"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2005

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Samstag - 14. Mai

"Atelier-Event"

mit Joachim Lehrer"

Die wochenlange Kleinarbeit an seinen Bildern, die in Harz-Öllasurtechnik entstehen, rafft Lehrer für seine Besucher zu einem packenden Event. Er entführt Sie in die Welt seiner Vorstellungen, der Klänge und Geräusche, Musik und Visionen. Alle Inspirationen, die zu seinen Bildern führen sind plötzlich präsent - und nachvollziehbar, denn im Zentrum dieser Multimedia-Präsentation steht ein Bild: das der Lahrensmühle. Im virtuellen Gang durch dieses Bild werden Geschichten und Geschichte der Lahrensmühle für Augenblicke wieder lebendig.

Veranstalter: Leonberg


Sonntag / Montag - 15./16. Mai

Die Welt hinter der Welt

Bilder von Joachim Lehrer

Joachim Lehrer bezeichnet sich selbst als "Neuen Meister". Das hat einerseits mit der Qualität, andererseits mit dem Entstehungsprozess seiner Bilder zu tun. Im Stil der "alten Meister" arbeitet er mit einer Harz-Öllasurtechnik, der wohl aufwändigsten, momentan angewandten Maltechnik überhaupt. Was entsteht, sind Bilder von einer faszinierenden Leuchtkraft und Magie. Allein durch das so entstehende Spiel des Lichts fesseln seine Bilder.

Ein häufiges Thema in Lehrers surrealer Bilderwelt sind Landschaften, aus denen die Menschen bereits weggegangen sind. Zurückgeblieben sind Fahrzeuge, Häuser, Gegenstände, die einen langen Lebensweg hinter sich haben und von einem arbeitsreichen Dasein erzählen.

Genau hier setzt die Phantasie des Betrachters an.





Der "Neue Meister'' liebt Widersprüche

von Christine Bilger (Leonberger Kreiszeitung 17.05.2005)

LEONBERG – Immer wieder sprach Joachim Lehrer von "Personen'' in seinen Bildern. Das wunderte beim "Atelier-Event'' in der Lahrensmühle keinen. Denn er erläuterte, warum die ausgedienten Maschinen für ihn einzigartige Charaktere sind.

Gegensätze machten den Reiz der Auftaktveranstaltung aus, mit der die Reihe "Kulturpfingsten in der Lahrensmühle'' am Samstagabend startete. Eine Projektion mit Laptop und Beamer zwischen dem jahrhundertealten Gebälk zeigte Joachim Lehrer dem Publikum.

Der zweite Widerspruch findet sich in den Bildern des Joachim Lehrer. Straßenbahnen, Autos, Traktoren oder Lastwagen, die ihre dienstbaren Zeiten für den Menschen hinter sich haben, malt er in idyllischen Landschaften. Surreale Brüche entheben die Motive jeglichen Realitätsbezugs. Zur ganz besonderen Stimmung der Bilder trägt dann auch noch die Malweise bei. In Harz-Öllasurtechnik, wie die Alten Meister Rembrandt und van Eyck, kreiert Lehrer seine Werke.

Über Motive, Technik und die Entstehung eines Werkes, das die Lahrensmühle zeigt, sprach Joachim Lehrer. Zunächst erläuterte er, dass die Maschinen, die er zeigt, für ihn ein Eigenleben haben. Drum nennt er sie auch die "Hauptdarsteller''. Sie haben einen langen Weg hinter sich, der sie geprägt hat. Und so haben sie – wie ein alter Mensch mit Erfahrung – Lebenslinien in ihr "Gesicht'' geschrieben. Das faszinierende Spiel mit der Perspektive, wie er durch Verlegen der Horizontlinie Weite erzeugt, ließ er das gebannt lauschende Publikum ebenfalls wissen. Lehrer zählt sich zu den "Neuen Meistern''. Seine Technik fand er im Studium der Kunstgeschichte, in den Malbüchern, den Anleitungen der Alten Meister. Schicht für Schicht legt er die Lasuren übereinander. Durch diese Tiefe jeder Farbe spielt jedes Bild auf anziehende Weise mit dem einfallenden Licht. Ein Genuss war dies in den Minuten des Wartens, als die moderne Technik streikte, im weichen Frühsommerabendlicht. In der Projektion vom Rechner aus demonstrierte Lehrer, wie er beim Bild von der Lahrensmühle eine Lasur über die nächste legt.

