Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2012

"Kulturpfingsten" in der Lahrensmühle 2012

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Kulturpfingsten 2012

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Krabat, Jazz und neue Meister in der Mühle

Leonberg. Vor elf Jahren hat der Besitzer die Lahrensmühle zum ersten Mal zu einem öffentlichen Ort der Kultur gemacht. Dieses Jahr wird vom Samstag, 26. Mai, bis Montag, 28. Mai zu "Kulturpfingsten" eingeladen.

Von Barbara Bross-Winkler (Leonberger Kreiszeitung 23.05.2012)

"Jedes Kulturdenkmal, das heute zugrunde geht, ist für alle Zeit verloren. Was wir jetzt nicht retten, kann nie mehr gerettet werden." Dieser Satz des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, geäußert im Jahr 1985, könnte 1999 für den Mühlenbesitzer das Motto gewesen sein, um das Erbe seiner Eltern, die Lahrensmühle, vor der faktischen Zerstörung durch ein Straßenbauprojekt zu retten. Den 1350 erstmals erwähnten Standort der Mühle wollte der technische Redakteur, der in der Mühle aufgewachsen ist und noch heute dort lebt, durch Kulturveranstaltungen beleben und ins öffentliche Gedächtnis zurückrufen.

Seit 2001 ist das Mühlen-Kleinod mit seinen wundervollen alten Räumen, in denen noch alte Schrotgänge stehen und riesige Trichter von der Decke hängen, ein ganz besonderer Ort für Menschen, die an Pfingsten Zeit und Musse für Malerei, Theater, Kabarett und Kunst in all ihren Formen haben. Aus langjähriger Erfahrung weiß der Lahrensmüller, dass sich die Veranstaltungen "gegenseitig befruchten" und dass die Ausstellung auch von Menschen besucht wird, die nicht zu den typischen Vernissage-Besuchern gehören.

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Den Auftakt macht in diesem Jahr das Theater ImPuls mit seiner Inszenierung von "Krabat". Die Geschichte, die auf einer alten sorbischen Volkssage beruht, hat Otfried Preußler in seinem Jugendbuch bekannt gemacht. In der Inszenierung durch Andreas Wiedermann ist aus der Vorlage ein zeitloses Märchen für Erwachsene entstanden. In ihm geht es um einen Waisenjungen, der in einer Mühle nicht nur das Müllerhandwerk lernt, sondern auch mit Schwarzer Magie in Berührung kommt. Er knüpft tiefe Freundschaften, lernt die Liebe kennen, aber auch Verrat, Verzweiflung und Unterwerfung. Neun Schauspieler bringen am Samstag, 26. Mai, um 19 Uhr, das Stück voll poetischer, dramatischer, aber auch komischer Bilder auf die Bühne.

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Am Sonntag, 27. Mai, steht, zumindest musikalisch, ein Ausflug nach Paris an. Die Chansonsängerin Asgard kommt mit instrumentaler Musettemusik und französischen Chansons von Edit Piaf, Jacques Brel, Charles Trenet und Juliette Greco in die Mühle. Der Musikabend voll französischen Flairs beginnt um 19 Uhr.

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Am Pfingstmontag, der traditionell der Deutsche Mühlentag ist, ist von 18 Uhr an ein ungewöhnliches "Lauschprojekt" zu E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Ignaz Denner" in der Mühle zu Gast. Die Lesung der Schauspieler Johannes Steck und Lutz Schäfer wird musikalisch von der Band Frimfram collective begleitet. Als "Reality Music" bezeichnet der Schlagzeuger und Musikproduzent Torsten Krill die Musik seiner Band, die eine Expedition durch einen Musikdschungel aus Weltmusik, Jazz und Improvisation verspricht.

