"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2009

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Sonntag - 13. September


Ansichten - Menschen - Ereignisse
Leonberg in Fotografien 1890 - 1945

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Vertraut und doch fremd erschienen die Gebäude, Strassen und Menschen auf den alten Fotografien.

Vieles, was auf ihnen zu sehen ist, hat sich im Laufe der Zeit verändert, ist verschwunden oder durch Neues ersetzt worden. Die Bilder aus vergangenen Tagen waren eine grossartige Informationsquelle über Ereignisse, Personen und ihre Lebenswelt. Berufs- und Hobbyfotografen hatten dazu beigetragen, dass wir uns heute "ein Bild machen können", wie Leonberg einmal in zurückliegender Zeit aussah. 

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Blick in die Vergangenheit zu tun. Ungewöhnliche Pespektiven aus zurückliegenden Zeiten liessen manchen rätseln, was auf den Fotos abgebildet ist. Wenn die Aufgabe unlösbar schien trotz erklärender Texte zu den Bildern, halfen die charmanten Stadtarchivarinnen Frau Bernadette Gramm und Frau Birgit Schneider weiter.

Eine Ausstellung des 

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"Frisch Gebackenes"

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Erika Quast aus Warmbronn zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten
zaubert
 
Was lag näher als neben der Mühle und ihrer historischen Einrichtung auch gleich das Backen von Brot zu zeigen. Nachdem der Holzbackofen der Lahrensmühle zu neuem Leben erweckt wurde, sollte er natürlich beim Tag des offenen Denkmals wieder in heisser Aktion gezeigt werden. Dieser Ofen wird vor dem Backen direkt im Backraum mit Holz aufgeheizt. Die dabei entstehende Hitze erwärmt die Schamottsteine des Ofens, wobei die Oberhitze größer als die Unterhitze ist. Bei dieser Form des Backens bilden sich an der Oberfläche des Gebäcks Röst- und Geschmacksstoffe, die Feinschmecker besonders schätzen.

Mit Erika Quast aus Warmbronn haben wir eine Spezialistin für den Umgang mit dem historischen Gerät gefunden. Dabei  lieferte sie auch noch allerlei Erklärungen und Tipps zum Gebrauch des Holzbackofens. Natürlich gab es Probierhäppchen aus dem Backofen.



"Bewirtung rund um die Streuobstwiese"

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Streuobstwiesen gehören zu den besonders geschützten Biotopen. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, wirken sich positiv auf das örtliche Klima aus, liefern das Kelterobst und sind  unverzichtbarer Bestandteil des "Mikrokosmos Lahrensmühle".

Was früher wichtiger Bestandteil im Speiseplan der Müllersleute war, spendet heute allerlei Köstlichkeiten zum Probieren. Niemand weiss das besser als die "Fachwarte für Obst und Garten", die die Besucher mit ihren Produkten verwöhnten. Mit einer liebevoll dekorierten Präsentation der heimischen Früchte informierten sie ausserdem über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege.
Es gab:

♦ Äpfel, Birnen, Pflaumen
♦ Kreisapfelsaft
♦ Kuchen und Kaffee
♦ Apfelchips
♦ Feine Ostbrände, darunter als neue Kreation "Apfel Rubinette"



Lyrik und Jazz in der Lahrensmühle

Brüder im Geiste,
Patrick Bebelaar und Vincent Klink

Was führt einen musizierenden und schreibenden Koch und einen kochenden Musiker zusammen? Es sind die gemeinsam empfundenen Küchendüfte, und dass man sich gegenseitig gut riechen und damit auch gut leiden kann. Daraus entstand die Lust, gemeinsam musikalische Erzählungen darzubieten.

Patrick Bebelaar und Vincent Klink kennen sich seit vielen Jahren und jetzt haben sie richtig Lust, miteinander zu musizieren. Auch sonst zeigte sich, dass sie Brüder im Geiste sind. Aus eins wird zwei, mit doppelter Kraft entsteht Hinreissendes. So sagen jedenfalls die Nachbarn, die dem Üben der beiden bei offenem Fenster gerne zuhören.
Mit Jazz und Text, mit Patrick Bebelaar und Vincent Klink gibt es kräftig was auf die Ohren.

Der Pianist Patrick Bebelaar wurde im Jahr 2000 mit dem "Jazzpreis Baden-Württemberg" ausgezeichnet. Er wurde vor allem durch Crossover von Klassik, Straight-Jazz und der Musik anderer Kulturen bekannt. International konzertiert er von New York bis Bombay, von Stuttgart bis Kapstadt.

