"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2011

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Samstag 11. Juni 19.30

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"Grosse Pause"

Eine kabarettistische abendfüllende Schulveranstaltung

Munz und Ruppenthal, zwei verbeamtete Kabarettisten, die auch auf der Bühne nicht aus ihrer Haut können. Sie machen Unterricht. Der zu unterrichtende Teil sitzt im Publikum und darf das machen, was die Klasse sonst auch macht: zuhören, schwätzen, schlafen oder gleich daheim bleiben. Letzteres wäre allerdings schade, denn diese spritzige und musikalische Schulveranstaltung hat es in sich. Oder wissen Sie noch, was die Gitterstäbe in Rilkes Gedicht „Der Panther“ symbolisieren, welches „les trois Nasalvokale“ im Französischen sind, wie die Euroumstellung den Matheunterricht beeinflusst und warum gemischte Duschen im Sportunterricht schulrechtlich bedenklich sind? Oder wollten Sie nicht schon immer mal wissen, wie Schulnoten wirklich zustande kommen, worüber eine Lehrerkonferenz so entscheiden muss und was sich die Kollegen in der kleinen Pause beim Pinkeln zu sagen haben?

Munz & Ruppenthal unterrichten Sie !

Munz, 1969 geboren in Böblingen. Schulzeit und Studium in Tübingen. Seit 1999 Lehrer für Deutsch, Germanistik und Französisch, erst in Mengen, seit 2005 in Rottenburg am Neckar.
Mit 7 Jahren seine erste Choroiflöte zertrümmert und in mehreren Schultheateraufführungen versagt. Als noch studienverlängerndere Maßnahme Leitung mehrerer unzählbarer internationaler Theatergruppen. Tätigkeit als echter Kabarettist seit 1993, erfolgreich ab 1997. Seitdem 3 Programme. Auftritte in Funk und Fernsehen. Zweifacher Preisträger beim Internationalen Kabarettwettbewerb „Stuttgarter Besen“ 2000 (Hölzerner Besen / bestes Soloprogramm + Förderpreis der Landeshauptstadt Stuttgart /  Publikumspreis).

Ruppenthal, 1973 geboren in Saarbrücken. Mit 5 Jahren ins badische Pfullendorf gezogen worden. Studium in Konstanz. Seit 2001 Lehrer für Physik und Mathematik am Gymnasium Ehingen.

Spielte bereits in der Vorschule einen der sieben Zwerge, später auch einen Raben. Erste Kabarettversuche während der Schulzeit, dann -  als studienverlängernde Maßnahme – am Unitheater und in der Improgruppe TmbH (Theater mit beschränkter Hoffnung) als Schauspieler, Musiker und Beleuchter geschauspielert, musiziert und beleuchtet. Daneben 5 Jahre die Tasten in einer Big Band bedient und mit dem Folkduo „Martin & Martin“ Furore hätte machen wollen.

Veranstalter   Leonberg


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Ein Unterricht der besonderen Art

Von Rainer Enke (Leonberger Kreiszeitung 14.06.2011)

Leonberg "Die Lehrer" Munz und Ruppenthal begeistern beim Kulturpfingsten in der Lahrensmühle.

Die "Schüler" tuscheln aufgeregt an diesem Samstagabend, denn gleich wird der "Unterricht" in der Lahrensmühle beginnen. Halten werden ihn Ulrich Munz und Martin Ruppenthal, beide auch im wirklichen Leben Lehrer, in Form ihres Kabarettprogramms "Große Pause". Schon schrillt sie ohrenbetäubend, die Schulglocke, aber erst einmal entern die beiden Hausmeister Willi und Max in ihren blauen Kitteln die Bühne. Sie bereiten akribisch das "Klassenzimmer" vor, nur um dem verdutzten Publikum zu verkünden, dass heute die erste Stunde ausfalle und es keinen Sportunterricht gebe, weil die Sprossenwand wegen gesundheitlicher Bedenken abmontiert sei. Das sitzt. Schon hier beziehen die beiden Akteure das Publikum mit ein, gehen durch die Reihen, lassen es mitraten oder sich Fragen beantworten, so kurios sie auch sein mögen.