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Schliesslich kann am Pfingstsonntag und Pfingstmontag dank der Vorarbeit der Galeristin Irmgard Heyd auch wieder die Kunst in Form von Bildern in der Lahrensmühle bewundert werden. In diesem Jahr werden Werke der Künstlergruppe "Neue Meister" gezeigt. Zur Gruppe gehören Ines Scheppach, Michael Krähmer und Joachim Lehrer. Sie alle eint eine altmeisterliche aufwendige Technik, die gefüllt wird mit zeitgenössischem Inhalt. Jeder Künstler hat dabei, plakativ gesagt, sein ganz eigenes Thema: Landschaften, der Mensch und die Dinge in der Landschaft.

Ines Scheppach spinnt in ihren Werken aus realistischen Motiven fantastisch-geheimnisvoll wirkende Bilder voll mythologischer Anspielungen, immer unglaublich dicht und fein gezeichnet. Ihr Thema ist der Mensch mit seinen Freuden und Schmerzen, dem Alleinsein und dem Altwerden, seiner Schutzbedürftigkeit und all den Emotionen. Scheppach setzt aber auch naturwissenschaftliche Phänomene in ihre Bildsprache um.

"Magische Welten" nennt Michael Krähmer seine Bilder, die man auf den ersten Blick für Landschaftsfotografien halten könnte und die in der Tat einen magischen Sog auf den Betrachter ausüben. Angesichts der absolute Ruhe und meditative Stille ausstrahlenden Werke erstaunt es nicht, dass diese schon im Museum des Bergsteigers Reinhold Messner zu sehen waren.

Der Dritte im Bunde ist Joachim Lehrer. Er zeigt hintergründig-verspielte Bilder, die man sich wunderbar auch als Illustrationen für fantasievolle Kinderbücher vorstellen könnte. Seine "Fortbewegungsmittel" verharren in idyllischer Ruhe und in morbid-"verrückten" Landschaften, so wie sein Mini-Flugzeug auf einem Berg ode die alte Lokomotive in einem von der Natur zurückeroberten Bahnhof. Die Ausstellung ist an beiden Tagen jeweils von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Samstag 26. Mai 19.00

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"Krabat"

nach Otfried Preußler

Ein zeitloses Märchen für ERWACHSENE !
Krabat erlernt in der Schwarzen Mühle am Koselbruch beim Meister das Handwerk und auch "alles andere", die Schwarze Magie. Er knüpft tiefe Freundschaften, lernt Unterwerfung, Verrat, Verzweiflung, und die Liebe kennen. Dass die Teilhabe an der Macht auch ihren tödlichen Preis hat, erfährt er am Ende seines ersten Lehrjahres.

THEATER ImPuls zeigt das Werk mit neun Schauspielern in so schattenhaften wie poetischen Bildern, dramatisch und komödiantisch zugleich, in zeitgenössischer Inszenierung.

Mit: Franz Brandhuber, Simon Brüker, Lisa Erdmann, Urs Klebe, Matthias Lettner, Christina Matschoss, Clemens Nicol, Friedrich Spieser, David Thun.

Inszenierung: Andreas Wiedermann
Musik: Martin Schönberger
Licht: Peter Younes
Bühne: Udo Ebenbeck
Kostüm: Uta Lederer-Hensel

Veranstalter   Leonberg


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Preußlers "Krabat" für Erwachsene

Das Straubinger Theater Impuls hat in der Lahrensmühle das bekannte Jugendstück inszeniert.

von Ralf Recklies (Leonberger Kreiszeitung 29.05.2012)

Krabat, die Geschichte des gleichnamigen sorbischen Waisenjungen, der in der Schwarzkollm-Mühle am Koselbruch weit mehr als nur das Müllerhandwerk erlernt, zieht längst nicht nur die Jugend in den Bann. Dies ist bei der Aufführung des Theaters Impuls in der Leonberger Lahrensmühle zu erleben gewesen. Jugendliche Theaterfreunde suchte man dort sogar fast vergebens.

