"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2004

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Sonntag - 12. September

Wie läuft's?

Schwerpunktthema Wasser als Leitmotiv

"Gut läuft's" wurde in der Lahrensmühle geantwortet, denn auf das Thema Wasser ist man in Mühlen bestens vorbereitet. So drehten sich die Aktionen zum Denkmalstag auch vorwiegend um die Wasserkraft. Und natürlich um das Wasserrad, das - finanziert durch ein Spendenkonto bei der Stadt Leonberg - rekonstruiert werden soll.


Mühle multimedial

An 5 Computerstationen im historischen Mühlenraum der Lahrensmühle konnten sich die Besucher in Animationen zu folgenden Wasserthemen informieren:
♦ Bau eines Mühlrads im Detail
♦ Funktionierende Mühlräder in unserer Region
♦ Spurensuche - was von Leonbergs Wassermühlen übrig blieb
♦ Die ehemalige Wasseranlage der Lahrensmühle
♦ Naturschutz in der Glems-Aue an der Lahrensmühle



Mühleninformation

Schon zur Tradition geworden sind die sachlich fundierten Ausführungen zur Mühlentechnik von Ralf Spicker, Technikhistoriker am Deutschen Museum in München. Er versteht es immer wieder, die Mühle mit ihrer historischen Ausstattung den Besuchern auf anschauliche Weise nahe zu bringen.

Ebenfalls gewissermaßen zur Stammbesetzung gehört Jürgen Ziegler, Zimmermannsmeister und Inhaber des Zimmergeschäfts Ziegler in Eltingen. Er kennt die Lahrensmühle mit ihren Nebengebäuden in- und auswendig, seit im Jahr 1998 mit der Restaurierung des historischen Ensembles begonnen wurde. Fragen zur gelungenen Wiederherstellung der alten Fachwerkbauten wurden von ihm kompetent beantwortet.



Mahlstein als Schmuckstück

Erstmals zu Kaufen gab es an der Lahrensmühle kleine silberne Mahlstein-Anhänger, deren Erlös für das Spendenkonto "Mühlrad Lahrensmühle" bestimmt ist. Damit soll die Rekonstruktion des Mühlrads in greifbare Nähe rücken..



Bewirtung rund um den Apfel

Die Streuobstwiese ist unverzichtbarer Bestandteil des "Mikrokosmos Lahrensmühle". Was früher wichtiger Bestandteil im Speiseplan der Müllersleute war, spendete am Tag des offenen Denkmals allerlei Köstlichkeiten zum Probieren. Niemand weiß das besser als die Fachwarte vom Landesverband "Obst, Garten und Landschaft", kurz "LOGL", welche die Besucher mit ihren Produkten verwöhnten und natürlich auch über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege informierten.



"Bis zom nägschta Buckel"

Die Christian-Wagner-Gesellschaft Warmbronn präsentiert einen gekonnten Brückenschlag zwischen dem Spiel mit der schwäbischen Sprache und modernem Jazz: "Bis zom nägschta Buckel"

Schwäbische Geschichten von und mit Peter Schlack musikalisch begleitet von "Out of Green" - klingende Objekte und fließende Rhythmen erzeugt auf Kunstobjekten wie einer fast zwei Meter großen Weltkugel verschmelzen mit denen von Perkussion und akustischen Gitarren. Metall trifft auf Holz trifft auf Fell trifft auf Metall trifft auf Fell …mit Jo Ambros, Alex Resch, Uwe Kühner.

Der Mundartwelle kam Peter Schlack (Jahrgang 1943) mit seinem ersten Bändchen zuvor. Dass es mit seinen seriellen Sprachexperimenten, mit seinen Lautspielereien und mit seiner respektlosen Unbefangenheit beispielhaft war für eine neue Richtung, hat man erst später bemerkt. Da war dann schon das zweite Bändchen da ... Inzwischen sind bereits zwanzig Bücher von ihm erschienen. Aus seinem letzten, das 2003 herauskam, wird Peter Schlack lesen.

