Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2010

"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2010

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Samstag 22. Mai 19.30


"Bidonville"

Französische Chansons im jazzigen Gewand

Wenn ein französischer Sänger, ein schwäbischer Gitarrist, ein Akkordeonist aus Bremen und ein badischer Kontrabassist sich zusammen tun, entstehen französische Chansons im jazzigen Gewand. Bidonville hat in den letzten Jahren vor allem Konzerte in und um Stuttgart und Ludwigsburg gegeben. Ihr Repertoire umfasst eigene Werke, wie "Avant", "Brigitte" oder "Helene", mit deren Interpretation dem modernen Jazz Rechnung getragen wird. In der Mehrzahl aber sind es Kompositionen von Claude Nougaro, die das Quartett intoniert. Von jenem Mann, der als absolute Grösse in Frankreich gilt, wenn man von Chanson spricht. Der einst, wie Thierry Saladin deutlich macht, dem Jazz die Tür in das Chanson öffnete. Und man hört, dass Claude Nougaro ebenso für Mainstream Swing steht, und lateinamerikanische Elemente in sein Schaffen einfliessen liess. Mit jenem Lied der Hoffnung "Bidonville" startete die musikalische Unterhaltung, das bei der Gründung der Band vor zwei Jahren so dick haften blieb und es zum Namensgeber für das Quartett wurde. Zu hören gibt es Lieder mit jeder Menge Swing-Elementen. Zumeist geht es darin um die Liebe, um Beziehungsprobleme, Einsamkeit und Gemeinsamkeit. (Badische Neueste Nachrichten 31.03.2009)

Thierry Saladin (Vocal)
Stefan Schumacher (Gitarre)
Dieter Hattemer (Kontrabass)
Ralf Schwarzien (Akkordeon)

Veranstalter   Leonberg





Poesie lässt sich nicht immer übersetzen

Von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 25.05.2010)

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Leonberg. "Bidonville" präsentiert Musik, die in keine Schublade passt.

Französisch zu verstehen, ist hilfreich beim ersten Kulturpfingsten-Konzert am Samstagabend in der Lahrensmühle, da die Liedtexte des Quartetts "Bidonville" alle in dieser Sprache geschrieben sind. Aus gutem Grund: Sänger Thierry Saladin lebt zwar in Ludwigsburg, stammt aber aus Orly bei Paris. Wenngleich er ausgezeichnet Deutsch spricht und das Publikum als Conférencier durch den Abend begleitet, ist doch, wenn er singt, deutlich spürbar, wie wohl er sich in seiner Muttersprache fühlt. Daher ist es für ihn kein Problem, dem Publikum in der gut besuchten Mühle kleine Inhaltsangaben der Chansons zu geben. Schwierig wird es nur, wenn er direkt übersetzen möchte
beispielsweise die Worte Jacques Préverts, die der Gitarrist Stefan Schumacher vertont hat. Préverts Sprache ist poetisch, und die auf den Eigenheiten der französischen Sprache begründeten Wortspiele lassen sich nicht eins zu eins übertragen.

Dass alle Stücke französische Texte haben tut ihrer Vielfalt natürlich keinen Abbruch. Die Kompositionen von Schumacher verschleiern ihre harmonische Basis und sind durch diese ausgeprägte Chromatik nicht ganz leicht zugänglich. Sehr persönlich ist die Ballade aus der Feder des Kontrabassisten Dieter Hattemer. Sie heisst "Brigitte" und fordert eine Freundin dazu auf, sich nach Jahren des Trauerns einzugestehen, dass die zerbrochene Partnerschaft nicht mehr zu kitten ist und sie sich aus den Fesseln dieser Erinnerung befreien soll. Ein sehr klangschönes Stück, das Saladin sehr authentisch über die Rampe bringt. Ebenfalls sehr persönlich ist sein "Avant". Darin sinniert er, wie es gekommen ist, dass die Gewohnheit Einzug in die Beziehung gehalten hat und dass er in dieser Passivität nicht weiterleben möchte. Von Akkordeonist Ralf Schwarzien aus Bremen gibt es kein selbst komponiertes Lied an diesem Abend. Er begeistert jedoch durch ein ungemein wandlungsfähiges Spiel, das Passagen im Stile der französischen Musette ebenso überzeugend trifft wie Tango-Elemente oder freie Jazz-Harmonien.

