Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2017

"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2017

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Kulturpfingsten 2017



Samstag 03. Juni 19.00


"Wenn der Pfarrer jazzt"

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Die andere Seite des Eltinger Pfarrers

Wussten Sie, dass die Lahrensmühle im Laufe der Geschichte viele Namen hatte und oft nach den Besitzern/Betreibern benannt wurde? Vielen ist noch die Bezeichnung „Veitenmühle“ bekannt. 1682 hieß sie jedoch Pfarrherrnsmühl, weil sie der Eltinger Pfarrer von seinem verstorbenen Bruder übernommen hatte.

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So ist es also fast schon Routine für das ehrwürdige Gemäuer, wenn der Eltinger Pfarrer in der Mühle Gastgeber ist.

Diesmal hält er aber keinen Gottesdienst, sondern zeigt seine Vielseitigkeit als begnadeter Pianist zusammen mit der Sängerin Katrin Bürck.
Jazz ist nicht nur aufgrund einiger seiner Wurzeln (Gospel) eine spirituelle Musikform, sondern er streckt seine Fühler und Finger weit aus – von der sehr ernsten Musik am einen Ende bis zum Pop am anderen Ende des Spektrums.

Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Klangreise in die Welt komponierter und improvisierter Jazz-Musik, die durch das Spielen aus dem Moment heraus besondere Intensität und Energie entfaltet.

Jazz-Standards berühmter Komponisten wie Nat King Cole oder Richard Rogers werden neu bearbeitet, eigene Kompositionen von Dennis Müller und Katrin Bürck werden speziell für diesen Abend geschrieben und arrangiert – immer mit dem Ziel Spiritualität und Kreativität miteinander zu verbinden.
Lassen Sie sich überraschen!   

Am Klavier: Dennis Müller
Gesang: Katrin Bürk, Studentin im Fach Jazzgesang in Mainz

Veranstalter   Leonberg


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Lodernde Flammenzungen über den Tasten

Von Doris Alice Caumanns (Leonberger Kreiszeitung 06.06.2017)

Leonberg Der Eltinger Ptarrer Dennis Müller hält mit Jazz-Sängerin Katrin Bürck eine musikalische Pfingstpredigt.

Wohl die wenigsten wissen, was eigentlich genau an Pfingsten gefeiert wird - ausser Grillfest, Radtour oder Kopfsprung im Schwimmbad. In der Apostelgasehichte kann man es nachlesen: Es ist die Ausgiessung des Heiligen Geistes über Jünger und Apostel, die beauftragt werden, das Evangelium (die "gute Botschaft") in allen Sprachen zu verkünden - mithin der "Geburtstag" der Kirche. Beschrieben wird das Pfingstwunder mit den Worten: Ein Brausen erfüllte  das Haus, "und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer und setzten sich auf jeden unter ihnen".

Dass Feuerzungen auch über den Tasten  eines Klaviers lodern können, hat der Eltinger Pfarrer Dennis Müller am Pfingstsamstag klanggewaltig in der ausverkauften Lahrensmühle demonstriert. Zusammen mit der jungen Jazz-Sängerin Katrin Bürck hat er dem Publikum vor historischer Kulisse Jazz vom Feinsten geboten: von Johann Sebastian Bach über Nat King Cole bis hin zu eigenen Kompositionen.

Das Publikum geniesst den lauen Frühsommerabend im romantischen Garten, wo einst die Mühle am rauschenden Bach klapperte, die sogar mal in Besitz des Eltinger Pfarrers gewesen ist. Dann die ersten Töne, nur mit der rechten Hand gespielt: scheu, meditativ, achtsam - wie ein Gebet. Das Publikum hört förmlich die Stille zwischen den hingetupften Tönen. Dann wird’s jazzig - und es geht richtig ab!

