"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2010

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Sonntag - 12. September


Die Wasseranlage der Lahrensmühle im Rückblick

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Das älteste erhalten gebliebene Schriftstück über die Wasseranlage der Lahrensmühle liegt im Kreisarchiv Böblingen und reicht zurück in das Jahr 1767. Anlässlich einer "Visitirung" wurde der Zustand der Wasseranlagen der Mühlen an der Glems untersucht und auf Vorschriftsmässigkeit geprüft. Wenn ein Bach wie die Glems eine eher geringe Wassermenge führt, muss der Müller die Möglichkeiten voll ausschöpfen, damit sich sein Mühlrad munter dreht. Gewisse Eigenmächtigkeiten gegenüber dem genehmigten Stand waren eher die Regel, wie unsere ausgestellten Dokumente belegten.

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Aus aktuellem Anlass: Neue Hochwassergefahr für die Lahrensmühle

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Sonntag 4. Juli 2010. Über Leonberg geht frühmorgens ein Starkregen mit bis zu 100 Liter Wasser je Quadratmeter nieder. Zahlreiche neue Strassen-Baumassnahmen im Bereich der Autobahnauffahrt Leonberg-West haben den Regenwasserabfluss gravierend verändert. Zusätzllich kommt aus Rutesheim das Wasser des Eisengriffgrabens in Richtung Glems. Das lokal stark begrenzte Unwetter hat zu einem unglaublich schnellen Wasseranstieg geführt, der in den bisherigen Hochwasserberechnungen nicht vorgesehen war. Die Folge: An der Glemsbrücke beim Bauhof kommt es zu einem Rückstau, die Lahrensmühle steht innerhalb kürzester Zeit rund 1,80 Meter im Schlammwasser.

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"Leckeres aus dem Holzbackofen"

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Erika Quast aus Warmbronn zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten zaubert
 
Was liegt näher als neben der Mühle und ihrer historischen Einrichtung auch gleich das Entstehen von Backwaren zu zeigen. Nachdem der Holzbackofen der Lahrensmühle zu neuem Leben erweckt worden ist, sollte er natürlich beim Tag des offenen Denkmals wieder in heisser Aktion gezeigt werden. Dieser Ofen wird vor dem Backen direkt im Backraum mit Holz aufgeheizt. Die dabei entstehende Hitze erwärmt die Schamottsteine des Ofens, wobei die Oberhitze größer als die Unterhitze ist. Bei dieser Form des Backens bilden sich an der Oberfläche des Gebäcks Röst- und Geschmacksstoffe, die Feinschmecker besonders schätzen.

Mit Erika Quast haben wir eine Spezialistin für den Umgang mit dem historischen Gerät gefunden. Dabei  lieferte sie auch noch allerlei Erklärungen und Tipps zum Gebrauch des Holzbackofens. Natürlich gab es Probierhäppchen zum Naschen.

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"Bewirtung rund um die Streuobstwiese"

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Streuobstwiesen zeichnen sich durch "verstreut" in der Landschaft stehende hochstämmige Bäume aus. Sie tragen unterschiedliche Obstsorten: Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume oder Walnuss. Streuobstwiesen gelten als "Arche Noah" für alte Obstsorten. Über 1200 Apfelsorten, 1000 Birnensorten, 250 Kirschsorten und 320 Zwetschgensorten sind bekannt! Sie schmecken nicht nur wunderbar aromatisch, sondern tragen auch noch so hübsche Namen wie "Schafsnase", "Gute Luise" oder "Lederhosenbirne". Neben all dem Obst ist zum Beispiel auch Honig ein typisches Streuobstwiesenprodukt. Gerne platziert der Imker sein Bienenvolk, das vor allem auf die Apfelblüte "fliegt", neben einer Streuobstwiese.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, wirken sich positiv auf das örtliche Klima aus, liefern das Kelterobst und sind  unverzichtbarer Bestandteil des "Mikrokosmos Lahrensmühle".

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Was früher wichtiger Bestandteil auf dem Speisezettel der Müllersleute war, ist heute oft nicht mehr bekannt. Die "Fachwarte für Obst und Garten" verwöhnten die Besucher mit in Vergessenheit geratenen und völlig neuen Produkten. Mit einer Präsentation der heimischen Früchte informierten sie ausserdem über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege.



Lyrik und Jazz in der Lahrensmühle

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Foto: Oliver Look

Cécile Verny Quartet - „Keep Some Secrets Within“
zeitloser Jazz zwischen Weltmusik und Pop

Seit mehr als 20 Jahren ist Cécile Vernys Stimme eine der wichtigsten im europäischen Jazz: Ihre Liebe zu
den Gesängen ihrer westafrikanischen Heimat, zum Gospel, zum Chanson wie zu den amerikanischen Jazz-
Standards verbindet sich darin auf unverwechselbare Weise. Der Schlüssel ihrer erfolgreichen Karriere aber
war von Anfang an ihr preisgekröntes Quartett. Das neue Programm „Keep Some Secrets Within“ ist das
beeindruckende Ergebnis der Suche von Verny, Bassist Bernd Heitzler, Pianist Andreas Erchinger und
Schlagzeuger Lars Binder nach einem noch persönlicheren Klang und einer neuen rhythmischen Qualität.
Alle Songs, ob auf Englisch oder Französisch gesungen, ob als erdiger Shuffle, als Ballade, Chanson oder
spannende Uptempo-Nummer angelegt, konzentrieren sich auf die größte Stärke Vernys: Geschichten zu
erzählen, die nach wenigen Tönen unmittelbar das Herz des Hörers erreichen.