Jazzig sind vor allem die Titel, die Schumacher nach Préverts Worten geschrieben hat. Etliche schöne Balladen sind zu hören, vor allem aber Musik in der Tradition des französischen Chansons. Hier fühlt sich der Sänger Saladin offenkundig am wohlsten
und ist am besten, weil er nicht mehr über den Text nachdenken muss, sondern den Inhalt auf der Bühne szenisch unterstreicht. Äusserst amüsant ist seine Interpretation des Claude-Nougaro-Titels "Je suis soûl", in dem ein Mann seiner Freundin schwört, er habe sich geändert und trinke nicht mehr allerdings ist er beim Singen ziemlich beschwipst. Sehr französisch sind ebenso der Serge-Gainsbourg-Titel "Café", der gesungene Konflikt zwischen dem internationalen Jazz und dem französischen Tanz Java und etliche andere Chansons. Dem Publikum gefällt's und es hilft immer wieder mit Humor und Engagement beim Übersetzen.

Sonntag 23. Mai 19.30

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"Schwäbische Cuvée"

"So troll‘n wir uns ganz froh und sacht von Weingelag zu Freudenschmaus…"
Nach 25 Jahren, einem "Viertelesjahrhundert" mit "Kenner trinken Württemberger" nun eine neue erlesene Sorte des Trollinger Freundes Thaddäus Troll. Die beiden "einzigen wahren Troll-Darsteller" (Stuttgarter Zeitung) mixen ganz alte, lange nicht mehr gespielte Szenen, wie zum Beispiel "Rotkäppchen amtlich" mit ganz neuen. Daraus wird ein aufregender Cuvée.
Trolls kargschwäbische Lyrik ist zeitlos meisterhaft. Sein Humor grad und krumm, bös und gütig. Kommet, mir ganget, se kommet.

Es spielen: Bernhard Hurm und Uwe Zellmer

Bernhard Hurm
1956 geboren in Tübingen, aufgewachsen in Hirrlingen bei Rottenburg mit fünf Geschwistern. Erst Verteidiger, dann Vorstopper, zudem Ministrant. Abitur, Zivildienst, Studium der Sozialpädagogik.
Talentierter Spassmacher, Sketchist, erste Theaterschritte. Mitbegründer des Theaters Lindenhof in Melchingen auf der Schwäbischen Alb, seither auch dort ›daheim‹. Theatermacher, Schauspieler, Regisseur, Intendant.
Verheiratet mit der Schauspielerin Gina Maas, Vater. Seit 1983 mit Uwe Zellmer unterwegs als unterhaltender Aufklärer in Sachen Schwabenkunde: "Kenner trinken Württemberger", gut 1050 Mal gespielt: Europas meistgespielter Theaterabend. Inzwischen, nicht minder erfolgreich, flankiert von "Schiller, Klinsmann und mir".

Uwe Zellmer
1946 geboren in Heidenheim/Brenz, lebt und arbeitet in Melchingen
Stationen u.a.: Oberstudienrat. Theatermacher. Autor. 1981 Mitbegründer des Theaters Lindenhof in Melchingen auf der schwäbischen Alb.
1993 Intendant des einzigen Regionaltheaters in Deutschland, zusammen mit Bernhard Hurm. Seit 2001 Präsident des Theaters Lindenhof.

Pressestimmen:
"Die Herren Zellmer und Hurm spielen untergründig und hintergründig auch eine unverwüstliche Zweimännerromanze – was schon erstaunlich ist nach weit mehr als tausend gemeinsamen Auftritten." (Benjamin Henrichs, Süddeutsche Zeitung)

Veranstalter  Leonberg




Schwäbisch unter der Grasnarbe

Von Rainer Enke (Leonberger Kreiszeitung, 25. Mai 2010)

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Leonberg. Uwe Zellmer und Bernhard Hurm kredenzen beim Kulturpfingsten "Schwäbische Cuvée".