Musikalisch begleitet wird er von "Out of Green". Fliessende Rhythmen und Klänge erzeugt auf Kunstobjekten wie einer fast zwei Meter grossen Weltkugel verschmelzen mit denen von Percussion und akustischen Gitarren. Metall trifft auf Holz trifft auf Fell trifft auf Metall trifft auf Fell …

Jo Ambros (Gitarren) veröffentlichte 2004 seine Debüt CD "wanderlust" und erhielt den Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg.

Alex Resch (Klangobjekte) beschäftigt sich mit brasilianischer und kubanischer Percussion, mit freier Improvisation und experimenteller Musik.

Uwe Kühner widmete sich Perkussions-Instrumenten aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen. Daraus entstand ein ungewöhnliches Instrumentarium.



Der Blues eines kleinen Cowboys aus Gablenberg

von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 14.09.2004)

LEONBERG – Was haben ein siebenjähriger Bub aus Gablenberg und experimentelle Klangcollagen gemeinsam? Beide entführten das Publikum am Sonntagabend in der Leonberger Lahrensmühle in eine Welt jenseits des Hier und Jetzt - geschaffen von Schriftsteller Peter Schlack und dem Musikertrio "Out of Green''. Eingeladen hatte die Christian-Wagner-Gesellschaft (der Schlack selbst seit langem angehört) anlässlich des Tags des offenen Denkmals.

Peter hieß der kleine Junge, aus dessen Sicht der Autor die Nachkriegszeit in schönstem Stuttgarter Schwäbisch schilderte. Mit leiser Stimme und von den hinteren Reihen des voll besetzten Raumes aus, quasi unsichtbar, nahm er sein Publikum mit "Bis zom nägschta Buckel'', so der Titel seines 2003 erschienenen Buches, aus dem er las: ohne vordergründige Dramatik, dafür umso eindringlicher in der Wirkung. Hautnah waren die Zuhörenden bei den Abenteuern der "Cowboys und Indies von Gablenberg'' dabei. Sie erlebten den "Hexenmeister'' Friseur Laderer, den nicht immer einfachen Tausendsassa Opa Fritz Müller sowie die Nöte des Abc-Schützen Peter. Schlack schilderte sensibel und unprätentiös Bilder, Dialoge, Gefühle und Gerüche. Fein und unaufdringlich mischte sich immer wieder Musik unter die Worte. Manchmal zwischen zwei Geschichten, hin und wieder verflochten die vier Künstler auch Text und Musik ineinander. Eine professionelle Leistung, denn die stimmigen Übergänge ließen in keiner Weise erahnen, dass sich der Autor und die Instrumentalisten erst kurz vor der Veranstaltung zum ersten Mal begegnet waren.

Gitarrist Jo Ambros, diesjähriger Landesjazzpreisträger, wob zarte Klangfäden auf seinem Instrument. Mit einer so genannten Dobro, die auf Grund einer mitschwingenden Membran im Inneren des Korpus eine andere Resonanztechnik als ihre bekannten Verwandten besitzt, erzeugte er bluesige Glissandi. Und er hätte die Gemütsverfassung des Siebenjährigen am ersten Schultag kaum besser treffen können. Weder auf den von den Erwachsenen vielfach zitierten "Ernst des Lebens'' noch auf den Lehrer Lippold "von drieben'' hatte der kleine Peter damals besondere Lust. Uwe Kühner und Alex Resch verdichteten die luftigen Klangmaschen des Gitarristen mit vielerlei Geräuscherzeugern etliche davon eigens von Resch gebaute Sonderanfertigungen. Die ursprünglich angekündigte, fast zwei Meter große Weltkugel, hatte leider nicht durch das Mühlentor gepasst. Statt ihrer hatte das Trio zwei so genannte Aquaphones mitgebracht, die mit ihren eigentümlich sphärischen Klängen jeden elektronischen Geräuscherzeuger in den Schatten stellten. Aus Reschs Werkstatt standen auf der kleinen Bühne noch chromatisch gestimmte Bali-Gongs, Glocken aus Profilrohren sowie ein langes Rohr aus einer Aluminiumlegierung, das mit Hilfe von Schlägeln und Kanalrohren bis zu zehn Minuten lang nachklingen kann.

Fazit: Schwäbische Mundart und folkiger Jazz, das kann eine durch ihren besonderen Kontrast überaus lebendige Mischung sein zur Nachahmung zu empfehlen.