Vincent Klink kann es eigentlich nicht leiden, wenn er Fernsehkoch genannt wird. Sein "Ding" ist die Küche des Restaurants "Wielandshöhe", das Schreiben, der Kräutergarten und sein Bassflügelhorn.

Veranstalter Warmbronn



Der Philosoph, der aus der Küche kam

von Wolfgang Albrecht (Leonberger Kreiszeitung 15.09.2009)

Leonberg. Der Sternekoch Vincent Klink und der Jazzpianist Patrick Bebelaar zeigen in der Lahrensmühle ihre Künste.

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"Was die Liebe für das Herz, ist der Appetit für den Magen. Der Magen ist der Meister der Musik." So schrieb es weiland einer der grossen Gourmets und Musiker: Gioacchino Rossini. Schliesslich sind Schlemmerei und Kunst schon immer eine untrennbare Einheit; und bei genauem Hinsehen sind sie auch ganz essenzielle Zutaten einer jeden Zivilisation.

Die Mühle ist gleichsam Urvoraussetzung der Kochkunst, auch oft besungene Metapher im Kunstlied und ein unerschöpflicher Fundus für Erzählungen und Mythen. Die Lahrensmühle in Leonberg war daher am Sonntag nicht nur wegen ihres romantischen Ambientes ein idealer – und komplett ausverkaufter – Veranstaltungsort, den die Christian-Wagner-Gesellschaft für ihren jüngsten musikalisch-literarischen Abend ausgewählt hat. Die Künstler diesmal: der Sternekoch Vincent Klink und der ebenfalls gut dekorierte Jazzpianist Patrick Bebelaar.

Wie jeder gute Koch, so macht auch jeder gute Musiker und jeder gute Erzähler seine Werke selbst. Klink führt als Hors d'Oeuvre mit entwaffnender Ehrlichkeit in die geheime Welt der Kochkunst ein. Kritisch und seltsam ernüchternd klingt es, wenn gerade der Chef der Stuttgarter Wielandshöhe von Illusionen spricht, die seine Kunst dem Geniesser vorgaukelt.

Als leichte sommerliche Vorspeise gibt es jedoch zunächst einen Tango von Bebelaar, garniert mit dem herrlich morbiden Bassflügelhornspiel Klinks. Das passt wunderbar zur humorvollen, nachdenklichen und intelligenten Art seines Spielers. Ein Bassflügelhorn als klingendes Beispiel schwäbischen Understatements.

"Wein und Rosen" gerät zu einer Abrechnung mit den, nach Klinks Meinung, oft ahnungslosen Weinkritikern. Womit wir beim Hauptgang wären. Da schaut einer mutig und selbstkritisch über seinen Kochtopfrand hinaus in die Welt; auch in seine ganz private Welt, in der der Zuhörer viel Wissenswertes über sein Leben  und über das Kochen im Allgemeinen erfährt. Auch in die Welt der Weine und der Weinproduktion gleitet der Blick. Spitzen über das Panschen kommen bei Klink ebenso vor wie in der Ballade "Ab zu den Fischen" seine Selbstfindung weg vom konservativ-pietistischen Gmünder Bürger. Im ersten Urlaub in Südfrankreich erlebt er die Eheregeln als genauso schmerzhaft wie seine Abnabelung vom Kochkonservatismus, wie er schwäbisch-humorvoll schildert.

Ausgehend von der Küche als Ort und Hort der Lebensweisheit streift Klink in seinen Liedern und Texten durch die Gefilde menschlicher Stärken und Schwächen. Berührt fein und fast unmerklich aus der Sicht des Kochkünstlers die Schönheit und die Probleme des, wie er sich ausdrückt, "Knödels Erde" und kommt auf seine unnachahmlich verschmitzte Art zurück zu Wissenswertem über Küche und Keller.

Zum Nachtisch gibt's dann selbst gemachte Songs wie "Lieg in der Wiese", "Die Nase rot" oder "Kein Ei geht nicht". Dabei erweist sich Patrick Bebelaar wie stets als virtuoser und feinsinnig auf seinen Partner eingehender Musiker. Rossini hätte an diesem ungewöhnlichen Duo, das sich seit vielen Jahren kennt, seine Freude gehabt.