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"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2006

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Sonntag - 10. September

Denkmalschutz als Ehren(amts-)sache

von Michael Schmidt (Leonberger Kreiszeitung 07.09.2006)

Leonberg. Der Tag des offenen Denkmals lockt am kommenden Sonntag wieder tausende von Besuchern in Baudenkmäler, die sonst verschlossen sind. Offen kritisieren vor allem private Investoren die mangelnde Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Traditionell sind Mühlen offene Umschlagplätze fürs Korn, aber ebenso für Informationen – während die Bauern auf ihr Mahlgut warten mussten. Offenheit ist also in der Eltinger Veitenmühle schon immer gepflegt worden. Vielleicht ein Grund, weshalb der heutige Lahrensmüller die Offenheit von Haus und Hof zu seinem Grundprinzip machte. Seit er Ende der neunziger Jahre mit der Sanierung des historischen Ensembles im Glemstal begann, hat er immer wieder mit Kunst und Kultur Menschen auf das große Areal gelockt. Darüber hinaus hat er vor allem viele alte Eltinger zurückgelockt, die hier "Brückenschläge zu ihrer eigenen Geschichte tun konnten und plötzlich Geschichten erzählten", erinnert sich der Besitzer an die ersten Aktionen beim "Tag des offenen Denkmals".

Da ist die Sache mit dem Mühlrad: Wenige Jahrzehnte genügten, um dessen Spuren zuzuschütten. “Doch ein Mühlrad ist das Merkmal einer Mühle” sagten sich Vater und Sohn. Seit Jahren tüfteln beide an einer Rekontruktion des historischen Mühlrades herum - nicht zuletzt, weil im Inneren des historischen Gebäudes das imposante Mahlwerk noch vorhanden ist. Metertief mussten die neuen Eltinger Müller graben, um die einstigen gewaltigen Becken für das Rad auszuheben. Spannend wird es nun für den Lahrensmüller, weil nach zähem Hin und Her im Leonberger Gemeinderat die Glems hier nach 37 Jahren wieder aus ihrem maroden Betonbett befreit werden soll. "Damit besteht die Chance, wieder die Wasserkraft als Antrieb für das Mühlrad zu bekommen", lautet des Müllers Vision.

Sein Antrieb für die immense Eigenleistung ist schierer Idealismus. Die Sanierung der Mühle betreibt er auf eigenes Risiko. Allein für die Rettung des Scheunengebäudes durfte er nach dem Orkan Lothar mit Geldern des Denkmalamtes sowie der Denkmalstiftung rechnen. Damit erstmals wieder ein Mühlrad an der Glems klappert, ist außerdem ein Spendenkonto eingerichtet, das von der Denkmalschutzbehörde im Leonberger Bauamt verwaltet wird. Das ist es dann aber schon: Denkmalschutz ist zunehmend eine Frage des Ehrenamtes: Neben dem Technikhistoriker Ralf Spicker (siehe Interview) kommt Joachim Polster aus Renningen in die Lahrensmühle. In der lokalen Agenda sorgte Polster dafür, dass der Renninger Rankbach wieder in seinem natürlichen Bett laufen darf. Ehrenamtlich, versteht sich. Aus Warmbronn hat sich Erika Quast angesagt, die die Backkunst mit alten Holzöfen pflegt. Die Ehrenamtlichen der Christian-Wagner-Gesellschaft laden abends zu Lyrik und Jazz. Dieser Brückenschlag ist dem Denkmalsmüller besonders wichtig: "Die Mühle war immer ein Ort der Begegnung. Nicht nur Warentausch fand statt, sondern eben auch Worte wurden getauscht", sagt der Besitzer. "Wenn wir das nicht pflegen, fehlt uns bald die eigene Geschichte."


Drei Fragen an Ralf Spicker: Der gebürtige Konstanzer arbeitet als Konservator am Deutschen Museum in München. Der 35-jährige Technikhistoriker studierte in Stuttgart und berät seit 1998 den Bauherrn der Lahrensmühle.