Dass eine Lehrprobe im Französischunterricht auch ohne Manuskript funktionieren kann, stellt Munz mit vielen Verrenkungen und noch mehr Fantasie unter Beweis. Die Wortspiele, die dabei gedrechselt werden, sind atemberaubend komisch. Und wenn Munz die "trois Nasalvokale" beinahe bis zur Maulsperre vormacht, kommt das vergnügte Publikum aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Zwischen den einzelnen Sketchen singen Munz und Ruppenthal immer mal wieder Chansons, Blues und Balladen, mit ausgefeilten Texten und einer ironisierenden Sicht auf das Lehrerdasein, etwa in dem Stück "75 Tage freie Zeit". In einem anderen Song geht es um die Angst der Lehrer vor den Schülern, treffend thematisiert, wenn es darin heißt: "Dorle, mach die Bluse zu, das bringt eh nichts."

Ulrich Munz und Martin Ruppenthal schlüpfen immer in andere Rollen als Lehrer, verkörpern die gesamte Bandbreite dieses Berufsstands, quasi aus der Innensicht heraus. Da treffen sich im Lehrerzimmer der bodenständige Biologielehrer Munz im weißen Kittel, dem der ökologisch angehauchte Ruppenthal im gestreiften Wollpullover ein Tier von einer Klassenfahrt mitbringt, das leider tot ist. Im Stile eines Pathologen seziert Munz ungerührt den Käfer und stellt fest, dass das Insekt einen Koronarinfarkt hatte.

Auch mit Dialekten gestalten die beiden ihre Rollen. Ruppenthal, gebürtiger Saarbrücker, kann beinahe wie Heinz Becker klingen. Und Munz mimt köstlich den österreichischen Sport- und Deutschlehrer Ostroschinsky, der für so manche Verwirrung, aber auch für viele Lacher sorgt. Wenn dann auch noch semantisch und systematisch Sinn und Bedeutungsschwere des Gedichtes "Hoppe, hoppe, Reiter" analysiert werden, gibt es im Publikum kein Halten mehr. Munz und Ruppenthal spüren mit feinem Sinn für das Kuriose dem Lehreralltag nach, nehmen sich und ihren Berufsstand augenzwinkernd aufs Korn und nehmen das Publikum mit auf eine höchst amüsante Reise in die eigene Schulzeit. Bis die Hausmeister nach der Pause wieder aufräumen.



Sonntag 12. Juni 19.30

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"Philemon und Baucis"

Ein Schattenspiel frei nach Ovid (Metarmorphosen, 8. Buch)

Konzeption, Bühne + Spiel: Adelheid Kreisz
Musik (Saxophon, Klarinette): Harald Schneider

Der römische Dichter Ovid erzählt die Sage von einem alten Ehepaar, das die zur Erde herabsteigenden Götter Zeus und Hermes gastlich aufnahm.

Besonders charmant fanden wir die Begebenheit in einem "Damen Conversations Lexikon" von etwa 1900 erzählt: In einem Dorfe voll wohlhabender Einwohner lebte ein armes, aber zufriedenes und durch Eintracht und Liebe glückliches Ehepaar, Philemon und Baucis. Zu jenem Dorfe wandelten einst in Menschengestalt Zeus und Hermes, wie bisweilen die Himmlischen thaten, um die Sterblichen zu versuchen. Die Götter klopften an alle Thüren, bittend um Aufnahme für eine Nacht, doch keine öffnete sich. Nur die Aermsten des Orts nahmen die Fremdlinge auf, und trugen willig herbei, was ihre Dürftigkeit vermochte. Dankbar segneten die Götter das frugale Mahl, und immer von Neuem füllte sich von selbst der Weinkrug. Da erkannten die Gatten, daß ihre Gäste Unsterbliche seien, und beteten sie an. Nun offenbarte sich der Gott der Götter gnädig und zürnend zugleich. Er führte die alternden Gatten auf einen Hügel, von dem sie sahen, wie schwellende Wasserfluthen heranbrausten und alle Häuser des Ortes und alle Bewohner verschlangen. Nur die Hütte des gastlichen Paares blieb stehen, und wölbte sich zum säulengetragenen Göttertempel. In diesem ferner den Göttern dienen zu dürfen und dann vereint zu sterben, ist Alles, was Philemon und Baucis erflehen, und gnädig gewährte der Göttervater diese fromme Bitte. Lange Jahre lebten als treue Hüter des Tempels die beiden Treuverbundenen, bis ihnen im hohen Greisenalter das Ende nahte. Aber Keines von beiden sah das Andere sterben, sondern zugleich wurden beide in starke Bäume, Philemon in eine Eiche, Baucis in eine Linde verwandelt, die vor dem Tempeleingang standen; und so umfingen sie einander mit dem Gezweig noch liebend nach der Verwandlung, und es rauschte das Lob der Gottheit durch die flüsternden Blätter.

