“Internationaler Tag des offenen Denkmals“ 2008

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Sonntag - 14. September


“Vom Korn zum Brot”

Teil 1

Das "Museum der Brotkultur" in Ulm zu Gast in der Lahrensmühle

Nichts liegt näher zusammen als die Begriffe Getreide, Mühle und Brot. So lag es auch nahe, eine Zusammenarbeit mit dem weltbekannten Museum der Brotkultur in Ulm anzustreben, das dankenswerterweise zahlreiche Schautafeln und Exponate für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte.

Agrar-Ingenieurin Sabine Wunderlich vom Museum der Brotkultur in Ulm führte die Besucher durch ihre Welt, die voll ist von Geschichten über die Verwendung der vielen Getreidesorten, von denen einige in den letzten Jahren erst "wiederentdeckt" wurden, von der Bedeutung der Getreidearten für die Welt-Ernährung und von deren historischen Entwicklung.

Sie gab Antworten auf die Fragen, wie vor Jahrhunderten die Getreidemenge ermittelt und das Korn verarbeitet wurde. Brot - seit wann kennen wir es und aus welchen Getreidearten kann man Brot backen? Fliessend ging es weiter zur Vermahlung des Getreides und den verschiedenen Techniken, die über die Jahrtausende angewandt wurden, um aus Korn Mehl zu machen.


Teil 2

Mühlentechnik - Ralf Spicker, Technik-Historiker am Deutschen Museum in München

Anhand der noch vorhandenen historischen Einrichtung der Lahrensmühle erfuhren die Besucher der Lahrensmühle "Teil 2" der Fortsetzungsgeschichte "Vom Korn zum Brot" - nämlich die technischen Abläufe innerhalb einer mittelständischen Mühle, wie sie in den 1950er-Jahren noch aktiv war. Mühlen waren bis weit ins 19. Jahrhundert die Keimzellen jeglicher Industrialisierung.

In kleinen Schritten geht die Rekonstruktion des Wasserrads voran, das sich aus einem Spendenkonto finanziert. Mittlerweile ist eine kraftschlüssige Verbindung von der Mühlradwelle zum Mahlwerk hergestellt und das Rad dreht sich in einer überarbeiteten Lagerung.

Weitergehen kann es an dieser Stelle, wenn Entscheidungen gefallen sind, ob der zugeschüttete Mühlkanal wiederbelebt werden kann oder nicht. Ein Mühlkanal eignet sich ideal als Ausgleichsmassnahme für verbrauchte Flächen im Straßenbau - und davon gibt es ja in letzter Zeit genügend.


Teil 3

Erika Quast aus Warmbronn zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten zaubert

Szenenwechsel: "Teil 3" der Fortsetzungsgeschichte "Vom Korn zum Brot" beginnt am Backofen. Was lag also näher als neben der Mühle und ihrer historischen Einrichtung auch gleich das Backen von Brot zu zeigen. Nachdem der Holzbackofen der Lahrensmühle zu neuem Leben erweckt worden ist, sollte er natürlich beim Tag des offenen Denkmals wieder in heisser Aktion gezeigt werden.

Mit Erika Quast aus Warmbronn haben wir eine Spezialistin für den Umgang mit dem historischen Gerät gefunden. Dabei lieferte sie auch noch allerlei Erklärungen und Tipps zum Gebrauch des Holzbackofens. Natürlich gab es Probierhäppchen aus dem Backofen zur Abrundung der Führungen



“Bewirtung rund um den Apfel”

Die Streuobstwiese ist unverzichtbarer Bestandteil des "Mikrokosmos Lahrensmühle". Was früher wichtiger Bestandteil im Speiseplan der Müllersleute war, spendet heute allerlei Köstlichkeiten zum Probieren. Niemand weiss das besser als die “Fachwarte für Obst und Garten”, die die Besucher mit ihren Produkten verwöhnten und natürlich auch über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege informierten. Es gab:
♦ Äpfel und Birnen
♦ Kreisapfelsaft
♦ Apfelkuchen und Kaffee
♦ Apfelchips



Ein aussergewöhnliches Lauschprojekt zu Christian Wagner

mit Torsten Krills "frimfram collective", Lutz Schäfer und Johannes Steck

Präsentiert wurde ein eigens für diesen Anlass erarbeitetes Programm zu Texten von und über Christian Wagner. Eine spannende, experimentierfreudige und subjektive Annäherung an das Leben und Werk des Lyrikers und Schriftstellers.

Die Lesung der beiden Schauspieler Johannes Steck und Lutz Schäfer wurde musikalisch von der Band "frimfram collective" begleitet und umrahmt. "Reality Music", so bezeichnet der Schlagzeuger und Musikproduzent Torsten Krill die Musik, die an diesem Nachmittag in der Lahrensmühle zu hören war, eine abenteuerlustige Expedition durch einen Musik-Dschungel aus Jazz, Weltmusik und improvisierter Musik, passend zur außergewöhnlichen Biografie und den Arbeiten des "Sonderlings" Christian Wagner.

