Sonntag - 13. September
Ansichten - Menschen - Ereignisse
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Vertraut und doch fremd erschienen die Gebäude, Strassen und Menschen auf den alten Fotografien. Vieles, was auf ihnen zu sehen ist, hat sich im Laufe der Zeit verändert, ist verschwunden oder durch Neues ersetzt worden. Die Bilder aus vergangenen Tagen waren eine grossartige Informationsquelle über Ereignisse, Personen und ihre Lebenswelt. Berufs- und Hobbyfotografen hatten dazu beigetragen, dass wir uns heute "ein Bild machen können", wie Leonberg einmal in zurückliegender Zeit aussah. Eine Ausstellung des |



"Frisch Gebackenes" | |
| Erika Quast aus Warmbronn zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten |
"Bewirtung rund um die Streuobstwiese" | |
| Streuobstwiesen gehören zu den besonders geschützten Biotopen. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, wirken sich positiv auf das örtliche Klima aus, liefern das Kelterobst und sind unverzichtbarer Bestandteil des "Mikrokosmos Lahrensmühle". |
Lyrik und Jazz in der Lahrensmühle |
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Brüder im Geiste, |
Der Philosoph, der aus der Küche kamvon Wolfgang Albrecht (Leonberger Kreiszeitung 15.09.2009) Leonberg. Der Sternekoch Vincent Klink und der Jazzpianist Patrick Bebelaar zeigen in der Lahrensmühle ihre Künste. | |
| "Was die Liebe für das Herz, ist der Appetit für den Magen. Der Magen ist der Meister der Musik." So schrieb es weiland einer der grossen Gourmets und Musiker: Gioacchino Rossini. Schliesslich sind Schlemmerei und Kunst schon immer eine untrennbare Einheit; und bei genauem Hinsehen sind sie auch ganz essenzielle Zutaten einer jeden Zivilisation. Die Mühle ist gleichsam Urvoraussetzung der Kochkunst, auch oft besungene Metapher im Kunstlied und ein unerschöpflicher Fundus für Erzählungen und Mythen. Die Lahrensmühle in Leonberg war daher am Sonntag nicht nur wegen ihres romantischen Ambientes ein idealer – und komplett ausverkaufter – Veranstaltungsort, den die Christian-Wagner-Gesellschaft für ihren jüngsten musikalisch-literarischen Abend ausgewählt hat. Die Künstler diesmal: der Sternekoch Vincent Klink und der ebenfalls gut dekorierte Jazzpianist Patrick Bebelaar. Wie jeder gute Koch, so macht auch jeder gute Musiker und jeder gute Erzähler seine Werke selbst. Klink führt als Hors d'Oeuvre mit entwaffnender Ehrlichkeit in die geheime Welt der Kochkunst ein. Kritisch und seltsam ernüchternd klingt es, wenn gerade der Chef der Stuttgarter Wielandshöhe von Illusionen spricht, die seine Kunst dem Geniesser vorgaukelt. Als leichte sommerliche Vorspeise gibt es jedoch zunächst einen Tango von Bebelaar, garniert mit dem herrlich morbiden Bassflügelhornspiel Klinks. Das passt wunderbar zur humorvollen, nachdenklichen und intelligenten Art seines Spielers. Ein Bassflügelhorn als klingendes Beispiel schwäbischen Understatements. "Wein und Rosen" gerät zu einer Abrechnung mit den, nach Klinks Meinung, oft ahnungslosen Weinkritikern. Womit wir beim Hauptgang wären. Da schaut einer mutig und selbstkritisch über seinen Kochtopfrand hinaus in die Welt; auch in seine ganz private Welt, in der der Zuhörer viel Wissenswertes über sein Leben und über das Kochen im Allgemeinen erfährt. Auch in die Welt der Weine und der Weinproduktion gleitet der Blick. Spitzen über das Panschen kommen bei Klink ebenso vor wie in der Ballade "Ab zu den Fischen" seine Selbstfindung weg vom konservativ-pietistischen Gmünder Bürger. Im ersten Urlaub in Südfrankreich erlebt er die Eheregeln als genauso schmerzhaft wie seine Abnabelung vom Kochkonservatismus, wie er schwäbisch-humorvoll schildert. Ausgehend von der Küche als Ort und Hort der Lebensweisheit streift Klink in seinen Liedern und Texten durch die Gefilde menschlicher Stärken und Schwächen. Berührt fein und fast unmerklich aus der Sicht des Kochkünstlers die Schönheit und die Probleme des, wie er sich ausdrückt, "Knödels Erde" und kommt auf seine unnachahmlich verschmitzte Art zurück zu Wissenswertem über Küche und Keller. Zum Nachtisch gibt's dann selbst gemachte Songs wie "Lieg in der Wiese", "Die Nase rot" oder "Kein Ei geht nicht". Dabei erweist sich Patrick Bebelaar wie stets als virtuoser und feinsinnig auf seinen Partner eingehender Musiker. Rossini hätte an diesem ungewöhnlichen Duo, das sich seit vielen Jahren kennt, seine Freude gehabt. |









Warmbronn