Schwäbische Cuvée ist eine ganz besondere Mischung
als Programm und als Wein: "Man fügt vom Besten zusammen das was man hat", so beschreibt es am Sonntagabend Uwe Zellmer bei seinem Auftritt zusammen mit Bernhard Hurm in der komplett ausverkauften Lahrensmühle. Und so mischen die beiden Akteure vom Theater Lindenhof in Melchingen Teile ihres seit 1983 mehr als 1300 mal gespielten Erfolgsprogramms "Kenner trinken Württemberger" mit ganz alten und ganz neuen Sketchen, veredeln das Ganze mit Beiträgen von Thaddäus Troll. Das mundet dem Publikum wie die Viertele, deren Gläser die beiden Akteure eigentlich nie aus der Hand geben.

Getreu dem Motto: "Schenk ein den Wein, den holden, wir wollen uns den Maientag vergolden", zitiert Zellmer, der für die kurzen, markanten und meist mehr oder auch weniger sinnfälligen Formulierungen zuständig ist. Hurm gibt als lebhafte, pomadisierte, überschwänglich gestenreiche Figur den Dandy, der beim Versuch, die Welt des Schwäbischen und des "Württembergers" in einem Zug erklären zu wollen, oftmals in linguale und mentale Sackgassen gerät. Gerade die Unterschiedlichkeit der beiden Protagonisten macht das Programm so reizvoll
selbst nach fast 30 gemeinsamen Jahren.

Knackige Kurzprosa von Eriedrich Schiller, etwa "Württemberger ohne Wein
das kann kein Württemberger sein", wird ebenso zitiert wie Sentenzen von Sebastian Blau, hinter dem sich der Journalist Josef Eberle verbirgt, die abgehackt, guttural und mit vielen vergessenen Worten durchsetzt fast unverständlich ist. "Schwäbisch einen Meter unter der Grasnarbe", nennt Hurm dies zutreffend. Dem "politischen" Gedicht "Geht es in den Mai hinein, kann der Juni nicht mehr weit sein" folgt der Pointenschinder zur Winterolympiade "Maria Riesch, zwei mal Gold, siehsch?" beides von Zellmer mit Stolz vorgetragen. Einen schwäbischen Anachronismus bringt Bernhard Hurm noch ins Spiel, mit dem typischen "wart' gschwend" das einen mehrere Stunden hinhalten kann.

Manfred Hepperle aus Ravensburg hat einst in Mundart ein Loblied über die Erfindungen der Schwaben verfasst. Diese schleudert Hurm den Zuhörern mit zunehmender Emphase, wort- und stimmgewaltig beinahe zornig um die Ohren, von den sauren Bohnen bis zum Zeppelin, also eigentlich alles Wichtige: Zu Hochform laufen die beiden auf, wenn sie Thaddäus Troll im Wechsel oder gemeinsam lesen. Dem wohl bekanntesten schwäbischen Mundartdichter geben sie in ihrer facettenreichen Darstellung und ihrem nuancierten Vortrag eine Präsenz, die berührt und nachdenklich macht, aber auch zum Schmunzeln anregt.

Fast "liturgisch" kommt das Gedicht "Oh Heimatland" daher, das erst die Schönheiten des Schwabenlandes in höchsten Tönen lobt, dann aber den Architekten grantig ans Leder geht, weil sie "alles versauen mit ihren Strassen, ihren Kraftwerksblöcken, den Wohnbetonsilos, und das Paradiesgärtle zerstören". Zornig, scharfzüngig und richtig böse hat Troll einst auf die Bausünden der sechziger und siebziger Jahre reagiert. Seine andere Seite ist der trockene Humor. Beispielsweise, wie er die griechische Tragödie um Ödipus nach fünf Minuten Honoratiorenschwäbisch auf den Punkt bringt
"zwei tot, einer blind" begeistert das Publikum in der Lahrensmühle.

Sonntag 23. Mai / Montag 24. Mai

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Südamerika zu Gast in der Lahrensmühle

In Zusammenarbeit mit der Gallery Irmgard Heyd präsentierten wir in der Lahrensmühle eine Ausstellung von drei international renommierten Künstlern aus Südamerika.

Die folgenden Künstler (in alphabetischer Reihenfolge) stellten an der Lahrensmühle aus:


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Jaime Colán

1956 geboren in Lima/Peru
1980-86 Studium an der Escuela de Bellas Artes del Perú in Lima
1984-89 Audiovisuelle Medienstelle "Sono Viso del Perú", Bereich Graphisches Design
1990 Beginn der freischaffenden Tätigkeit in Deutschland

Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und Belgien seit 1990

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Lichtmeister: In den Bildern von Jaime Colán leuchtet durch alle Not die Hoffnung.