Doch nicht allein die technische Spielerei fasziniert den Künstler, auch die Inhalte sind ihm wichtig. So schafft er kleine Inseln, Idylle und Oasen in der weiten Welt, die seine "Hauptdarsteller'' der Welt weit entrücken. Marode Technik auf einem kleinen Fleckchen heile Welt, so gemahnt Lehrer an die Endlichkeit des irdischen Seins. Herrlich ist die Ironie, die er manchem Bild verleiht. Bewundernswert fanden die Besucher die Detailverliebtheit des Künstlers. In das Bild der Lahrensmühle arbeitete er die Geschichte des Hauses ein. Das Papierboot auf dem Wasser erinnert an einen Auswanderer, zahlreiche Hinweise gab es auch auf den heutigen Mühlenbesitzer und Freund des Künstlers.



Sonntag - 15. Mai

“Witz und Wunder”

Die Zaubermühle Merklingen zu Gast in der Lahrensmühle

Begleiten Sie die beiden Magier der Zaubermühle Merklingen in eine Welt jenseits des Fassbaren.

Frascatelli als alemannisch sprechender Narr bindet den Leuten Bären auf. Signora Tre Face, als geheimnisumwobene italienische Fürstin ist auf der Suche nach der Wahrheit. Ein prickelndes und frohes Unterhaltungsprogramm, wie es führende Schaustellertruppen vor 250 Jahren gezeigt haben könnten: Silbergold aus der Luft greifen, neue Liebeskräfte für Männer und Frauen nach Berührung von Adams Feigenblatt und der goldenen Kugel der Venus, die Heilung vom Bösen Blick, das Verschwinden eines Jungen vor offener Bühne …

Veranstalter: Leonberg



"Witz und Wunder'' sorgen für einen zauberhaften Abend

LEONBERG - Wie kann das sein, fragte sich das Publikum am Sonntagabend fortwährend in der ausverkauften Lahrensmühle. Wie kommen die Eier in Frascatellis Mund? Woher weiß Signora Tre Face, was die Frau draußen vor der Tür gemalt hat? Zauberei ohne opulente Show, dafür mit Humor und Menschenkenntnis zeigte das Magierduo der Zaubermühle Merklingen mit dem Programm "Witz und Wunder''.

Von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 17.05.2005)

Umweht vom Geist der italienischen Renaissance, thronte Signora Tre Face (Sigrid Wolbold) als "Frau mit den drei Gesichtern und dem siebten Sinn'' auf der Bühne und verblüffte immer wieder durch ihre Fähigkeit, spontan gezeichnete Schweine auf Anhieb ihren Urhebern zuzuordnen, vom Publikum gedachte Fragen richtig zu beantworten oder eine zufällig ausgewählte Buchseite korrekt zu benennen. Fast immer in Bewegung war dagegen Frascatelli (Hermes Kauter) mit Narrenkappe, Bärtchen, Zopf, alemannischem Dialekt und komödiantischem Talent. Das Publikum ging ihm kräftig zur Hand: Ira zum Beispiel, die aus dem Staunen gar nicht mehr herauskam, als aus ihrer fest zugedrückten Faust plötzlich zahllose kleine rote Bälle quollen. Oder Birgit, die mit Hilfe des Zaubergauklers und eines Hundeknochens den stumm gedachten Tierbesitzer ihrer Wahl fand. Wie Signora Tre Face dann den Namen seines Hasen erriet, blieb für alle ein Rätsel. Sabine ließ sich später zum Kurzbesuch nach Italien zaubern und kehrte gesund und munter hinter vorgehaltener Fahne auf die Bühne zurück. Eine männliche "Jungfrau'' wollte sich von zwei Assistentinnen aus dem Publikum zersägen lassen. Amüsant war es, als krachend das über einem Leintuch festgeschnallte "Holz vor der Hütten'' unter dem Druck der rostigen Säge splitterte und Bier heraussprudelte.

Zwischendurch ging's auch deftiger zur Sache: Frascatelli verwandelte "heiße Luft'' aus verschiedenen Körperöffnungen in klingende Silbermünze und wollte Berührungen von Adams Feigenblatt als Garant für amouröse Abenteuer verscherbeln. Verblüffend sein Kunststück, mit Hilfe eines "Klämmerles'' und einer Fahrradspeiche im Schleudergang aus einem Zehn-Euro-Schein einen "Fuffziger'' zu zaubern.