1. Das Mühlrad der Lahrensmühle klappert schon lange nicht mehr. Was macht die Faszination der Technikgeschichte im Eltinger Glemstal aus?

Die Faszination einer Mühle liegt nicht allein im Wasserrad, sondern auch in der Einrichtung zum Mahlen von Getreide, die in der Lahrensmühle zum Teil noch erhalten ist. Diese Einrichtung erzeugt nämlich das klappernde Geräusch der Mühle. Wasserräder werden gern erhalten und die technische Einrichtung entsorgt, beides gehört aber zusammen. Im Glemstal sieht man auch schön, wie der Standort für eine Mühle angepasst an die natürlichen Gegebenheiten gewählt wurde. Solange es nur den Wasserantrieb gab, standen daher Mühlen oft über mehrere Jahrhunderte an einem Ort und wurden immer wieder erneuert.

2. Den "Tag des offenen Denkmals" verbringen Sie in Leonberg an der Lahrensmühle und nicht im Deutschen Museum. Könnte man das Deutsche Museum dichtmachen, wenn man sorgfältiger mit technischen Denkmalen umginge?

Unsere technischen Museen kann man sicher nicht schließen, auch wenn wir mehr technische Kulturdenkmale erhalten würden. Beide Konzepte – Museum und Erhalt vor Ort – ergänzen sich. Vor Ort kann ein Besucher eben auch sehen, wie die Mühle in die Natur eingebunden war, wie groß, oder besser, wie "gering" der Platz in einer Mühle war. Ein Tag des offenen Denkmals gibt da einen guten Einblick in Dinge, die wir nicht ständig sehen können wie Objekte in Museen. So ein Tag öffnet den Blick für die Dinge in unserer Nachbarschaft, die es wert sind, erhalten zu werden.

3. Wird Denkmalschutz zum Luxus? Angesichts der Sparmaßnahmen im Landeshaushalt können Häuslesbauer mit immer weniger Fördergeldern rechnen, zugleich scheint die Fachkompetenz der Denkmalämter durch “Effizienzrenditen” in der Landesverwaltung ziemlich angenagt.

Dass Denkmalschutz allgemein zum Luxus wird, könnte man durchaus manchmal meinen. Durch die Verwaltungsreform fallen Stellen weg, die übergreifend im Land gerade für unsere technischen Denkmale zuständig waren. Die Aufgaben wurden verteilt. Neben dem wichtigen Knowhow für die oft komplexen technischen Hinterlassenschaften geht dabei auch ein Gesamtkonzept für den Umgang mit Denkmalen verloren. Und den Bürgern fehlt damit ein Ansprechpartner für ihre Fragen rund um technische Kulturdenkmale. Die schrumpfenden Zuschüsse für den Erhalt von Denkmalen tun dazu noch ein Übriges.



Wasserrad und Mühlentechnik

Technikhistoriker Ralf Spicker erläuterte die Mühle und die Rekonstruktion des Wasserrads

Erste Schritte zur Rekonstruktion des Wasserrads in der Lahrensmühle sind bereits gemacht. Das Becken und die Lagerung für das neue Rad sind nach tiefgreifenden Erdarbeiten wiederhergestellt.

Nun ist eine neue Überlegung in Spiel gekommen: In welcher Dimension soll das Rad gebaut werden? Die bevorstehende Öffnung der Glemsverdohlung könnte es nämlich ermöglichen, das Rad wieder mit Wasserkraft der Glems zu betrieben und nicht - wie im ersten Schritt vorgesehen - mit einem Umpumpwerk.


Renaturierung eines Bachlaufes

Als Mitglied der Rankbachgruppe der Renninger Agenda 21 ist Joachim Polster der berufene Mann, um über die Bachrenaturierung und die Einrichtung eines Lehrpfads zu berichten.

