Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2005

"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2005

Drucken
Sonntag - 11. September

Wasserrad und Mühlentechnik

Wasserrad und Mühlentechnik - Technikhistoriker Ralf Spicker erläutert die Mühle und die Rekonstruktion des Wasserrads

"Was macht eigentlich die Rekonstruktion des Wasserrads?" lautet eine häufig gestellte Frage in der Lahrensmühle. Gemeint ist der an eine Spendenaktion unter Leitung der unteren Denkmalbehörde Leonberg und der Stadtkasse geknüpfte Bau des Wasserrads, dessen alte Welle bei den Restaurationsarbeiten wieder freigelegt wurde. In der Spendenkasse sind zwar schon 3.462,50 €, aber das reicht noch nicht ganz, um mit dem Bau zu beginnen. Einstweilen gibt Ralf Spicker, Technikhistoriker am Deutschen Museum in München anhand von alten Plänen und einer kleinen Präsentation Auskunft über die Themen Mühlrad und Wasseranlage.



Bach könnte Wasserrad bremsen

von Oliver im Masche (Leonberger Kreiszeitung 12.09.2005)

Eltingen. Seit sieben Jahren arbeitet der Besitzer an der Verwirklichung seines großen Traums: das grosse Wasserrad seiner Lahrensmühle wieder zum Laufen zu bekommen. Ein Fund im Archiv des Landratsamtes hat ihn nun einen grossen Schritt weitergebracht.

Als Glücksfall bezeichnet der gebürtige Eltinger die Unterlagen, die jahrzehntelang vor sich hin staubten: die so genannte Triebwerksakte. Anfang des 20. Jahrhunderts fertigten die damaligen Oberämter detaillierte Pläne und Zeichnungen aller Mühlen an. Nach der Auflösung der Oberämter wanderten auch die Unterlagen der Eltinger Lahrensmühle nach Böblingen. Dort vergaß man sie im Archiv.

Dem Nachhaken des Mühlenbesitzers ist es zu verdanken, dass die Unterlagen wieder ans Tageslicht gekommen sind. Er hat sich Kopien von den Plänen, Skizzen und Zeichnungen des alten Wasserrades, der Gräben und der Glems gemacht. Der Ordner ist prall gefüllt. Gestern am Tag des offenen Denkmals hatten nun auch zahlreiche Besucher der Lahrensmühle Gelegenheit, einen ausführlichen Blick auf die Geschichte einer der ältesten Techniken zur Energiegewinnung der Menschheit zu werfen.

So dokumentiert die "Triebwerksakte", dass die älteste Getreidemühle auf Eltinger Gemarkung bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts von drei kleineren Wasserrädern angetrieben wurde. 1912 hat der Großvater des heutigen Besitzers der Mühle, die bereits 1350 im Lagerbuch der Stadt und des Amtes erwähnt ist, ein neues Gesicht verpasst. Er ließ in der so genannten Radstube ein 3,35 Meter Durchmesser messendes Wasserrad und die dazugehörige fast zwei Meter lange Welle einbauen. Es war damals eine beachtliche Investition.

Der beeindruckende Mechanismus zur Enegiegewinnung drehte sich bis 1962. 1967 bis 1969 wurde der Verlauf der nahe gelegenen Glems korrigiert. Damals kann eine Veränderung eingetreten sein, die dazu geführt hat, dass sich ein originalgetreu rekonstruiertes Wasserwerk nie drehen wird. Denn nach dem Verlegen der Glems kann es sein, dass das Flüsschen nicht mehr so tief in seinem Bett fließt wie in früheren Zeiten. Entscheidend ist der Höhenunterschied zwischen dem Rad und der Glems. Das oberschlächtig angetriebene Wasserrad würde im Falle eines zu geringen Höhenunterschiedes auf seiner unteren Seite vom Gewässer des unteren Kanals gestoppt werden.

Nun hadert der Mühlenbesitzer mit sich: "Wir müssen jetzt erst einmal genaue Messungen machen", kündigt der Eltinger den nächsten Schritt an. Dafür hat er drei Experten zusammengebracht: Jürgen Ziegler, Zimmmermann aus Eltingen, Eberhard Bohn, "Mühlendoktor aus dem Schwäbischen Wald" bei Welzheim, und Ralf Spicker, Historiker am Deutschen Technik-Museum aus München. Gemeinsam will man nun weitere Arbeiten besprechen. Aus rund zehn Mitgliedern besteht die Gruppe, die die Rekonstruktion des Wasserrades vorantreibt.

