Startseite Veranstaltungen aktuell "Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2014

"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2014

Drucken

Kulturpfingsten 2014


Samstag 07. Juni


"Rennfahrer Bieberle"

alt

Gerd Plankenhorn vom Theater Lindenhof Melchingen – schwäbisches Kabarett

Plankenhorns Thema ist "der mobile Mensch im Ländle". Er weist nach, "dass Bieberle in uns allen steckt" und dass wir Schwaben nicht nur das Rad und Kredite erfunden haben, sondern auch entscheidend am Bau des Turms von Babel und der Pyramiden beteiligt waren.

Das Ganze garniert er mit musikalischen Einlagen auf einer ebenfalls von Schwaben erfundenen Nasengitarre und mit seinem "mobilisierten Bieberle-Tanz", angesiedelt zwischen Michael Jacksons "Moondance" und dem "Hafer- und Bananenblues" der schwäbischen TV-Figuren Äffle und Pferdle.

So gewollt dilettantisch Plankenhorns Musik ist, so frech und dem schwäbischen Nationalstolz verhaftet sind seine Texte. Witzig sind die Sprüche, Geschichten und Gedanken gerade dann, wenn sie satirisch völlig überhöht werden und Plankenhorn sich in grotesker Schwabenkomik verliert. Herrlich etwa die lautmalerisch nachgespielte Anekdote über seine Oma, die die Rollläden in Hochgeschwindigkeit herunter lassen konnte oder seine Versuche, sich in einen "perfekten Bieberle" zu verwandeln.

Plankenhorn bewegt sich mit seinem grotesken Crashtest für Schwaben zwischen Dada und Brauchtum, zwischen rasanten Kalauern, absurder Gedankenakrobatik und satirisch überhöhtem Schwaben-Pathos.

Veranstalter altStadtverband für Kultur Leonberg

alt

alt

alt


Rennfahrer Bieberle braucht Boxenstop

Von Barbare Bross-Winkler (Leonberger Kreiszeitung 10.06.2014)

Leonberg "Kulturpfingsten 2014" in der Lahrensmühle lockt  wieder viel Publikum an. Zum Auftakt gastiert Gerd Plankenhorn alias "Rennfahrer Bieberle", dessen schwäbisch-knitzer Humor ab an diesem Abend nicht immer zündet.

Wie gut lassen sich die Feiertage verbringen, wenn zu "Kulturpfingsten" Musik, Literatur, Kunst, Theater und auch noch die Sonne zu einem Ausflug in die Lahrensmühle einladen. So haben Arbeit und Alltag Pause. "Kulturpfingsten", das wissen längst nicht mehr nur die Leonberger, lädt seit 2001 jedes Jahr zu einem bunt gemischten Veranstaltungsreigen ein. Der sollte für jeden Geschmack etwas bereithalten. Gestern ging er mit Lyrik und Jazz zu Ende, zu dem traditionell die Christian-Wagner-Gesellschaft einlädt.

"Rennfahrer Bieberle - Schwaben im Crahstest" ist die Veranstaltung überschrieben, die am Samstagabend die Menschen ins Mühlenidyll lockt. Gerd Plankenhorn mimt den Rennfahrer in diesem Kooperationsprojekt mit dem Theater Lindenhof. Und das steht ja gemeinhin für exzellenten, vielfach ausgezeicheten Theaterspass. Kein Wunder, dass auch die Auftaktveranstaltung in der Mühle ausverkauft ist. Und schliesslich: Wer kennt ihn nicht, den legendären Rennfahrer Bieberle, zumindest aus einem der traditionell eher sinnfreien Abzählreime wie: "Rennfahrer Bieberle, hat im Arsch a Zwiebele, kriegt es nemme raus, und du bisch raus"?

Einsteigen und anschnallen - und los gehen soll der Abend voll rasender Anekdoten, benzingetränkter Gerüchte und haarsträubender Geschichten rund ums Heilige Blechle, den Rennsport und die Geschichte der Schwaben im Allgemeinen imd jene von Bieberle im Besonderen. Plankenhorn berichtet von seinen vielfältigen Forschungen über diesen bekannten Unbekannten. Möglicherweise geht er ja wirklich auf den Erolzheimer Bauernsohn Erwin Biber zurück, der von 1925 bis 1928 viermal in Folge das Radrennen rund ums Erolzheimer Schloss gewann - weswegen manihn eher "Biberle" schreiben sollte.

Die Interaktion mit dem in drei Gruppen eingeteilten Publikum ist etwas lau, doch was der zunächst in einen schwarzen Strampelanzug gewandete Kabarettist dann an Imitationskunst zeigt, kann sich sehen, vielmehr hören lassen. Später wird aus dem Kostüm ein schwarz-weiss beflankter Rennfahreranzug.