Das in Straubing beheimatete freie Theater hat in der Lahrensmühle vor ausverkauftem Haus das Stück „Krabat" von Otfried Preußler, in der Bearbeitung von Andreas Wiedermanns aufgeführt und das Publikum mit seinem ausdrucksstarken Spiel von Anfang bis Ende in den Bann gezogen. Am Ende gab es daher auch verdient grossen Beifall.

Es herrschte absolute Stille im Zuschauerraum, als die Darsteller das Leben, Leiden und den Wandel des zunächst 14-jährigen Krabat (Friedrich Spieser) unter der harten Hand des Meisters (Clemens Nicol) darstellten. Ein eindringliches und berührendes Spiel, das die Zuschauer fast hautnah nachvollziehen liess, welche Sorgen und Nöte Krabat und seine Müllerkollegen plagen und wie es schliesslich ist, einer dunklen Macht nicht entrinnen zu können. Denn der Meister, der seine Gesellen in jeder Neumondnacht in der Kunst der Magie unterrichtet, ist ein Verbündeter des Todes.

Die Lahrensmühle bot für das überaus dynamische Spiel der jugendlichen Truppe den perfekten Rahmen. Die Darsteller veranstalteten auf der kleinen Bühne ein solch lebendiges Treiben, man fürchtete mitunter, die Darsteller könnten zusammenprallen, wenn sie etwa - nur in weißes Tuch gehüllt - mit Feuereifer und prall gefüllten Säcken aus dem Nichts in den Mühlenraum gestürzt kamen. Aber auch wenn sie fröhlich im Kreis tanzten oder miteinander herumtollten, bot die Lahrensmühie nur wenig Raum für besondere Kapriolen. Umso erstaunlicher ist es, wie es den Darstellern gelang, die in der Regie von Wiedermann geforderte Lebendigkeit so bravourös umzusetzen.
  
Beeindruckend war neben dem von Friedrich Spieser verkörperten Krabat vor allem Clemens Nicol. Dieser verstand es hervorragend, ganz in Schwarz gekleidet, den einäugigen Müllermeister darzustellen. Mal buhlte dieser mit Sanftmut um Krabats Gunst, in der Hoffnung, in diesem vielleicht einen würdigen Nachfolger zu finden. Mal liess er nach donnernden Wutausbrüchen offenbar werden, welche Macht er auch über die Mauern der Mühle hinaus besitzt.

Das märchenhafte Spiel um Macht und Tod - jährlich verliert der jeweils beste Geselle, der dem Meister gefährlich werden könnte, sein Leben -‚ um Liebe und Freundschaft erfährt seine Wende nach der Pause. Krabat, der harten Hand des Meisters überdrüssig, gesteht seine Liebe zu Kantorka und sorgt ohne Angst um das eigene Leben und mit grosser Offenheit dafür, dass die Liebe über die dunkle Macht siegt: in sensiblem Spiel, ohne grosses Pathos und abseits aller Effekthascherei. Theater, wie es berührender kaum sein könnte.


Sonntag 27. Mai 19.00

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"Asgard & Akkordeon"

Französische Chansons und Musettes

Wie wär’s mit einer kleinen Reise nach Paris? "Savoir vivre" vor Sacré Coeur, am Seine-Ufer oder auf dem weltberühmten Flohmarkt?

Die Chansonsängerin Asgard nimmt Ihre Gedanken mit in die Hauptstadt des beschwingten Lebensgefühls und verzaubert Sie mit ihrer Stimme und ihrem Akkordeon. Französische Chansons von Edith Piaf, Jacques Brel, Charles Trenet, Juliette Greco wechseln sich ab mit heitererer instrumentaler Musettemusik.

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Und erst am Schluss des Konzerts werden Sie feststellen, dass Sie sich gar nicht am Ufer der Seine, sondern "nur" in der Lahrensmühle am Glemsufer befinden.