Auf etwa 25 000 Euro sind die Kosten vor einigen Jahren geschätzt worden. Rund 4500 Euro sind schon zusammengekommen. Zusätzliche Finanzierungsmittel erhofft man sich durch den Verkauf von kleinen silbernen Mühlrädern. Zudem ist bei der Stadt eine Spendenkasse eingerichtet – weitere Informationen gibt es unter 0 71 52/99 00.



Schlagwort Brot

Ausstellung des Museums der Brotkultur

Nichts liegt näher zusammen als die Begriffe Getreide, Mühle und Brot. So lag es auch nahe, eine Zusammenarbeit mit dem weltbekannten Museum der Brotkultur in Ulm anzustreben, das dankenswerterweise seine Sammlung kultur- und sozialgeschichtlich aussagekräftiger politischer Plakate des 20. Jahrhunderts zum Thema "Brot" für diese Ausstellung in der Lahrensmühle zur Verfügung gestellt hat.

Brot und Getreide als Symbole für Wohlergehen sind zentrale Themen in der politischen Propaganda zu Beginn unseres Jahrhunderts. Wie sehr sich die Politik diese Begriffe bei der Verfolgung ihrer Ziele zu eigen gemacht hat, zeigen die Plakate der Sammlung des Museums in dramatischer Weise.

Um die Bedeutung des Brotes für den Menschen zu dokumentieren, sammelten Dr. h.c. Willy Eiselen (1896 - 1981) und sein Sohn Dr. Hermann Eiselen (geb. 1926) seit 1952 alles rund um das Thema Brot. Das Museum der Brotkultur wird von der privaten Vater und Sohn Eiselen-Stiftung getragen.

Dr. Oliver Seifert führte durch ein beachtliches Ensemble von Plakaten zum Thema Brot. Vor allem während der Weimarer Republik wurde "Brot" zu einem zentralen Schlagwort aller politischen Gruppierungen. Wie durch ein Brennglas lässt sich hier verfolgen, wie der aus der existentiellen Sorge um die tägliche Nahrung geborene Ruf nach "Brot" von den Ideologen unterschiedlichster Couleur instrumentalisiert wurde.

Neben dem menschlich bewegenden Engagement gegen den Hunger so bedeutender Künstler wie Käthe Kollwitz oder Max Pechstein stehen dabei parteipolitisch motivierte Hoffnungs- und Angst-Szenarien. In ihrer Prägnanz und Griffigkeit zeichnen jedoch alle diese visuellen Pamphlete ein überscharfes Panorama der Zwischenkriegszeit - und zeigen zugleich das Medium Plakat an einem der Höhepunkte seiner Geschichte.



Bewirtung rund um den Apfel

Liebe geht bekanntlich durch den Magen - das weiss man nicht nur beim Landesverband "Obst, Garten und Landschaftschutz" kurz "LOGL". Doch die Mitglieder dieses regen Vereins haben sich dieses Prinzip zu Nutze gemacht, um Landschaftsschutz in der Lahrensmühle und die zahlreichen Produkte der heimischen Apfelsorten positiv darzustellen. Wer Kaffeedurst hatte, konnte sich mit verschiedenen Apfelkuchen verwöhnen lassen. Kinder durften Apfelsaft frisch pressen und natürlich gleich trinken. Informationen zu den verschiedenen Lebensmittel aus Äpfeln wie Apfelchips und Cidre oder den verschiedenen Apfelbränden gab es gratis dazu.


"Guad em senga"

Pepper & Salt - a cappella

a cappella auf schwäbisch - geht das überhaupt? Hört man Pepper & Salt, ist man anschliessend der Meinung, dass es fast nur auf schwäbisch geht. "Guad em Senga" ist das ultimativ schwäbisch jazzige a cappella Programm. Lautmalereien, die der schwäbische Dialekt wie kein anderer ermöglicht, sind von Pepper & Salt mit erfrischender Leichtigkeit umgesetzt.

Pepper & Salt's Erfolgsrezept sind zumeist eigene Arrangements, die die professionell ausgebildeten Stimmen optimal zur Geltung bringen. Ein Abend mit Pepper & Salt ist immer eine Mischung aus musikalischem Hochgenuss und Unterhaltung.