So weit die von Ovid erzählte Sage. Doch lassen Sie sich überraschen, wie Adelheid Kreisz sich mit dem Thema auseinander setzt.

Josef Haydn komponierte in Eszterhasza Musik zu vielen Puppenspielen, darunter auch eine zu "Philemon und Baucis". Anklänge an diese Musik werden immer wieder erkennbar, wenn der Musiker Harald Schneider die von Adelheid Kreisz inszenierten Schattenbilder mit seinen Improvisationen begleitet, kommentiert oder konterkariert.

Veranstalter  Leonberg


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Die Akteure leuchten jetzt farbig

Von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 08.06.2011)

Korntal/Leonberg Die Schattenspielerin Adelheid Kreisz schickt auf poetische Weise die Fantasie auf Reisen.

Adelheid Kreisz' Liebe zu den Schatten hat schon früh begonnen: "Als junges Mädchen habe ich von meinem Vater ein Buch über die "Tropeninsel Java" geschenkt bekommen. Darin kam auch etwas über das Schattenspiel vor", erinnert sie sich an die erste Begegnung mit dieser Kunst, die in Indonesien und China eine jahrhundertelange Tradition besitzt.

Doch ehe die in Stuttgart-Feuerbach geborene und an der Stuttgarter Kunstakademie bei Christoff Schellenberger ausgebildete Puppenspielerin 1996 ihre eigene Bühne, das Schattentheater "Cadrage" gründete, hatte sie schon Einiges ausprobiert: Zum Beispiel hatte sie Operninszenierungen an der Stuttgarter Staatsoper ausgestattet. Für eine kleine Szene im "Freischütz", der gerade wieder auf dem Spielplan steht, hat sie Handpuppen gemacht, mit denen sie auch spielt.

Wer das kleine Studio im Souterrain ihres Häuschens betritt, wird gleich gefangen genommen von der weißen Opera-Leinwand, die hervorsticht aus ein Vielzahl kleiner und größerer Utensilien, die offensichtlich zur Herstellung der Figuren verwendet werden: Leisten und Rundhölzer in verschiedenen Größen, Kästen mit Schrauben und Dekorationsmaterial, Kleber, Scheren, Schraubzwingen, Hämmer und ein Bohrer. Und natürlich fertige Figuren und solche, die im Entstehen sind. Obwohl sie viele im Lauf der Jahre weggeworfen hat, besitzt noch um die 300 Stück.

Angefertigt werden sie mit viel Liebe, Sorgfalt und Fantasie aus Folie oder aus Papier. Das bearbeitet die Künstlerin selbst mit Wasser und Leim, damit es transparenter und stabiler wird. Die einzelnen Gliedmaßen der Figuren werden dann mit Drachenschnur verbunden und schließlich an Schweißstäben befestigt. Deren Spitzen schmiedet die zierliche Frau selbst flach und biegt sie dann, wie sie sie braucht. Manche Figuren bekommen Griffe; andere, die zumeist zu größeren Figurengruppen gehören, nicht. "Wenn ich nah an der Leinwand bin, werden die Figuren groß und deutlich. Bin ich weiter weg, werden sie kleiner und unschärfer", erläutert die Künstlerin. Erstaunlicherweise sind alle aktuellen "Akteure" farbig: Dafür hat sie die transparente Beleuchtungsfolie mit Tusche koloriert. Das war nicht immer so: "Früher habe ich viel Schwarzweiß gemacht." Hinter der Leinwand ist eine Konstruktion mit Röhrchen, in die unbenutzte Figuren vorübergehend hineingesteckt werden können. Adelheid Kreisz spielt alleine. Hinter der Leinwand jedenfalls.