Das Thema ist hochaktuell und es betrifft Glems und Lahrensmühle gleichermaßen: Die Öffnung der erst 1969 errichteten, mittlerweile schon maroden Glemsverdohlung steht in Aussicht und damit auch die Renaturierung eines Teils der Glems.

In unmittelbarer Nachbarschaft - am Renninger Rankbach - wurde genau diese Maßnahme vor einiger Zeit durchgeführt. Die Rankbachgruppe der Renninger Agenda 21 hat sich dieser Maßnahme angenommen und sogar einen Lehrpfad errichtet. Ein reicher Erfahrungsschatz ist entstanden.

Joachim Polster berichtete in der Lahrensmühle von den Erfahrungen und Erkenntnissen, die ohne weiteres auf die Glems übertragbar sind. Ein unverzichtbarer Austausch für alle, denen die Glems am Herzen liegt.



Brotbacken im historischen Backofen der Lahrensmühle

Erika Quast aus Warmbronn zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten zaubert

Getreide, Mühle und Brot stellen wichtige Eckpunkte unserer Ernährung dar. Deshalb ging es am Tag des offenen Denkmals um einen weiteren Verarbeitungsschritt des Getreides - um das Brotbacken. Nachdem der historische Holzbackofen der Lahrensmühle zu neuem Leben erwacht ist, sollte er natürlich gleich in Aktion gezeigt werden.



Bewirtung rund um den Apfel

Liebe geht bekanntlich durch den Magen - das weiß man nicht nur beim Landesverband "Obst, Garten und Landschaftschutz" kurz "LOGL". Doch die die Mitglieder dieses regen Vereins haben sich dieses Prinzip zu Nutze gemacht, um Landschaftsschutz in der Lahrensmühle und die zahlreichen Produkte der heimischen Apfelsorten positiv darzustellen. Wer Kaffeedurst hatte, konnte sich mit verschiedenen Apfelkuchen verwöhnen lassen. Kindern durften Apfelsaft frisch pressen und natürlich gleich trinken. Informationen zu den verschiedenen Lebensmittel aus Äpfeln wie Apfelchips und Cidre oder den verschiedenen Apfelbränden gab es gratis dazu.


“Hermann Hesse - Das Konzert”

Freddy Wilkes Quintet

"Hermann Hesse taugt auch für Jazzer", zu diesem Urteil kommt der Konzertkritiker der Waiblinger Kreiszeitung über die jazzvertonten Hesse-Gedichte dess Freddy Wilkes Quintets.

Es geht in den Gedichttexten um "... völlig unterschiedliche und zwiespältige Gefühle ... zwischen Trauer, Verlust, Lebensfreude und Heiterkeit ...". Die musikalischen Farben: elegante, sinnliche Jazzballaden, heiterer Swing, atmosphärischer Modern Jazz, kraftvolle Latin-Rhythmen bis hin zu klassischen Elementen. Die Mehrzahl der Kompositionen sind Werke des finnischen Theaterkomponisten Toni Edelmann, einfühlsam in das Jazzidiom übertragen durch den Bassisten Paul Müller. Weitere Kompositionen sind von Freddy Wilkes.

Manch bekanntem Gedicht wird nicht nur der Hesse-erfahrene Zuhörer begegnen. " ... wir hören Jazz-Songs, die die poetischen Texte eines sehr deutschen Dichters womöglich amerikanisieren, jedenfalls in ein neues Licht stellen.", so ein Kritiker, "Aber nach und nach überzeugt die Idee, diesen Dichter in eine "American Songbook"- Ästhetik zu kleiden." Überzeugende Protagonisten dieser Idee sind: Freddy Wilkes (Vokalist), an seiner Seite Ekkehard Rössle (Saxophon), Ull Möck, (Piano), Paul Müller (Bass), Jogi Nestel (Drums).

Veranstalter Warmbronn