Lineup: Cécile Verny - vocals
Bernd Heitzler - base
Andreas Erchinger - piano
Lars Binder - drums


Veranstalter Warmbronn



Die leisen Töne sind manchmal die stärksten

Von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 14.09.2010)

Leonberg. In der Lahrensmühle hat das Cécile Verny-Quartet am Tag des offenen Denkmals seine Tour begonnen.

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In dem historischen Gemäuer nahe der Glems ist nichts mehr spür- und sichtbar gewesen von den Folgen des Hochwassers Anfang Juli, das erhebliche Verwüstungen hinterlassen hatte. Selbst in der Scheune und an den Aussenwänden der Lahrensmühle war alles picobello. Freunde und Bekannte hätten beim Aufräumen und Reinigen tollen Einsatz gezeigt, so der Mühlenbesitzer. Eine kleine Fotogalerie in der Ecke gegenüber der Bühne zeigte die dramatischen Situationen. Sonst erinnert nichts mehr. An dem kühlen, frühherbstlichen Sonntagabend war es in der Mühle sogar kuschelig warm.

Die wohlige Atmosphäre kam aber nicht nur von den Bühnenscheinwerfern, sondern vor allem von den Künstlern. Das Cécile Verny-Quartet ist nun schon zum zweiten Mal in Leonberg gewesen - wegen der "Begeisterung auf allen Seiten", wie Karl Kollmann, Vorsitzender der veranstaltenden Christian-Wagner-Gesellschaft, strahlend erwähnte. Am Sonntagabend stellte das Quartett zum ersten Mal sein neues Programm "Keep some secrets within" vor und begann in Leonberg seine Tour, die es bis Mitte Dezember durch ganz Deutschland führen wird.

Es war vor allem die Musik, die im Inneren der Zuhörer Wärme erzeugte - die Musik im Allgemeinen, und die Stimme und das Wesen der Sängerin Cécile Verny im Besonderen. Diese stammt aus Westafrika, lebt aber schon seit mehr als zwanzig Jahren in Europa und kokettiert gerne und oft damit, dass sie weitaus besser Französisch als Deutsch könne. Die Liedtexte, die zum grossen Teil aus ihrer Feder stammen, sind entsprechend auch immer in französischer oder englischer Sprache geschrieben. Aber weil sie bei ihrem Konzert immer die Inhalte übersetzte und während des Singens den Zeilen auf schon fast szenische Weise Nachdruck verlieh, war dies selbst dann kein Problem, wenn Zuhörer weder Englisch noch Französisch konnten.

"Ich kann nur schwer etwas anderes schreiben als Liebeslieder", witzelte Verny, als sie den Song "Love is . . ." anmoderierte. Aus dessen Text stammt der Titel der Tour und ihrer neuesten CD. Zu ihren Zeilen hatte Schlagzeuger Lars Binder die Musik geschrieben, aber auch der Bassist Bernd Heitzler und der Tastenkünstler Andreas Erchinger komponieren Arrangements. Erchinger vertont mit Vorliebe Gedichte von William Blake, Heitzler setzt immer wieder Zeilen des amerikanischen Trompeters John Sahutske um.

Obwohl die Musik jedes der drei Komponisten ein bisschen anders klingt, war das Programm aus einem Guss: Die musikalische Struktur der Songs war dabei hochkomplex. Mitgrooven? Kein Problem. Dennoch verbargen sich hinter der geschmeidigen Klangoberfläche oft vertrackte Rhythmen und Harmonien, die nicht einfach ihr musikalisches Fundament offenbarten. Sie schwebten regelrecht. Frei, leicht und absolut stimmig klang das. Es war kein Laut dem Zufall überlassen.

Die Modellierkunst der Sängerin Cécile Verny war faszinierend - ihre leisesten Töne waren manchmal die stärksten. Am schönsten und absolut mitreissend waren die Songs aber wegen ihrer Authentizität und Lebendigkeit. Und das gilt für verträumte Liebesballaden ebenso wie für das trotzige "J"en ai bien assez", in dem Verny gegen das ständige Anderen-gefallen-müssen protestiert. Auch sozialkritische Texte hatte das Cécile Verny-Quartet im Programm: "Too many frontlines" formulierte das Unbehagen, Leid zu sehen und nicht zu wissen, wo man mit der Hilfe anfangen soll. Blues, Ballade, Bebop Rock, R&B und Chanson - Elemente aus vielen Musikstilen sind in diesen Songs zu finden. Aber dem Cécile Verny-Quartet gelingt es erstklassig, etwas ganz Eigenes daraus zu machen.