Lutz Schäfer: Stimme und Regie

Johannes Steck: Stimme

Carsten Netz: Saxophon, Klarinette, Flöte

Jo Ambros: Gitarre

Christoph Dangelmaier: Bass

Torsten Krill: Schlagzeug, Percussion

Veranstalter Warmbronn



Lyrik im Zweiklang in Wort und Musik

von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 16.09.2008)

Leonberg. "Gelungen" findet Torsten Krill das Experiment, Texte von Christian Wagner mit modernem Jazz zu verbinden. Und das Publikum in der Lahrensmühle teilt seine Meinung voll und ganz. Bravorufe und Fussgetrappel haben das ehrwürdige Gebälk erbeben lassen.

Fast schon traditionell endet der Internationale Tag des offenen Denkmals in der Lahrensmühle mit einem Lyrik-und-Jazz-Programm, das die Christian-Wagner-Gesellschaft organisiert. In diesem Jahr könnte das Motto nicht passender sein. Die Worte des Bauerndichters aus Warmbronn und die atmosphärische Weltmusik des Jazz-Ensembles verweben sich auf erstaunlich natürliche Weise miteinander. Ein Grund für die Harmonie dieser scheinbar so widersprüchlichen Komponenten ist sicherlich die Tatsache, dass die Musiker und die beiden Sprecher sich schon eine Weile kennen und bereits andere Projekte miteinander realisiert haben.

Johannes Steck und Lutz Schäfer sind manchem als Schauspieler aus Fernsehserien wie "In aller Freundschaft" oder "SOKO Leipzig" vertraut. Wie souverän sie mit der Gestaltungskraft ihrer Stimme umgehen und wie viel Gespür für Literatur sie haben, mit der sie bislang nicht vertraut waren, zeichnet sie an diesem Abend aus. Die Idee zum Projekt hatte allerdings Landesjazzpreisträger Torsten Krill, der im vergangenen Jahr bei einem Konzert mit dem Cécile-Verny-Quartett die Lahrensmühle als Auftrittsort entdeckt hat und gerne wiederkommen wollte.

Karl Kollmann, der Vorsitzende der Christian-Wagner-Gesellschaft, war schnell einverstanden mit dem Ensemble und seiner Idee, einen Christian-Wagner-Abend zu gestalten. Die Künstler bekamen die zweibändige, im Keicher Verlag erschienene Ausgabe mit Werken des Warmbronner Dichters und Texten anderer Autoren über ihn. Lutz Schäfer, der unter anderem Intendant an der Landesbühne in Bruchsal war, hat die Regie übernommen. "Für mich waren das neue Aspekte, ich bin wirklich dankbar", sagt der Wagner-Kenner Kollmann am Ende des Abends erfreut. Für all jene, die Christian Wagner bislang noch nicht so gut kannten, wird er in diesen gut zwei Stunden zu einer greifbaren, konkreten und lebendigen Person.

Gelungen ist der Einstieg über einen Text von Hermann Hesse aus dem Jahre 1915, in dem er ganz persönlich beschreibt, wie er nach und nach auf jenen Dorfdichter aufmerksam geworden ist, ihn kennen- und schätzen gelernt hat. Gefühl für seine naturphilosophisch geprägten Schriften vermittelt Johannes Steck im plastisch gelesenen Prolog zu den "Sonntagsgesängen", in denen der Bramine über sein Naturerleben spricht. Schäfer lässt den Poeten immer wieder selbst von den wichtigsten Erlebnissen in seinem Leben erzählen und trägt Passagen aus Wagners Autobiografie "Aus meinem Leben" vor.

So werden dem Publikum die Gefühle und Gedanken Wagners vertraut. Berührend greifbar wird die von Armut und religiöser Strenge geprägte Lebenswelt des 1853 geborenen Poeten, als die Schauspieler vom skandalösen "Schlafrock des Herrn Schulmeisters" berichten und von "Steinhilbers Kindern", deren ständiger Hunger sie zu den merkwürdigsten Verhaltensweisen bewegt. Die Farben der so lebhaft gezeichneten Geschichten leuchten umso eindringlicher, als zwischendurch die sanften, atmosphärischen Klänge von Schlagzeuger Torsten Krill und seinem "frimfram collective" erklingen: Carsten Netz an Klarinette und Saxofon, Uwe Lange am Kontrabass und Jo Ambros an der akustischen und der elektrischen Gitarre.

Es sind langsame Stücke, die sich behutsam entfalten und dabei präsent und intensiv spürbar sind. Manchmal spielen die Instrumente weiter, wenn gelesen wird. Dann verstärken sie mit ihren Geräuschen die Stimmungen, die zwischen den Worten schwingen. Bis zum Tod Christian Wagners spannt sich so der Bogen – an dass an dieser Stelle die Musik erstmals heftig und dramatisch wird, reisst das Publikum dann vollends mit.