Schon lange hat sie für ihre eigenen Inszenierungen immer Musiker, die zur Bewegung ihrer Schatten improvisieren. Lange Jahre war der Saxofonist Frank Kroll ihr Partner. Bei "Philemon und Baucis" ist es Harald Schneider, der sie mit Saxofon und Monochord begleitet. Die Geschichte nach den Versen des römischen Dichters Ovid erzählt von einem älteren Paar, das aufgrund seiner selbstverständlichen Gastfreundschaft von den Göttern den Wunsch erfüllt bekommt, gemeinsam sterben zu dürfen. Verwandelt in eine Eiche und eine Linde leben sie aber weiter.



Sonntag 12. Juni / Montag 13. Juni

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Ein Künstler zu Gast in der Lahrensmühle

In Zusammenarbeit mit der Gallery Irmgard Heyd präsentierten wir in der Lahrensmühle eine Ausstellung von und mit Markus Leuze

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Markus Leuze, geboren 1964 in Pully (Schweiz), studiert Kunst in Nürtingen, Düsseldorf und Amsterdam.

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Aus der Skulptur kommend, entstanden Anfang der 1990er Jahre die ersten Reliefbilder, die mittlerweile aus Dispersion, Harz und Acryl auf Nessel entstehen. Aber auch Leucht-/Lichtstelen auf Plexiglas gehören zum Schwerpunkt seiner derzeitigen Arbeit.

Durch Hinzufügen von fluoreszierenden und Nachtleuchtpigmenten sowie einen vielschichtigen Farbauftrag erreicht die Wirkungsweise eine weitere Dimension. Die Oberfläche wirkt plastisch, durch Spuren von Symbolen, Hyroglyphen und Poesie werden die Bilder zu erzählenden Bildtafeln und Zeitgeschichten. Dabei reduziert er seine Bildsprache auf das Wesentliche. Resistance, Evolution, Natur und Kosmos sind zentrale Impulse für ihn.

Zwischen 2001 und 2003 entstand aus seiner Sehnsucht nach Frieden und Freundschaft eine grosse Serie Sonnenbilder (Friedenssonnen). Seine Sonnenbilder sind auch Poesiebilder, sind Freudenbilder, damit möchte er pure Lebensfreude weitergeben.

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Seit 2006 beginnt er mit Arbeiten, die er M-Icons nennt. Bei Tageslicht geheimnisvoll und spannend, werden die Bilder in der Nacht zu leuchtenden Boten und Metaphern. Markus Leuze sagt: "Ich möchte den Betrachter auffordern, genauer hinzusehen, zu verweilen."  Er möchte mit seiner Kunst den Menschen Zeichen geben.


Montag 13. Juni 18.00

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"Lyrik und Dynamik"

Jazz und Lyrik in der Lahrensmühle

es spielte die Band  "New Gate" mit:
Annette Maye – Klarinette & Bassklarinette
Andreas Erchinger – Piano und Keyboards
Rolf Breyer – Kontrabass & E-Bass
Dani Schay – Schlagzeug & Percussion

Den Jazzpianisten Andreas Erchinger kennt man vom Cécile Verny Quartet, die Klarinettistin Annette Maye vom Ensemble FisFüz , den Bassisten Rolf Breyer von der Ska-Band The Busters. Dazu der Drummer Daniel Schay, und fertig ist die neue Band New Gate mit einem Sound zwischen lyrischem Jazz und dynamischer Weltmusik." (Thomas Steiner, BZ)

"Erchinger und Co. machen Musik, die voller ästhetischer Ansprüche steckt, aber dennoch unweigerlich in die Beine geht; es ist Musik, die zärtlich-lyrisch Klänge verbindet mit fein austarierten Improvisationen." (Friedhelm Schulz)


Veranstalter  Warmbronn





Dichte Stimmungsbilder aus Klang und Musik

Von Gabriele Müller (Leonberger Kreiszeitung 16.06.2011)

Leonberg Die Lyrik hat sich beim Konzert des Jazz-Ensembles "New Gate" nur indirekt gezeigt.