Eine Neuauflage des "Spätzlewunders'' erlebten die höchst amüsierten Zuschauer, als Frascatelli die aus seinem Mund hervorgezauberten Eier mit Wasser und Mehl in einer Kochmütze mischte und daraus die schwäbischen Nudeln mitsamt Saitenwurst zauberte. Lauter überaus charmante Sinnestäuschungen, gegen die effektüberladene Shows im Las-Vegas-Format einfach einpacken können.


Montag - 16. Mai

“Rosenzeit”

Chansons von Peter Schindler nach Liebesgedichten von Eduard Mörike

Peter Schindler (Klavier), Sandra Hartmann (Gesang)

Wer mit Eduard Mörike bislang den beseelten Landpfarrer und heiteren Dichter verband, bekommt durch die Vertonungen von Peter Schindler Zugang zu einem gänzlich anderen Mörike: Einem von Liebeskummer und Gefühlschaos geprägten, verzweifelten aber auch leidenschaftlichen Studenten und Poeten. Mörike hat die Gedichte in jungen Jahren geschrieben, als ihn die stürmische Liebe zur schönen und mysteriösen Maria Meyer in eine schwere Sinnkrise stürzte.

Ob fröhlich oder melancholisch, amüsant oder spöttisch: Die vom Jazz deutlich beeinflussten Chansons zeichnen sich durch stilvollen Wohlklang und eine hervorragend aufeinander, sowie zum Gesang abgestimmte Instrumentierung aus. Im Mittelpunkt steht Sandra Hartmann. Sie haucht mit ihrer lebhaften und ausdrucksstarken Stimme den Texten Leben ein, bringt die verborgenen Gefühle ans Licht.

Veranstalter: Warmbronn



Überzeugende Verbindung

LEONBERG - Mörike ist auch im Schillerjahr durchaus aktuell. Das jedenfalls bewies das Duo Sandra Hartmann (Gesang) und Peter Schindler (Klavier) mit vertonten Gedichten des Poeten bei einer Veranstaltung der Christian-Wagner-Gesellschaft am Pfingstmontag in der Lahrensmühle.

Von Wiebke Kahns (Leonberger Kreiszeitung 18.05.2005)

In letzter Zeit hat es verschiedene Projekte gegeben, bei denen dem Publikum Lyrik über Musik vermittelt wird. Hier lässt sich auch die CD "Rosenzeit'' einreihen, die Grundlage der Veranstaltung in der Lahrensmühle war. Die Musik zu "Rosenzeit'' komponierte Peter Schindler. Die CD zeichnet aus, dass darauf die Gedichte von Eduard Mörike gesungen werden. Moderne jazzige oder auch balladenhafte Rhythmen gehen mit der wunderschönen Sprache des Dichters eine ungewöhnliche, aber überzeugende Verbindung ein.

Bei der Veranstaltung in der Lahrensmühle stand Sängerin Sandra Hartmann – im Gegensatz zur CD – "nur'' das Klavier als Begleitung zur Seite. Die Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Stimme traten dadurch noch deutlicher hervor. Mit ihrer Stimme, sparsamer Gestik und Mimik gelang es Hartmann vor dem Auge des Zuhörers ganze Geschichten entstehen zu lassen. Die manchmal für heutige Ohren veraltet klingende Sprache Mörikes wurde damit und durch die entsprechend schnellen, ruhigen, zurückhaltenden oder auch aggressiv hämmernden Töne des Klaviers zu einem wahren Ohrenschmaus – und dass auch bei Liedern wie "Die Tochter der Heide'' oder "Der Feuerreiter'', die an Kurt Weill erinnerten.

In den ausgewählten Gedichten ist kaum von der glücklichen Liebe die Rede. Entsprechend der Musik werden einzelne oder mehrere Strophen, Verse und Worte wiederholt – was der Ausdruckskraft keinerlei Abbruch tut. Mit dem Lied "Rosenzeit'', das auf dem Gedicht "Agnes'' fußt, hatte die Veranstaltung begonnen, mit diesem Lied endete sie – vor der Zugabe – auch. Und es kam einem so vor, als ob nicht nur die "Rosenzeit'' "schnell vorbei gegangen'' sei, sondern auch der Abend in der Lahrensmühle.