Licht und Schatten

Auf seinen Bildern tanzen die Farben. Licht durchflutet sie und erhellt mit seinem Widerschein auch, was im Dunkeln liegt. Denn gerade auf die Schattenseiten richtet Jaime Colán, 50, sein Augenmerk.

Die geschundene, leidende Kreatur ist ein wiederkehrendes Thema des peruanischen Malers und seine Art, auf die Missachtung der Menschenrechte in seiner Heimat aufmerksam zu machen. Nie aber ist Leid für Colán ausweglos. "Ich will das Volk malen bei jeder seiner täglichen Verrichtungen und vor allem in seinem Kampf. Aber ich will auch Freude und Hoffnung widerspiegeln", sagt er.

Mit dem Künstler hat 2007 die Redaktion von "Das missio-Magazin" gesprochen.

Herr Colán, woraus beziehen Sie den Stoff für Ihre Arbeiten?
Mein Werk schöpft aus zwei Quellen: aus den Erfahrungen meines christlichen Engagements, die ich in den Slums von Lima mit den Ärmsten gemacht habe. Und aus der kollektiven Erinnerung des peruanischen Volkes, die sich aus der Zeit der Inkas bis heute erhalten hat. Sie findet ihren Ausdruck in mündlichen Traditionen, in Kunst und Folklore.

Welche Motive sind Ihnen besonders wichtig?
Die musikalischen Traditionen mit mystischem Hintergrund, die Symbole der inkaischen Kulturen und die Tragödien und Hoffnung der Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Welche Rolle spielt Licht in Ihren Arbeiten?
Es gibt zwei Haupt-Konzeptionen: Eine bezieht sich auf die Inka-Epoche, bei denen die Sonne die Hauptgottheit darstellt, die andere auf das biblische Licht der Welt. Es ist das symbol der Göttlichkeit, der Spiritualität, die gegen Dunkelheit und Mühsal der Menschen kämpft und die Hoffnung zum Leuchten bringt. Farbe und Licht sind in jedem von uns. Ich male die innenwelt so, wie die Herzen der Menschen sind, die das Leben mit Hoffnung und Freude erhellen.

Gehen Sie bewusst zu den Mythen Ihres Volkes zurück?

Ich kehre nicht zurück, ich arbeite mit den Mythen und bin ein Teil von ihnen. Denn mein Vater stammt aus den Anden, wo diese Mythen bis heute lebendig sind.

Würden Sie Ihre Arbeiten politisch nennen?
Ist Jesu Tod politisch? Es gibt Menschen, die haben kein Wasser, nicht genügend zu essen, keinen Strom. Wenn man für diese elementaren Dinge kämpft
mit künstlerischen oder anderen Mitteln ist man dann politisch? Meine Kunst soll ein Medium der Reflexion für den Betrachter sein.


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Mercedes Felgueres

1959 in Mexiko City geboren
1978-84 Architekturstudium an der Universidad Anahuac in Mexiko City
1992 Studium der Malerei in Bellas Artes in San Miguel de Allende, Mexiko
1996 Gaststudentin an der Fachhochschule Essen
1998 Experimentelle Malerei an der Europäischen Akademie in Trier
1998 -2002 Atelier in Essen
2003 Eröffnung des mf-art Galerie-Ateliers in München
2005 Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler (bbk) in München und Oberbayern
2007 Atelierförderung der Regierung von Oberbayern

Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Mexiko, Schweiz, Belgien und Italien

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Mercedes Felgueres setzt verschiedene Techniken vor allem der Malerei ein, doch erscheint die Bezeichnung "Gemälde" zu eng für ihre Arbeiten, die aus vielen Schichten und Materialien aufgebaut sind. Neben Acryl und Pigmenten verwendet die Künstlerin auch Materialien wie Wachs, Asphalt, Graphit, Sand oder sogar Blattgold; ausserdem setzt sie aus Baumrinde gewonnene Papiere aus ihrer mexikanischen Heimat ein: Ihre stark strukturierte Oberflächen nutzt sie manchmal als Schablonen zum Farbauftrag. Ausserdem verarbeitet Mercedes Felgueres die klassischen Materialien der Collage wie Ausrisse aus Zeitungen oder Illustrierten.

