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"Wald. Weihnacht" 2002

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Samstag - 21. Dezember 2002

Ein literarischer Spaziergang durch das romantische obere Glemstal

mit Andrea Funk und Stefanie Kerker

Die Alten wussten es noch: In unseren Wäldern und Wiesen tummeln sich sagenhafte, geheimnisvolle Wesen, und speziell in dieser Jahreszeit, wenn die Tage kürzer werden, wenn der Wald und die Wiesen Nebel atmen, dann steigen sie aus ihren Erdhöhlen, kriechen unter den großen Steinen hervor und verlassen ihre Nester in den hohlen Ästen der uralten Bäume. Dann springen und tanzen sie, die Elfen, Wichtel, Kobolde und Feen und huschen geräuschlos durch den kahlen Wald. Dann zeigen sie den Menschen, wie wunderschön-romantisch die Weihnachtszeit sein kann: still, besinnlich, mit einem Hauch Magie. (Backnanger Kreiszeitung 05.12.2001)

Die Besucher wurden von Waldwesen auf einen Weg geführt, der sie überraschte. Als sie diesen scheuen Wesen folgten, hörten sie Texte und Geschichten, die sie in eine winterlich, weihnachtliche Welt eintauchen liessen.

Veranstalter: Leonberg



Wenn die wilden Wichtelwesen Weihnachten feiern

von Anja Tröster (Stuttgarter Zeitung 23.12.2002)

LEONBERG. Kein Hauch von weisser Winterromantik hat den literarischen Spaziergang "Wald-Weihnacht" am Samstagabend in Leonberg versüsst. Schön war’s trotzdem, wie die beiden Wichtel die Zuhörerschar mit Wortspielen, Märchen und Rätseln in die Auen lockten.

Fackelduft und Kerzenlicht zeigten den Weg entlang dem Bach, während sich in der Niederung an der Glems der abendliche Nebel bildete und alles in ein unwirklich weiches Licht tauchte. Es schien fast, als sei die Landschaft nicht real, sondern gemalt. Eine ideale Bühne also, um dem Gewisper der Bäume und dem Raunen unbekannter Fabelwesen zu lauschen, willig übersetzt von zwei kabarettistischen Wichteln des Grosshöchberger Kabirinetts aus Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis (Andrea Funk und Stefanie Kerker). Dort hat sich der literarische Spaziergang vom Geheimtipp zu einem Dauerbrenner entwickelt. Die etwas andere Art, den Advent zu feiern, wurde Mitte des Monats auch in der Landesschau gewürdigt.

Thomas Lautenschlager holte nun zwei Abgesandte in die Lahrensmühle und wurde von der Nachfrage überrascht: Über eine Woche im voraus war die Veranstaltung bereits ausverkauft. Mehr als fünfzig Besucher wuselten den Wichteln ins Geäst hinterher, die Uferböschung entlang, gelockt vom lautmalerischen Geschnatter der beiden pelzigen Gesellen. Christian Morgenstern schien zu grüssen, wenn mit viel Spass am Klang und Rhythmus das Wiesenleben verdichtet wurde. Doch die meisten Texte stammen aus der Feder von Andrea Funk.

Auch jenes zungenbrecherische Märchen von der Fee, die zusammen mit dem Reh am Schneesee lebt - das Zehenweh der Schneeseerehfee hörte man die Spaziergänger noch lange nachflüstern. Da passte ausnahmsweise, dass am Himmel über dem Tal nicht nur der fast volle Mond grüsste, sondern auch die Leuchtschrift eines lautmalerisch passenden Skizubehörherstellers.

Märchenhaft schön war auch jene Ballade, die von den Weihnachtsvorbereitungen im Walde erzählt. "Alte Knorke mach dich schmuck", raunzt der Dachs da die murrende Fichte an, die voller Neid ist, weil zur Weihnachtszeit nun mal eher Tannenbäume gefragt sind. Und der Dachs selbst? Er probt die Weihnachtsoper mit der Eule aus dem Moor, derweil der Marder mit dem Hirsch den Backgroundchor übernimmt.

Das Augenzwinkern der Texte tröstete auch darüber hinweg, dass der Spaziergang nicht allzu lange dauerte. Kaum war man ans Wehr gelangt, gaben die beiden ein Rätsel auf, liessen die Gäste zu Flötenklängen Äpfel aus den Ästen pflücken und dann ging es auch schon wieder zurück indie Mühle, wo die Zuhörerschar mit kammermusikalischen Klängen, Gutsle und einem Becher Glühwein in Empfang genommen wurde.