Die zierliche Sängerin mit der kraftvollen Stimme interpretiert "Summertime" von George Gershwin, dazu zackige Synkopen am Klavier - ein groovy Sound erfüllt den Raum, wo einst aus hölzernen Getreideschütten der Mahlgang "beschickt" worden ist. Beide Musiker, die so perfekt aufeinander eingespielt sind, dass Atemzug und Wimpernschlag zur Kommunikation genügen, haben einen besonderen Draht zu Johann Sebastian Bach: sie "Kirchenmusikerkind", er als Pfarrer sowieso. Müller spielt ein Bach-Präludium - erst ganz klassisch, luzide und eindringlich, dann der Übergang ins Jazzige. Katrin Bürck interpretiert die "Air" von Bach sehr innig-warm scattend, dazu improvisiert der Pfarrer fantasievoll und einfühlsam.

Bei seinem selbstkomponierten Solostück für Klavier imitiert Müller mit dem Fuß die Percussion-Begleitung, beat-boxt und schlägt mit den Händen wuchtig auf die Oberschenkel. Sein Stück  "Coming home" - "extra für heute geschrieben", sagt er - will Konflikte überwinden und malt die Utopie einer Heimat für alle, die im Blochschen Sinne erst herzustellen ist. Rasendes Crescendo, Donnerschlag-Akkord, dann oben leise verklingend.

Müller, der seit seinem achten Lebensjahr Klavier spielt, besitzt eine professionelle Ausbildung, die ihn zu Klaus Wagenleiter, Chef der SWR-Big-Band, und sogar ans "Berklee College of Music" in Boston führte. Er spielt um Jazz-Trio mit Bezirkskantor Attila Kalman und in der Gemeindeband Eltingen.

Pfarrer und Jazz? Auf die Frage, ob dann der Jazz spiritueller oder die Kirche peppiger werde, erläutert Dennis Müller "Meine spirituelle Jazzmusik ist inspiriert von Johann Sebastian Bach und seinem Motto 'Soli Deo Gloria' (Gott allein sei die Ehre). Die Musik gewinnt dadurch an Tiefe." Er tritt auch bewusst in die Fussstapfen von Martin Luther, der die Musik als Gabe Gottes gesehen hat, welche die Leute "gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger macht".

Nach der Pause kündigt Müller an: "Jetzt wird's definitiv geistlich!" Der Choral "Nun danket alle Gott" und sogar das Beerdigungslied "So nimm denn meine Hände" mit einem ergreifenden Klaviersolo folgen. Dennis Müller ist mit Jörg Zink der Ansicht: "Es ist am Ende ein Gehen ins Licht." Sein Lied "Der Sonne entgegen" ist daher zuversichtlich, hell und rhythmisch. Die musikalische Pfingstpredigt von Dennis Müller ist viel zu schnell zu Ende: Ein intensiver, berührender Abend voll Charme, Witz und Esprit. Stürmischer Applaus fordert mehrere Zugaben, bevor das Publikum beseelt in den lauen Sommerabend hinausgeht.


Sonntag 04. Juni 19.00


"Heute Abend: Lola Blau"

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Musical für eine Schauspielerin von Georg Kreisler
- Inszenierung des Zimmertheaters Tübingen

Georg Kreisler – "Tauben vergiften im Park“ – oh nein, nur das nicht! Doch weit gefehlt!

"Heute Abend - Lola Blau“ hatte Kreisler Anfang der 1970er-Jahre für seine damalige Frau, die Darstellerin Topsy Küppers geschrieben – ein Ein-Frau-Musical, prall gefüllt mit Chansons – hintergründig, fröhlich, hoffnungsvoll, auch traurig.
Hintergrund der Handlung ist die Karriere einer jüdischen Schauspielerin, die 1938 aus Österreich in die USA flieht, dort Karriere macht, aber nach dem Krieg wieder zurückkehrt.

In dieser Inszenierung des Zimmertheaters Tübingen spielt und singt Agnes Decker so genial, als hätte ihr Kreisler die Rolle auf den Leib geschrieben – Begeisterung im Eintrittspreis enthalten!

Lola Blau: Agnes Decker
Am Klavier: Klaus Hügl
Inszenierung: Axel Krauße, Zimmertheater Tübingen

Veranstalter  Leonberg


Samstag 03. Juni 18.00-20.00

Sonntag 04. Juni 10.00-20.00

Montag 05. Juni 10.00-20.00


Ein Künstler zu Gast in der Lahrensmühle

Veranstalter

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Hildrizhausen

Eintritt frei

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Ausstellung und Versteigerung der Werke von Marcus Dreisigacker.