In ihren neuesten Arbeiten verwendet sie vor allem eigene Digitalfotografien, etwa von Ausschnitten aus Fernsehfilmen. Durch die Loslösung von Bildelementen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und ihre Übertragung in einen neuen Kontext entstehen überraschende Verfremdungseffekte, die sich jedoch nicht in Vordergrund drängen: Die Künstlerin verwendet besondere Sorgfalt auf die Integration der verschiedenen Materialien und Elemente in die Gesamtkomposition eines Bildes. Der klare kompositorische Aufbau, die Gliederung von Flächen durch gerade Linien zeugen von Felgueres' Prägung durch ihren ersten Beruf, der Architektur. Mit subtil oszillierenden Farben erzielt sie den Eindruck räumlicher Tiefe; zugleich entsteht durch die Mischtechnik eine strukturierte Oberfläche und eine Körperlichkeit der Bilder, die den Betrachter zum Berühren herausfordern und die Grenze zwischen Gemälde und Objekt verschwimmen lässt.

Einige schwarz-weiss gehaltene Arbeiten aus zurückliegenden Jahren haben einen geradezu skulpturalen Charakter. Spezifisch mexikanisch in Felgueres' Kunst sind die warmen, leuchtenden Farben: Selbst Schwarz-, Weiss- und Grautöne verströmen eine wie aus dem Untergrund kommende Wärme. Felgueres' Farben haben eine besondere Leuchtkraft, die selbst aus den gedeckten Erdtönen einiger Werkreihen der letzten wirkt. In ihren neuen Bildern setzt sie  ganz auf die glutvolle, lebendige Farbigkeit.


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Raúl López García

1961 geboren in Mexiko Stadt
1975-78 Studium Grafikdesign an der Academia "Estudios Bernal" in Mexiko Stadt
1978-89 Ausbildung und Arbeit als Künstler und Grafikdesigner in Mexiko
1991-92 Studium Malerei an der Freien Kunstschule Stuttgart
1991-93 Arbeit als Grafiker in Deutschland
1993-2008 Arbeit als Künstler und freier Grafiker in Deutschland, Frankreich und Spanien

Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Mexiko, Puerto Rico, Spanien, Uruguay und USA

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Hildrizhausen: Mexikanischer Künstler Raúl geht auf innere und äussere Spurensuche

"Zeichen und Spuren" heisst die Ausstellung von Werken des mexikanischen Künstlers Raùl in der Galerie Heyd in Hildrizhausen. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet der in Stuttgart lebende Künstler die Thematik der Hinterlassenschaften. Irmgard Heyd empfahl, die Spuren und Zeichen als "Chiffren" wahrzunehmen, die es zu entziffern gilt.

von Pamela Hahn (Gäubote: Dienstag, 25. November 2008)