Mithilfe so ungewöhnlicher Techniken wie der Zunge im Flattermodus, Kehlkopflappen-Vibrationen und "verwirbeler Strömungskanäle bei eingezogenem Unterkiefer imitiert er gekonnt diverse Rennwagen- und Motorengeräusche. Da hört man mal einen östlich hüstelnden Wartburg und einen Trabant, aber auch eine schlichte Kettensäge. Und gegen Ende des Programms genenert Plankenhorn mit Hilfe einer leeren, im oberen Drittel eingeknickten Getränkedose ein ganzes Rennen mit Warmlaufphase, Start in der Boxengasse und Zielgerade.

Doch der Kabarettist belässt es nicht bei etlichen Renn-Runden, dem Abfragen alter Autokennzeichen, dem Absingen des Erlkönig "des großen Schwaben Goethe" als Rennfahrergeschichte. Oder bei Anekdoten über seine rasende Oma, die ihm schon in jungen Jahren erste Renn- und Nahtoderfahrungen beschert hat.

Er schreibt auch mit Hilfe des weisshaarigen Professors Doktor Werner Härlesspalter auf einem Overheadprojektor die schwäbische Geschichte neu. So spielt er Songs auf seiner stereotauglichen Nasengitarre und der eigentümlichen Elektroharfe aus Japan.

Das erfolgsverwöhnte Theater Lindenhof hin, Plankenhorn alias Rennfahrer Bieberle her: War der nicht in Höchstform oder war es einfach zu heiss. Sollte er am Spannungsbogen seiner Geschichten, die viel Potenzial haben, feilen? Sie ordentlich eindampfen? Oder hat womöglich bloss das Timing nicht gestimmt?

Oder hatte der Kabarettist bloss einen schlechten Tag? Fest steht: Rennfahrer Bieberles Bolide war an diesem schwülen Sommerabend in der schönen Mühle mit zu vielen Nebenschauplätzen überladen, ist ein wenig lahm gefahren, hat etliche Fehlzündungen hingelegt und sein Publikum nicht in Hochspannung versetzen können. Vielleicht läuft es beim nächsten Rennen runder, nach einem Boxenstopp und einer kleinen Generalüberholung?


Sonntag 08. Juni


"Monolog mit Monochord"

alt

Literarische und musikalische Petitessen von und mit Susanne Hinkelbein

Susanne Hinkelbein, Komponistin und Theaterautorin, präsentiert in dieser Performance eigene literarische Miniaturen und begleitet sich dabei selbst auf dem Monochord.

Es sind verschrobene und verschobene Geschichten aus einer Welt im Kopf, deren Asynchronitäten verträumt umspielend: Spinner und Sonderlinge tauchen auf:
Der Schäfer Veit erklärt die Alb zum Weltmeer und erläutert die wesentlichen Navigationsregeln mittels seiner Ohrenkarten.
Die beiden kleinen Protagonistinnen Anna und Lisa lässt Hinkelbein als Däumlinge in den Dialog treten, und es sind gewitzte, liebenswerte und entlarvende Kommentare zu Gott und der Welt.
Professor Konfusius erklärt die Welt auf noch nie dagewesene Weise…

Mit ihren Miniaturen für Monochord zaubert Hinkelbein eine ganz neue Klangwelt  und verbindet Theatralik, Poesie und Musik auf ihre ureigene Weise.

Veranstalter altStadtverband für Kultur Leonberg


alt

Ohrenkarten und die Gefilde ungedachter Gedanken

Von Gabriele Metsger (Leonberger Kreiszeitung 10.06.2014)

Leonberg Was wäre, wenn man wohlbekannte Denfade einfach verlIesse und sich der wahrnehmbaren Welt aus einer anderen Richtung  näherte? Susanne Hinkelbein nimmt ihr Publikum am Sonntag in der Lahrensmühle mit auf eine Entdeckungsreise durch Gefilde ungedachter Gedanken. Theaterkennern ist sie als Komponistin
wohl vertraut. Aber die gebürtige Stuttgarterin ist mehr als das. Philosophin auf jeden Fall und ideenreiche Musikerin.

Für ihr Programm "Monolog mit Monochord" hat sie nach eigenen Plänen und mit einfachsten Materialien ein Monochord bauen lassen: einen Holzkasten mit 13 gleich langen Saiten. Monoton ist das, was sie damit anstellt, freilich ganz und gar nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass sie immer wieder ebenso amüsante wie feinsinnig-philosophische Dialoge einbaut. Wobei die zauberhaft sind: Anna und Lisa sind eigentlich nur ein roter und ein grüner Fingerhut, denen Hinkelbein ihre Stimme leiht.

Das tut sie aber auf so lebendige Art und Weise, dass man die Präsenz der Mädchen, die mit ihren unbekümmerten Fragen verkrustete Denkmuster aufbrechen,
wirklich spürt. Seit wann gibt es die Logik? Kann man einen Tag gewinnen, wenn man die Uhr vorstellt? Und wenn ja, bleibt dieErinnerung an diese Zeit, wenn man
die Uhr wieder zurückdreht? Kann man in den Kopf einer anderen Person fliegen und darin Gedanken lesen?