Highlight und gleichzeitig Endpunkt der diesjährigen Ausstellung ist die Versteigerung von Gemälden des Künstlers Marcus Dreisigacker. Alle ausgestellten Bilder werden am Montag Nachmittag ab 15 Uhr versteigert. Der Erlös kommt ohne Einschränkung dem Hospiz Leonberg e.V. zugute. Dreisigacker dokumentiert damit seine andauernde Verbundenheit zur Region Leonberg.

Schon in frühester Kindheit entwickelte Marcus Dreisigacker seine Leidenschaft für die Malerei. Bereits im Alter von 10 Jahren begeisterte ihn der Photorealismus und er zeichnete hauptsächlich mit Tusche und Kohle. In dieser Zeit stellte er seine Werke auch schon der Öffentlichkeit vor.
Seine Vorliebe für ausdrucksvolle Farben, wie sie auch in seinen heutigen Werken zu finden sind, begann erst im Alter von 16 Jahren. Es entstanden Werke wie Linolschnitte, biomechanische Bilder aus Tusche, großflächige Bilder aus Acryl, sowie Wandmalereien in Privathäusern. Später entdeckte er seine Neigung zum Surrealismus. Es war aber eher die Art zu denken, die Exzentrik und Schizophrenie dieser Kunstepoche, so Dreisigacker, die ihn faszinierte.

Marcus Dreisigacker ist ein nach Zusammenhängen und Entwicklungen Suchender. Er lässt sich von dem anscheinend realen und oberflächlich sichtbaren nicht ablenken. Analytisch, vorsichtig, hintergründig, humorvoll, manchmal auch zynisch, aber immer wach, beobachtet er seine Umwelt. Dabei ist er nicht oberflächlich, sondern interessiert sich für das kleinste Detail und das anscheinend Nebensächliche. Er sucht nach Ursprüngen und Seele.

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Mit seinen Ausstellungen ist er nicht nur in Deutschland präsent, sondern auch International z.B. in Miami, Caracas, London, Paris, Amsterdam wie auch in China wo er einige Jahre verbrachte.

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Er hat von Anfang an eine Neigung zum Surrealen

Von Wiebke Kahns (Leonberger Kreiszeitung 03.06.2017)

Leonberg 36 Arbeiten des Künstlers Marcus Dreisigacker sind in einer Ausstellung der Lahrensmühle zu sehen.

Ein elfenhaftes Wesen mit Libellenflügeln, die in der Luft schwirren, fliegt über Bäumen, die an Fichten erinnern. Rechts erhebt sich ein Berg, links unten zeigt sich der Kopf eines Bären - oder ist es ein Frosch? Das Bild trägt den Titel "Das Rendevous". Der Künstler Marcus Drcisigackcr, der einige Jahre in China verbrachte, hat es dort für ein Kindertheater geschaffen. Eine Ausstellung mit 36 Arbeiten von ihm ist von heute Abend, 18 Uhr an sowie am Sonntag und Montag, jeweils von 10 bis 20 Uhr in der LahrensmühIe zu sehen.

Dreisigackers Arbeiten mit ihren surrealen Elementen lassen viel Freiraum für die Fantasie des Betrachters. Das ist spannend, denn immer wieder entdeckt man Neues, Faszinierendes, wenn man sich Zeit nimmt und sich auf ein Bild einlässt. Der Künstler arbeitet auf Papier. "Er malt in Mischtechnik mit Tusche und in Aquarell, die Tusche rührt er wie die Asiaten selbst an" sagt die Galeristin Irmgard Heyd, die den Künstler betreut und die auch diese Ausstellung für Kulturpfingsten in der Lahrensmühle organisiert hat. "Beim Malen mit Farbstiften sitzt jeder Strich – wie bei Albrecht Dürer," ist Heyd begeistert. Auch Collagen, darunter Fotocollagen, gehören zu Dreisigackers Werken.

