstehen musste, ist morsch geworden. So musste im Laufe der Jahre auch mal eine geschmückte, gusseiserne Säule, die überhaupt nicht in das Gesamtbild passt, Abhilfe schaffen. 1571 steht unter dem geschnitzten Mühlrad auf der Konsole eines Fachwerkbalkens. In den Fugen der steinernen Kellergewölbe haben sich Mauerblümchen angesiedelt. Vom Mühlrad, das die Glems jahrhundertelang und unermüdlich gedreht hat, zeugt nur noch eine verbogene Eisenstange und Spuren im Stein, wo das Rad an der Wand gescheuert hat. Aber die Glems liess sich nicht immer einspannen. Hart zugeschlagen hat sie im Sommer 1901, wie die Hochwassermarke im mächtigen Eckstein der Mühle zeigt. Immer wieder haben die Müllersleute neu angebaut - der Bau aus rotem Sandstein für das Backhaus, die Werkstatt aus rotem Backstein aus der Zeit der beginnenden Industrialisierung.


Noch Ende der 60er Jahre haben die auch heute funktionstüchtigen Mahl- und Gerbgänge aus der Barockzeit und die modernen Porzellanwalzen für das richtige Mehl gesorgt. Aber dann versank die Lahrensmühle in ihren Dornröschenschlaf. Handwerker sind heute daran, sie zu neuem Leben zu erwecken...



Mai 1999

Blick in den späteren Wohnbereich im 1. OG des Mühlengebäudes. Die Brettschalung bringt Dachsparren und Andreaskreuz-Versteifung gut zur Geltung. Im Hintergrund die neue Nordgiebelwand aus einfachem Ständerfachwerk (Sicht nach Norden).



Juni 1999

Der mühlen-charakteristische Dachaufbau für den Plansichter ist saniert. Er bietet die Möglichkeit zum Einbau von Lichtöffnungen im Spitzboden. Die Dachgaube im 1. OG ist diesem Aufbau formal angeglichen (Nordwestansicht).



September 1999

Die originalen Handformziegel waren nur noch zu 50 Prozent verwendbar. Als Alternative bot sich eine neue Dachdeckung aus gerade geschnittenen Falzbibern an. Das Ständerfachwerk des Nordgiebels ist mit einer Brettschalung versehen (Nordwestansicht).

Die Lahrensmühle nimmt erstmalig am Tag des offenen Denkmals teil. Das Interesse der Bevölkerung ist überwältigend. Führungen zur Mühlentechnik ergänzen die Informationen zur Restaurierung.



Oktober 1999

Als Substanz erhaltende Massnahme erhält der Gewölbekeller des ehemaligen Wohngebäudes eine tragende dichte Betondecke mit Aufnahme für den Installationskanal.



Juni 2000

Es ist endlich geschafft – das Mühlengebäude ist fertiggestellt. Mit der originalen Farbgebung ist es ein Schmuckstück für das obere Glemstal geworden (Westansicht).

Die Fläche über dem Gewölbekeller des ehemaligen Wohnhauses ist nach der Belegung mit alten Buntsandsteinplatten aus Scheunen der Umgebung eine attraktive Terrasse geworden. Der vom Wohn- zum Mühlengebäude führende Installationskanal für Brauch- bzw.  Abwasser, Strom und Heizung ist mit gehobelten Holzlatten und einem Geländer versehen und dient als kommunikationsfördernde Sitzbank.



August 2000

Um das Mühlengetriebe im Untergeschoss wieder voll funktionsfähig zu machen, werden hier einzeln angefertigte Holz-Zahnkämme in ein defektes Kegelrad eingesetzt.

Die Erhaltung der ältesten Bestandteile der teilweise aus dem Barock stammenden Mühleneinrichtung im Erdgeschoss war eines der Ziele der Restaurierung.