Anna und Lisa sind nicht die einzigen Charaktere, die das Weltgeschehen aus einem unkonventionellen Blickwinkel betrachten. Da ist auch Professor Konfusius, der mit seiner Gedankenakrobatik zum Thema "Gibt es eine Weltformel, und wenn ja, wie lässt sie sich herausfinden?" so manchen Knoten in den Gehirnwindungen des gespannt lauschenden Publikums produzjert.

Besonders poetisch sind die Ohrenkarten, die Hinkelbein als Schäfer Veit von der Schwäbischen Alb vorführt. Veit weiss, dass die Schwäbische Alb auch heute noch
ein Meer ist und man auf dem Wasser andere Koordinaten zur Orientierung braucht als auf einer Landkarte. Mit Hilfe von Geräuscheen lassen sie auf erstaunliche Weise Örtlichkeiten und Zeitpunkte definieren. Ein ratternder Zug, eine pfeifende Dampfsäge - oder einfach eine ganz bestimmte Stille. Denn davon gibt es verschiedene, und die  Geräusche, die man vernimmt, sind nur deren Konturen.

Zwischendurch erklingt natürlich das Monochord. Und die Art und Weise, wie Hinkelbein dem Holzkasten Töne entlockt, ist ebenso fantasievoll wie bemerkenswert. Mit Hilfe mobiler Stege erklingen rockige Saiten-Sounds, an denen auch Jimi Hendrix seine Freude gehabt hätte. Susanne Hinkelbein wünscht sich zu Beginn, dass das Publikum anders aus der Mühle hinausgehen solle, als es hereingekommen sei. Das ist ihr geglückt.


07. bis 09. Juni


Ein Künstler zu Gast in der Lahrensmühle

alt

Gemeinsam mit der Gallery Irmgard Heyd präsentieren wir in der Lahrensmühle eine Ausstellung von und mit Frederick Bunsen




alt

Foto: Karin Müller

alt

alt


Bunsen stammt aus den USA, lebt aber seit Mitte der 1970er Jahre mehr oder weniger ununterbrochen in Deutschland und hat - nach vorausgegangenem natur-,  literatur- und kulturwissenschaftlichem Studium an der Oregon State University und der Universität Stuttgart - von 1974 bis 1980 an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste seine künstlerische Ausbildung erfahren; zuletzt als Meisterschüler bei Rudolf Haegele.

Bemerkenswert ist auch seine seitdem stetig zu beobachtende Auseinandersetzung mit konventionellen malerischen und zeichnerischen Mitteln und seine Professionalisierung auf dem Gebiet der Lithographie. Seit Mitte der 1980er Jahre kommen diverse Lehrtätigkeiten und Gastdozenturen hinzu, zuletzt 2001-2006 eine Professur für Kommunikationstheorie und Freie Malerei an der Universität für Kunst und Design in Klausenburg (Cluj, Rumänien).
Er gründete 1984 mit dem Künstler Andras Markos die Künstlervereinigung "die Gruppe" mit Sitz in Leonberg, zu der auch Hans Mendler (Leonberg) gehörte. Bunsen selbst führte ein grosses Atelier in der Eltinger Strasse 11 von 1982 bis 2007.

Seit 2007 betreibt er zusammen mit der Künstlerin Bettina L. Baur die Art-Road-Way Kunstschule in Ammerbuch-Breitenholz.




Montag 09. Juni


"Was ist's, das giebt wo wunderbaren Klang"

alt

Jazz trifft Christian Wagner

Trio KAN - Kühner-Ambros-Netz. Die einmalige Mischung aus akustischen Klängen von Gitarre, Percussion und Gongs verfeinern die Musiker Uwe Kühner und Jo Ambros mit den Möglichkeiten elektronischer Percussion und Effekten. Eine geradezu ideal ergänzende Klangkomponente steuert der Saxophonist und Klarinettist Carsten Netz hinzu.

Die Verbindung zu den Texten des Warmbronner  Dichters Christian Wagner schafft  die Lesung von Felix Muhle.

Jo Ambros studierte in Würzburg, Stuttgart und New York. Ohne Zweifel gehört der Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg 2001 und Gewinner des Jazzpreises Baden Württembergs 2004 zu den interessantesten Gitarristen der jüngeren Generation.

Uwe Kühner studierte Schlagzeug und Percussion bei Doug Hammond in Basel und bei Pierre Favre an der Musikhochschule in Stuttgart. Neben zahlreichen eigenen Projekten arbeitete er mit namhaften Künstlern zusammen, unter anderem mit Maria Joao, Fred Frith und Karl Berger.

Carsten Netz ist durch sein flexibles und einfühlsames Spiel ein gefragter Mitspieler und Solist in unterschiedlichsten musikalischen Zusammenhängen. Er ist Preisträger der Stadt Rostock und Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Veranstalter  Warmbronn