Auf vielen Bildern springen einem die bunten, leuchtenden Farben ins Auge. Mehrfach ist darauf ein Zug zu sehen. Sie schlängeln sich wie eine Raupe, ein anderer Zug scheint aus einem dunklen Tunnel zu kommen. Wieder zwei fahren durch eine Landschaft mit viel Grün, die Scheinwerfer ihrer Loks senden lange Lichter aus, im Hintergrund sind Berge zu sehen. "Das ist in der Schweiz, die Züge dort in der Landschaft - das hat ihn fasziniert," erklärt Galeristin Heyd. Dreisigacker beobachtet, lässt sich vom Sichtbaren aber nicht ablenken. Vieles in seinen Bildern ist symbolhaft. Deutlich wird das auch bei dem Mann mit den vielen Rädern, der "Sammler". Glücklich schaut er dabei nicht aus. Bei Dreisigackers Arbeiten ist das Surreale, Traumhafte auffallend. "Das gehört zu ihm, von Anfang an", weiss Irmgard Heyd.

Versteigerung: Endpunkt der Ausstellung bei Kulturpfingsten in der Lahrensmühle ist die Versteigerung einiger Werke des Künstlers am Pfingstmontag, um 15 Uhr durch den LKZRedaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.  Der Erlös kommt dem Hospiz Leonberg zugute.


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Wenn "Frau 6" und "Herr 2" sich überbieten

Von Thomas K. Slotwinski (Leonberger Kreiszeitung 07.06.2017)

Leonberg - Mit dem Hammer auf die Schulbank. Eindrücke einer Bilderversteigerung fürs Hospiz.

Es klang so harmlos. "Können Sie uns bei der Versteigerung von Bildern helfen?", hatte der Chef der Lahrensmühle den Redakteur gefragt. "Der Erlös geht ans Hospiz." Der Anruf erfolgte irgendwann nach dem Pferdemarkt. Pfingsten, da sollte die Versteigerung erfolgen, war weit weg.

Der Redakteur fand den Gedanken spannend, fühlte sich an Kriminalfilme aus den Siebzigern erinnert, in denen edel gekleidete Herrschaften Kunstschätze in Millionenhöhe ersteigern, die später von Dieben geklaut werden. "Ja klar, ich mache das", beschied er den Anrufer. "Die Details können wir dann noch besprechen."

Irgendwann im späteren Frühjahr meldete sich der Lahrensmüller wieder. "Pfingsten rückt näher, und damit unsere Ausstellung", verkündete der engagierte Besitzer der historischen Mühle, idyllisch gelegen an der Glems, und doch mitten in der Stadt. "Wollen Sie mal vorbeischauen?"

Der Journalist hatte seinen Einsatz in den vergangenen Wochen erfolgreich in einer hinteren Ecke des Hirns abgespeichert. Jetzt musste er hervorgeholt werden. Der Zeitungsmann überlegte, wie sein temporärer Einsatz als Auktionator wohl ablaufen könnte. Er, der nicht eben ein ausgewiesener Malerei-Experte ist.

"Sie machen das schon", ermunterte ihn der Hausherr in der Lahrensmühle. Und die Galeristin Irmgard Heyd erläuterte ihm das Werk ihres Künstlers: Marcus Dreisigacker malt surrealistische Bildcr, traumhafte Szenen mit Liebe zum Detail, die die Fantasie anregen. Der Redakteur schaut sich die Zeichnungen an: Fabelwesen und Tiere aus fernen Welten, erkennbar inspiriert durch einen China-Aufenthalt des Künstlers.

Wie viele Leute werden wohl kommen? Werden die auch bieten oder nur gucken? Schliesslich soll ja ein möglichst hoher Betrag fürs Hospiz herauskommen. All diese Gedanken gehen dem Auktionator durch den Kopf, als er sich am Pfingstmontag zur Lahrensmühle aufmacht.

Tatsächlich hat sich eine erkleckliche Anzahl von Leuten in der  liebevoll restaurierten Scheune versammelt. Einige geniessen noch ein Weinchen und hausgemachtes Chili. Der Hausherr präsentiert dem Redakteur stolz den Einsatzort. Ein Stehpult und sogar einen Hammer. "Aber bitte nicht zu fest zuschlagen“ bittet die Galeristin. "Der Tisch ist eine ganz alte Schulbank. Zu harte Schläge könnten sie beschädigen."