Veranstalter  Leonberg


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Am Freitag verwandelte sich Lachen in ein kleines Paris

Die Sängerin "Asgard" hatte Chansons über die Liebe mitgebracht.

von Philip Sippel (Zürichsee-Zeitung 12.05.2007)

Wer kennt sie nicht, die Stadt der Liebe? Musikanten auf den Strassen und in der Metro, schönes Wetter und eine ungezwungene Atmosphäre; dazu ein Eiffelturm, Strassencafés und Kultur "en masse". Die Stadt der Liebenden hat es in sich, genauso wie die Lieder, die über Paris oder von Parisern selbst geschrieben werden. Mal wird über Zeiten des Glücklichseins sinniert, mal über zu zerbrechen drohende Beziehungen melancholisiert, oder einfach über die Liebe in der Vorstadt.

Sängerin Asgard präsentierte mit ihrer Stimme und Akkordeon die schönsten und vielleicht auch tragischsten Chansons der französischen Metropole. Die Lieder pendelten zwischen fröhlicher und melancholisch-herzzerreisender Stimmung hin und her. In ihren Ansagen gab sich Asgard träumerisch: "Über Paris gibt es einen Himmel, und unter diesem Himmel passiert so einiges", kündigt sie das Lied "Sous le ciel de Paris" an, welches auch Edith Piaf einmal interpretierte. Hier lag es nun am Publikum, einige melodische Passagen mitzusummen, und sie machten zum passenden Zeitpunkt "humhum". In diesem schönen Chanson geht es also darum, was unter dem Pariser Himmel alles passiert. Und wie könnte es anders sein, "Sous le ciel de Paris, marchent des amoureux, humhum". Edith Piaf war vor allem im zweiten Teil des Konzertes zu hören, denn nach rund einer Stunde entliess Asgard ihre Zuschauer und Zuhörer erstmal in eine Pause.

Mit Stimme und Akkordeon
Allein bewegte die Sängerin sich auf der Bühne; neben ihr ein Tisch, auf dem ein Blumenstrauss und eine brennende Kerze standen. Bei schönem Wetter hätte das Konzert eigentlich im Kulturpark beim Fasson-Theater durchgeführt werden sollen, doch der starke Wind verunmöglichte ein romantisches Beisammensein zwischen Bäumen und Natur. Die Sängerin liess es sich dennoch nicht nehmen, mit ihrem Akkordeon auch im Innern des Gebäudes, auf der "Bühne Fasson", eine romantische Stimmung hervorzuzaubern.

"Ne me quitte pas"
Wiederum wurde angesprochen, was allen in allen Beziehungen passieren kann. "Es geht um eine Liebe, die zu zerbrechen droht, und darum, dass einer den anderen darum bittet, nicht zu gehen", sprach Asgard, und nahm den französischen Titel schon vorweg: "Ne me quitte pas", von Jacques Brel. Auch Songs anderer Chansonniers wurden im Verlauf des Abends gespielt, wie jene des grossen Dichters und Schriftstellers George Brassens.

Wie Asgard erklärte, würden sich alle Chansons durchaus zum Tanzen eignen. Doch dieser Aufforderung wollte aus dem Publikum niemand nachkommen. So begnügte man sich damit, beinahe in Paris gewesen zu sein, oder zumindest gedanklich in die Stadt der Liebe gewandert zu sein. Oder man träumte der Liebe selbst nach und genoss einfach nur die romantische Atmosphäre.


Samstag 26. Mai 18.00-20.00, Sonntag 27. Mai / Montag 28. Mai 10.00-20.00

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Drei Künstler der Gruppe "Neue Meister" zu Gast in der Lahrensmühle

In Zusammenarbeit mit der Gallery Irmgard Heyd präsentierten wir in der Lahrensmühle eine Ausstellung von bildschaffenden Künstlern.