Ganz wörtlich findet das Thema Widerhall auf grossformatigen Leinwänden, in die reliefartig lebensgrosse Fussabdrücke, scheinbar von einer ausgewachsenen Männerfusssohle stammend, in eine sandig anmutende Farbschicht auf der Leinwand eingedrückt wurden. Diese erfühlbare, raue Sandschicht umschliesst die Umrisse eines weiblichen Torsos. Das Bild scheint so eine eigentliche unsichtbare, weil ausschliesslich emotionale Ebene der "Spuren", die ein Mensch hinterlassen kann, zu visualisieren. Wie stark die An- oder Abwesenheit eines bestimmten Menschen Spuren im Leben eines anderen hinterlassen kann, zeigt das Exponat ganz konkret, indem es aus den abstrakten, innerlichen "Spuren" deutlich sichtbare macht. Weniger auf die emotionale oder psychische Ebene heben andere Werke ab, die der Ausstellung eine deutlich politische Note geben. Nicht nur Spuren, die mit dem blossen Auge erkannt werden können, sind in der heutigen Gesellschaft und für die darin lebenden Menschen von Bedeutung, sondern vor allem diejenigen, die nur mit der Hilfe modernster Technik einsichtbar sind. Seit Jahren ist das Stichwort "biometrische Merkmale" ein dauerpräsentes Thema in den Medien und Auslöser einer gesellschaftlichen und politischen Diskussion, die das Recht des Menschen auf seine intimsten Merkmale und deren Sichtbarmachung und Registrierung betreffen. Mit dem Röntgenbild eines menschlichen Schädels, der mit einem supermarktähnlichen Strichcode versehen ist, greift Raùl diese Thematik auf. Der Strichcode fungiert als Sammelort für Informationen, die intimste Lebensbereiche betreffen können – und gleichzeitig für die Möglichkeit, diese unmittelbar abzurufen und für unterschiedlichste Zwecke benutzen zu können. "American Dream" hei22t das albtraumhaft anmutende, 2006 entstandene Röntgenbild im Hinblick auf den 11. September 2001, der die ungeheure Sucht nach Überwachung und Registrierung auslöste. Eher leicht und humorvoll spielt das ebenfalls 2006 entstandene "ABC" mit den Zeichen und Spuren, die im zeitgenössischen Alltag zur Kommunikation genutzt werden. In archaisch anmutender Art und Weise gruppierte der Künstler, der in Mexico-City, Paris und Barcelona lebte, verschiedenste Zeichen und Piktogramme. In äusserst reduzierter Form funktioniert so zwischenmenschliche Kommunikation. Das Prinzip des Männlich-Weiblichen als Yin-und-Yang-Zeichen, die freie Zufahrt eines Gebäudes auch für Menschen im Rollstuhl, sämtliche Traditionen des Christentums, die in einem simplen Kreuz visualisiert werden können oder so banale Dinge wie die Tatsache, dass ein bestimmtes Kleidungsstück nicht zu heiss gebügelt werden darf: Die Wucht der Einzelzeichen, die für jede erdenkliche Situation zu existieren scheinen, wirken zusammen wie eine Ansammlung jahrtausendealter Hieroglyphen. Dass Reduktion und Simplifizierung zum Zeichen beinahe untrennbar dazugehören, wird auch in einem kleinen, witzigen Ausschnittbild deutlich. Zu sehen sind auf den ersten Blick nur einige Flächen aus hautfarbenem Hintergrund und einige schwarz gestrichelte Segmente. Ein Männerschnurrbart? Eine abstrakte Arbeit? Nein: Der Titel verdeutlicht, dass es sich um den kleinen Ausschnitt zwischen Haaransatz und der zum unverkennbaren Merkmal gewordenen "Monobraue", des beinahe durchgehenden, kräftig gewachsenen Augenbrauenkonstrukts der Malerin Frida Kahlo handelt. Ebenso historisch, aber um einiges dramatischer verhält es sich mit der Thematik des 2008 entstandenen Werks "Che". Vor monochrom schwarzem Hintergrund befinden sich Kopien der Fingerabdrücke des ermordeten Che Guevara. Für die eindeutige Identifizierung und der damit verbundenen Verifizierung des angeblichen Todes des Revolutionärs wurden die während seiner Militärzeit genommenen Fingerabdrücke herangezogen. Die Spuren von Menschenhand dienten also der Absicherung einer Vermutung. Gleichzeitig korrelieren zwei Ebenen des Wortes "Spuren". Denn die historischen und politischen Spuren, welche die Persönlichkeit Che Guevaras hinterliess, waren gross und bedeutend genug, um als Symbol für Widerstand, Rebellion und Emanzipation als Reproduktion seines Antlitzes den Weg in unzählige Jugendzimmer und WG-Küchen zu finden.




Ein Kunterbuntes Kulturpfingsten

Von Meike Reuter (Leonberger Kreiszeitung 18.05.2010)



Leonberg. In der Lahrensmühle zeigen vier südamerikanische Künstler ganz unterschiedliche Werke.

Bereits zum neunten Mal erhebt sich von Samstag, 22. bis Montag, 24. Mai die alte Scheune der Lahrensmühle aus dem Dornröschenschlaf und dient zeitgenössischer Kunst als einmalige Kulisse und Herberge. Der Mühlenbesitzer hat mit Hilfe der Galeristin Irmgard Heyd aus Hildrizhausen vier südamerikanische Künstler für die Kulturpfingsten Ausstellung gewinnen können.