Los geht‘s. Die meisten im Publikum haben einen nummerierten Zettel. Sie wollen also wirklich bieten. Das beruhigt. Trotz der guten Preise, die Anfangsgebote variieren zwischen 50 und 80 Euro, sind die Bieter anfangs noch etwas verhalten. Der Auktionator braucht ein paar flotte Sprüche, um die Leute in Schwung zu bringen. Und die Galeristin erzählt zu jedem Bild eine kleine Geschichte als Interpretationshilfe. Diese Mischung wirkt.

Die Dame mit der Nummer 6 legt sich schwer ins Zeug. Aus 70 Euro werden 75. "Zum ersten, zum zweiten, zum dritten": Am Ende sind es  95 Euro. Nicht nur "Frau 6" ist im Ringen um Bilder und Gebote erfolgreich unterwegs. "Die Dreier-Gruppe" nennt der Versteigerer gleich mehrere Leute, die abwechselnd mit der Zahl 3 bieten. Sehr rege dabei ist auch der Herr mit der 2, die Auktion hat jetzt richtig Dynamik. "Ich will eine dreistellige Zahl", heizt der Auktionator die Bietfreudigkeit der Kunstfreunde. „Und denken Sie immer dran, der Reinerlös geht komplett ans Hospiz".

Da steigert auch der Hausherr gerne mit, der sieh teilweise mit "Frau 6" und "Herrn 2" richtig kleine Gebotsgefechte liefert. Kristin Kuhl, die Vorsitzende des Hospiz-Vereins, strahlt angesichts der kontinuierlich höher werdenden Summen. Auf Schatzsuche geht Elke Zinsser. Die Mundart-Kolumnistin unserer Zeitung ersteigert eine Schatzkarte, die sie zu einem in einem Mauerspalt verborgenen Bild führt: Der Fuchsbau von Babel. Die Zeichnung hatte Marcus Dreisigacker noch in der Nacht angefertigt.

Die Spezialistin für Eltinger Dialekt angelt sich auch "Fuchs und Eule". Dieses Bild hätte auch gerne der kleine Janne für sein Kinderzimmer gehabt. Zum Trost ersteigert der Junge, assistiert von der Mama, die Zeitmaschine. So sind am Ende alle zufrieden, vor allem Kristin Kuhl, die sich jetzt über 2080 Euro für ihre Hospizarbeit freuen kann. Auch der Teilzeit-Auktionator lächelt. Er ist mit dem Hammer ganz gut zurecht gekommen.


Montag 05. Juni 18.00


"Charles Davis & Captured Moments und Lyrik von Christian Wagner"

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Eingefangene Augenblicke

Was verbindet einen australischen Flötisten, einen schwedischen Gitarristen und einen deutschen Bassisten? 


Charles Davis und seine beiden Mitmusiker machen in extravaganter Besetzung lyrische Kammermusik der Spitzenklasse. Als musikalische Nomaden sind sie daran interessiert, ihre verschiedenen musikalischen Einflüsse zu verbinden.
Dabei spannen Sie einen weiten Bogen von Jazz über Folklore aus Osteuropa bis hin zu arabischer Musik. Ihre Darbietung strahlt eine stille Intensität aus, alles ist transparent und klar, frei von überflüssigen Attitüden, sodass die Eigenschaften der einzelnen Instrumente und die Interaktionen zwischen den drei Musikern deutlich zu verfolgen ist. Und genau diese Momente sind mit den „eingefangenen Augenblicken“ aus dem Ensemblenamen gemeint.

Kombiniert wird die Musik von Captured Moments in der Lahrensmühle mit Lyrik von Christian Wagner.

Querflöte: Charles Davis
Gitarre: Sven Götz
Kontrabass: Steffen Hollenweger
Rezitation:  Felix Muhle

Veranstalter  Warmbronn e.V.


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Sven Götz und Charles Davis

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Das Trio komplett mit Steffen Hollenweger


Augenblicke eingefangen in Musik und Wort

Von Gabriele Metsger (Leonberger Kreiszeitung 07.06.2017)

Leonberg "Jazz und Lyrik": Das Trio Captured Moments spielt und Felix Mule liest.