Nachdem Frank Schlichter und Klaus Rother mehrere Jahre im Männerquartett "Chor der Mönche" a cappella gesungen hatten, war das zölibatäre Leben irgendwann zu langweilig. Es wurde beschlossen, ein gemischtes Vokalensemble zu gründen. Mit drei Frauen und drei Männern wurde 1996 der Anfang gemacht und ein erster Auftritt im Kurhaus in Bad Niedernau bestritten.

Viele Auftritte und Veränderungen folgten. Das erfolgreiche Ensemble besteht heute aus

Annette Kienzle, Jeschi Paul, Volker Spiegel, Frank Schlichter und Klaus Rother

Vernastalter Warmbronn



Von der Zwetschge zwischen "Hanoi'' und “Ha jo!”

von Susanne Müller-Baji (Leonberger Kreiszeitung 13.09.2005)

Leonberg. "Wir können alles ausser Hochdeutsch" besagt ein allgegenwärtiger Slogan, und das ist ja auch völlig ausreichend, glaubt man der A-capella-Gruppe “Pepper & Salt”. Am Sonntag erforschte das Quintett in der Lahrensmühle die verbale Spielwiese des Schwäbischen.

Dass die Christian-Wagner-Gesellschaft gerade am "Tag des offenen Denkmals" das Ensemble in die Lahrensmühle geladen hatte, geschah möglicherweise nicht ganz zufällig. Denn "Pepper & Salt" gingen mit ihrem Programm "Guad em senga" im Schwäbischen herum wie in einem verschachtelten Gebäude. Um herauszufinden, "wo wir stehen und wie weit wir gehen können", war zur besseren Orientierung ein Test angesagt: Aus dem Hochdeutschen "Was machen Sie in der dürren Tannenschonung?" wurde nach einer Schrecksekunde des Publikums "Was dauscht denn du in denne denne Dennele denne?" Und weil es so schön war, mussten die voll besetzten Ränge die Formel noch einmal im ganzen Satz hersagen. "Es macht Spass, wenn sich das Publikum so abmüht", unkten Annette Kienzle, Jeschi Paul, Volker Spiegel, Frank Schlichter und Klaus Rother alias "Pepper & Salt" freudig.

Der Spass aber hallte diesseits und jenseits der Bühnenkante wider und erfüllte die altehrwürdige Mühle. Etwa, als die furiose Fünfer-Gruppe Volksweisen und Redewendungen durch den Fleischwolf drehte. Vom Kind, das in den Brunnen gefallen ist, sangen sie – "’s isch ons versoffe, zom Schwimme war’s z’kloi" – und von der Bäuerin, die ihre Katze sucht: "Mulle, mulle, wo bisch?" Lautmalerisch ergänzt wurden die sprachlichen Haarspaltereien von wilden A-capella-Arrangements und windschnittigen Rhythmen.

Dazwischen fanden sich auch "echte Liebeslieder", die nicht auf Sprachwitz basierten, sondern auf wahrhaftigem Herzschmerz: Die neue Liebe, die mit ausgebreiteten Armen den Hügel herunterläuft; die verflossene Liebe, die "im Ammertal" nur einen Sommer lang währte. Diese Stücke waren auf andere Weise komisch, führten im Publikum aber bisweilen zu Verwirrung: War das nun ernst gemeint? Oder durfte man über so viel Kitsch lauthals lachen?

Der erklärte Höhepunkt war aber das "Asiatisch-schwäbische Lied", bei dem die Sänger entdeckten, dass Asien und Schwaben mehr gemein haben, als meist angenommen: Begleitet von Zimbel und Bongo sangen "Pepper & Salt" geziert und wie von tibetanischen Mönchsgesängen untermalt. Bis sich zwischen "Hanoi" und "Ha jo!" endlich die urschwäbische Geschichte von der Zwetschgenernte erschloss. Und es gab sogar ein glückliches Ende: "Es geit an guade Schnaps." Aber was wäre eine sprachliche Abenteuerreise ohne einen Abstecher zum unvergessenen Schwabenrocker Wolle Kriwanek: Noch einmal ging es im Schweinsgalopp der Strassenbahn hinterher, harrte das Ufo auf Entdeckung. Die Zugabe, ein Medley zur Neuen Deutschen Welle, war dann nicht mehr schwäbisch – doch bisweilen bietet auch Hochdeutsch Spielraum für grelle Ideen.