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"Südamerikanische Künstler sind starke Individualisten. Ihre Kunst ist frisch und ihre Art zu denken unterscheidet sich von deutschen Künstlern. Ihre Bildsprache ist sehr unterschiedlich", beschreibt die Galeristin Irmgard Heyd ihre Stammkünstler aus Mexiko, Ecuador und Peru. Die Werke von Raúl López García schmiegen sich symbiotisch an die alte Fachwerkwand und scheinen beinahe mit ihr zu verschmelzen. Andere Stücke sind an weissen Hintergründen befestigt, um das Auge nicht durch die mittelalterliche Umgebung zu verwirren.

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Die meisten Werke Rauls stammen aus der Serie "Zeichen und Spuren". Es sind mit Mischtechnik auf Leinwand aufgetragene Symbole und Farblandschaften, die sich mit der Ausdruckskraft von Piktogrammen und ihrer Universalität im alltäglichen Gebrauch rund um den Globus beschäftigen. So nutzt der gebürtige Mexikaner die Totenkopf -Symbolik seiner Heimat und "zeichnet" mit ihnen in Braille (Blindenschrift) das Wort "Vita", was Leben bedeutet. "Ich beschränke mich nicht auf eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Kultur - meine Quelle ist die ganze Welt und ihre Geschichte", sagt der Künstler.

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Die in kräftigen, leuchtenden Farben gestalteten Acrylbilder des peruanischen Künstlers Jaime Colan lassen den Kontrast zwischen Licht und Schatten, Tradition und Moderne wieder aufleben. In seinen Bildern finden sich viele folkloristische Symbole aus seiner bergigen Heimat und erzählen dem Betrachter eine ganz eigene, farbenfrohe Geschichte.

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Mercedes Felgueres nutzt ihr architektonisches Wissen und ihre Affinität zur Fotografie, um ausdrucksstarke Collagen zu schaffen, die immer einen zweiten Blick verdienen. Dabei verwendet sie aussergewöhnliche Materialien wie Wachs und Holz.

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Das extremste Kunstmaterial suchte sich der Maler und Bildhauer Guillermo de Lucca, dessen in Basalt und Edelstein gefräste Skulpturen allein in ihrer Grösse und Form dem Betrachter die Leichtigkeit der Schwere vor Augen führen.

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Gemeinsam beeindrucken die südamerikanischen Künstler, die in der Welt zu Hause sind, als einmaliges Ensemble in einer unschlagbaren Kulisse. Sie umrahmen das Programm, dessen Abendverallstaltungen von Jazz und Literatur bis zu französischen Chansons samt Verköstigung reichen. Für alle, die Kunst lieben, ein verlängertes Wochenende zum Wohlfühlen.

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Südamerika zum Geniessen. Etwas ganz Besonderes hat sich die Galeristin einfallen lassen: Frisch zubereitetes Chili con carne am Sonntag und leckere Paella am Montag sowie eine fünfköpfige Musikergruppe aus Peru, die unter anderem das berühmte "El condor pasa" zu Gehör brachten.


Montag 24. Mai 18.00

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"Duft und Töne"

Christian Wagner’s Blumenlieder mit dem Kühner-Ambros Duo und Urs Klebe

Uwe Kühner – Gongs, Schlagzeug, Percussion
Jo Ambros – Gitarren
Urs Klebe – Stimme

Diesmal betreten wir Christian Wagner’s märchenhafte Welt der Blumen und Sumpfgeister, inmitten schwirrender Falter und "Duftatome", eingebettet in eine einmalige Mischung aus akustischen Klängen von Gitarre, Percussion und Gongs erweitert mit den Möglichkeiten elektronischer Percussion und Effekte.

Der Berliner Gitarrist Jo Ambros und  der Stuttgarter Schlagzeuger Uwe Kühner spielten bereits bei Out of Green (2003) und dem Indira Trio (2004, 2005) zusammen. Ein Engagement im schweizerischen Arosa gab den Anlass zur Gründung des Duos Kühner-Ambros im Jahr 2009. Die stark atmosphärische Prägung von Kühner´s Kompositionen weckt östliche Klangbilder verbunden mit westlichen Spieltechniken und elektronischen Verfremdungen. Der in Stuttgart lebende Sprecher Urs Klebe hat in Leonberg inzwischen schon mehrfach Texte Christian Wagner’s rezitiert, wie auch am Pfingstmontag 2009 in der Lahrensmühle.