Doch, das Warten auf den Bassisten hat sich gelohnt. Zum traditionellen Abschlusskonzert der Ver­anstaltungsreihe "Kulturpfingsten" am Montag in der Lahrensmühle hatte die Christian-Wagner-Gesellschaft das Ensemble Captured Moments eingeladen. Dazu gehören der australische Flötist Charles Davis, der schwedische Gitarrist Sven Götz und der deutsche Bassist Steffen Hollenweger. Eigentlich.

Denn kurzfristig geänderte Flugpläne machten es ihm unmöglich, pünktlich um 18 Uhr zu "Jazz und Lyrik" vor Ort zu sein. Aber Profis sind eben Profis. Und so gestalteten Charles Davis und Sven Götz den ersten Programmteil zu zweit. Und das ungemein gut. Nicht zu vergessen: Felix Muhle, der seit vielen Jahren Vorstandsmitglied der Christian-Wagner-Gesellschaft ist. Er las immer wieder mit wunderbarer Ruhe und sprachlicher Gestaltungskraft Texte von Christian Wagner, so dass selbst Kenner die Worte des Warmbronner Dichters nochmals neu entdecken konnten.

Dem Gedicht "Der Frühlingsbote", in dem ein heiterer Moment am gemeinsamen Mittagstische beschrieben wird, folgte so zum Beispiel Charles Davis’ Komposition "Skys of Provence". Über der filigran gewobenen Gitarrenbasis zog behände die Querflöte ihre Melodielinien wie eine Schwalbe am Frühlingshimmel. Viele seiner Stücke seien nach Landschaften in Frankreich benannt, verriet Charles Davis. Dort verbringe er oft seinen Urlaub. Tatsächlich folgten im Laufe des Abends noch weitere musikalische Impressionen. Etwa vom "Canal du Midi", an dessen Ufer Davis entlang geradelt ist. Dynamisch war diesmal der Charakter der Musik, und Sven Götz bewies, dass seine Gitarre auch den Walking Bass kann. Das alles klang nach Ferien und einem Urlauber, der beim Fahren ein Liedchen pfeift. "Clouds over Touny" wiederum hatte ein kleines Schlösschen in Südfrankreich als Inspiration.

Die Ballade lud mit ihren schwebenden Harmonien zum Träumen ein. Hier war auch Steffen Hollenweger mit seinem Bass mit von der Partie. Samtweich perlten die Klänge seines Instruments und beantworteten die im ersten Programmteil durchaus im Raum stehende Frage "Fehlt denn der Bass tatsächlich?" auf jeden Fall mit einem klaren "ja".

Aber das Ensemble hatte noch allerhand weitere Facetten im Gepäck: in "Petite Valse Numéro 2" verarbeitete Sven Götz musikalische Elemente aus Schweden. Aus den kleinteiligen Akkordbrechungen leuchtete immer wieder eine sehnsuchtsvolle Melodie hervor. Zu "Men On The Roof" hatten bosnische Handwerker Charles Davis inspiriert. Japanische, chinesische und indische Tonleitern lieferten Sven Götz das Material für sein Stück "Asia in Five Days". Hier packte Davis seine Bassflöte aus und ließ das Publikum deren dunkel-geheimnisvolles Timbre zu orientalischen Melodien entdecken.

Am spektakulärsten waren die "Elephant Steps", bei denen seine Kontrabass-Flöte zum Einsatz kam. Sie überragte den Musiker locker um einen Kopf und klang noch dunkler und geheimnisvoller als die Bassflöte. Viele perkussive Elemente mischte Davis in das Stück. Dabei stand das Instrument auf dem Boden. Nur das große Mundstück ist hier waagerecht aufgebracht.

Das Publikum war begeistert. Hollenweger zeigte nicht das kleinste Anzeichen von Reisestress, und gleich das erste Stück nach der Pause "Gitanes" ließ den Funken überspringen. Alle drei Instrumente verschmolzen zu einer warmen, voluminösen und ungemein klangschönen Einheit. "El Sheik" bot dem Trio die Gelegenheit, virtuose Soli und einen Hauch von Flamenco einzubinden.