Der Warmbronner Dichter Christian Wagner hat nicht selten sein Korn zum Mahlen in die Lahrensmühle gebracht. Und während er dann wartete, fielen ihm so manche schönen Zeilen ein, die immer wieder Musiker inspiriert haben. Das ausverkaufte Konzert am Montagabend, das die Christian-Wagner-Gesellschaft beim Kulturpfingsten in der Lahrensmühle schon traditionell unter dem Motto "Jazz und Lyrik" organisiert, war allerdings instrumental. Um der Poesie auf die Spur zu kommen, bedurfte es ein wenig Fantasie.

Die Musik des Quartetts "New Gate" lässt sich in keine Schublade stecken. Sie erinnert manchmal an coolen West-Coast-Jazz, dann besitzt sie wieder das exotische Flair von Welt-Musik oder die anarchistische Unbekümmertheit freierer Jazzformen. Eines ist den Kompositionen von Andreas Erchinger und Annette Maye jedoch immer gemeinsam: Sie sind stets sehr dicht und stimmungsvoll. Und das wiederum verbindet sie mit der Lyrik, deren Eigenheit es ist, durch den Zusammenklang der Worte und die mitschwingenden Assoziationen dichte Stimmungsbilder zu weben, deren Inhalt sich nicht immer präzise in sachlichen Worten wiedergeben lässt.

Konkret war am Montagabend allerdings nur bei zwei Titeln die Inspiration zum entsprechenden Instrumentaltitel ein Gedicht: Einer davon war "Soft Snow", komponiert von Erchinger, der sich auf Verse von William Blake bezieht und mit leisen, tiefen Klarinettentönen (Annette Maye), sachten Jazzbesen (Drums: Dani Schay), weichen Klavierakkorden (Andreas Erchinger) und einem sanften Kontrabass-Solo (Rolf Breyer) eine introvertierte, angenehm schwermütige Atmosphäre entstehen ließ. Die Zugabe "It could have been a lonely night", angeregt durch Zeilen der afrikanischen Dichterin Minji Karibe, besaß einen noch stilleren, balladenhaften Charakter.

Energiereich und geschmeidig war der Klang der meisten anderen Kompositionen ohne lyrische Grundlage - und oft voller Humor. "Stolen in Vienna" zum Beispiel, mit dem sie den Abend einleiteten. Das Thema hatte Erchinger bei einer Salsa-Big Band in Wien gehört und neu verarbeitet. Dass hier echte Profis am Werke waren, wurde unüberhörbar: Beim eingängigen Ostinato der Rhythmusgruppe kamen die Betonungen immer entgegen der Hörerwartung, und die Harmonien schillerten in allen Farbschattierungen.

Beim "Hometown-Blues", Erchingers Heimatort St. Georgen gewidmet, wurde ebenfalls ein bereits bestehendes Thema wiederverwertet. Annette Maye griff hier zur Bassklarinette, und Erchinger spielte, wie oft an diesem Abend, zugleich Klavier und Keyboard, um den Klang der beiden Tasteninstrumente zu mischen. Titel, die im Jazz nicht unbedingt gängig sind, stellten sie mit "Köln versinkt" oder mit "Ihre Launen" vor. Dieses Stück von Annette Maye erinnerte ein wenig an Schauspielmusik mit einem Drehorgel-ähnlichen Ostinato und musikalischen Elementen des Chansons. Orientalische Harmonien setzten interessante Akzente. Zum Schluss hin steigerte sich der Klang zu wilder, anarchistischer Energie und aufregenden Dissonanzen. Die meisten Stücke lebten jedoch von einem angenehmen Gleichgewicht aus Spannung und lässigem Groove, der beim Publikum sehr gut ankam.