Veranstalter  Warmbronn







Müller-Rap und Harems-Zauber

Von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 26.05.2010)

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Leonberg. Wie klingen Düfte? Dieser Frage sind Klangkünstler in der Lahrensmühle auf den Grund gegangen.

So lange es "Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle gibt, so lange wird der letzte Abend von der Warmbronner Christian-Wagner-Gesellschaft organisiert. Nicht immer haben diese Konzerte einen Bezug zu dem bekannten Bauerndichter, ganz direkt war er jedoch in diesem Jahr: Urs Klebe, freiberuflicher Sprecherzieher aus Stuttgart las Gedichte von Christian Wagner, und der Stuttgarter Perkussionist Uwe Kühner wob dazu mit dem in Berlin lebenden Gitarristen Jo Ambros ein vielgestaltiges musikalisches Bett aus Klängen. Die Töne der Worte und der Instrumente mischten und ergänzten sich dabei auf vielfältige Weise .

"Duft und Töne" hiess dieser "Cross-Over-Abend"
Farben und Töne wäre vielleicht treffender und auch schlichter gewesen. Denn Wagner beschreibt in seinen Gedichten nur in Ausnahmefällen den Duft der lieblichen Gewächse. Die Kraft seiner Sprache entfaltet sich vor allem dann, wenn er das prächtige Erscheinungsbild der Pflanzen wiedergibt, beispielsweise in "Blumen neben dem Krankenbette"; auf fast mysteriöse Weise versteht er es, ihr Wesen durch die Komposition der Worte einzufangen. Durch das Hinzufügen der Instrumentenklänge bekommen die sprachlichen Bilder am Montagabend dann noch eine weitere Dimension. Besonders schön ist dabei, dass die Künstler niemals in einem bestimmten Strickmuster verharren, sondern Worte und Instrumentenklang immer wieder neu zusammenfügen. Mal wechseln Stimme und Instrumente sich ab, dann wieder erklingen sie gleichzeitig; bisweilen malt die Musik aus, was die Sprache umreisst, dann wieder macht sich die Musik die Sprache als Klangmaterial zu eigen, wie bei "In der Mühle", wo ein Gedicht aus dem neuesten Gedichtband "Schaffe selbst Dir einen Rosenhag" kurzerhand gerappt wird und zwar erstaunlich gelungen.

Viele Gedichte aus diesem neuen Bändchen erklingen am Montagabend. Das erste Stück "Im Herbst am Bache" stammt daraus. Hier wird die Melancholie des Vergehens durch sanfte Gong- und Gitarren-Klänge in ein geheimnisvolles, mystisches Licht getaucht. Nicht nur einmal liest Klebe die Verse, und das verleiht ihnen einen ganz eigentümlichen Zauber, eine besondere Eindrücklichkeit. Vor allem im zweiten Programmteil kommen viele dieser neu entdeckten und edierten Gedichte: In freier Jazz-Manier musikalisch untermalt findet der "Dornbusch am Rain" seine akustische Entsprechung, fliessende Gitarrenakkorde begleiten die Geschichte von "Mohn und Cyane". Einen sinnigen und besonders poetischen Bezug haben die nach himmlischem Licht klingenden Röhrenglocken, welche die Verse über die Glockenblumen lautmalerisch umfangen. Besonders unerwartet ist das verklanglichte "Märchen von der Tulpe". Christian Wagner spinnt hier in seinen Zeilen zahlreiche Vergleiche zu einer schönen Frau, die im Garten eines Kalifen gefangen ist. Er erzählt von verschleierten Gestalten, Kamelen und der Stadt Damaskus
und die Musik, die dazu erklingt, versetzt die Lahrensmühle für eine kleine Weile in den Orient. Feurig, wild und leidenschaftlich ist der Einstieg zu dieser Geschichte aus 1001 Nacht. Ambros’ Gitarrenspiel erinnert hier immer wieder an die Klänge eines Al die Meola. Es gibt auch meditative Abschnitte, in denen Kühner neben der Vielzahl seiner Instrumente auch seine Stimme einsetzt. Mit leichter Hand gezeichnete, freie Stimmungsbilder fügen eine weitere Facette hinzu. Das Publikum dankt den Musikern diesen spannenden Abend abseits des Gängigen mit langem Applaus.