Kunstwerke werden geschaffen, um Gedanken und Gefühlen, Eingebungen und visionärer Schau Ausdruck und Dauer zu verleihen. Dafür wählen die Künstler höchst unterschiedliche Ausdrucksweisen. Neben experimentell ausgerichteten Künstlern, die stets auf der Suche nach dem Neuen sind, gibt es auch solche, die sich an kunstgeschichtlichen Meisterleistungen orientieren. Daran erinnern gerade die Werke der Künstlergruppe "Neue Meister“, zu der Ines Scheppach, Michael Krähmer und Joachim Lehrer gehören. Alle Künstler sind der gegenständlichen Kunst verpflichtet, haben ähnliche Ziele und gehen ähnliche Wege, obgleich sich die Arbeiten formal und inhaltlich deutlich unterscheiden.

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Ines Scheppach wurde in Stuttgart geboren, besuchte von 1969-1971 die Freie Kunstschule Stuttgart und von 1971-1977 die Staatliche Kunstakademie Stuttgart bei den Professoren Peter Grau und Gottfried von Stockhausen. Seit 1975 hat sie  regelmäßige Ausstellungen im In- und Ausland.

Ihre Zeichnungen sind in Strich und Aussage so dicht, dass man sie nicht zu den Grafiken, sondern zu den Bildern rechnen muss. “Gezeichnete Bilder“ nennt denn auch die Künstlerin ihre Arbeiten. Lebenssituationen und damit verbundene Emotionen in vielfältigster Form, sind das Thema, mit dem sich ihre Bilder beschäftigen. Auch naturwissenschaftliche Phänomene, auch aus dem Mikrokosmos, sind die Mittel, mit denen sie ihre Gedanken umsetzt.


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In Ines Scheppachs Bildern finden sich überwiegend Menschen, wobei realistische Motive zum Phantastischen versponnen werden. So werden die Bilder zu Sinnbildern, Bilder die in die Tiefe gehen, die geheimnisvoll sind.

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Michael Krähmer wurde in Mönchengladbach geboren. Er studierte von 1978 bis 1983 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Bereits 1980 erhält er den Förderpreis der Künstlergilde Ulm. Andere Auszeichnungen folgten.

Er nennt seine Bilder zu Recht "Magische Welten“. Mit seiner einzigartigen Empfindsamkeit setzt er neue Maßstäbe in der Ästhetik von Landschaften.


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Auf den ersten Blick könnte man die Gemälde von Michael Krähmer für Landschaftsfotografien halten.Es handelt sich jedoch nicht um Abbilder sichtbarer Realität, sondern um Ausdruck geistig-seelischer Erlebnisse. Nicht der topografische Ort einer Landschaft ist von Bedeutung, sondern ihre Atmosphäre, ihre Ausstrahlung auf den Betrachter.

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Joachim Lehrer wurde in Reutlingen geboren. Nach einer kurzen Episode als Lkw-Fahrer und Ausbildung in der Elektrotechnik folgte 1976-1982 das Studium der Germanistik, Rhetorik, Kunstgeschichte. Seit 1983 ist er vollberuflich Maler und regelmässig an Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt.

Er schildert die Welt in hintergründigen Bildern, die in ihrer Aussage oft ein wenig melancholisch sind, nie mit Drohgebärden anklagend, häufig auch mit einem feinsinnigen Humor.


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Joachim Lehrers "Fortbewegungsmittel“ verharren in beinahe idyllischer Ruhe und Bewegungslosigkeit. Er spielt mit dem Gegensätzlichen sowohl im eigentlichen als auch im übergeordneten Sinne, indem er das Kleinod inmitten der Weite der Landschaft zeigt.

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Von Märchen und dem Ende der Zivilisation

von Sybille Schurr (Leonberger Kreiszeitung 30.05.2012)

Die Scheune des einstmaligen bäuerlichen Anwesens verwandelt sich an den beiden Pfingsttagen in einen magischen Ort. Zwischen Relikten, die auf die bäuerliche und mühlengeschichtliche Vergangenheit des Gebäudes hinweisen, hält an diesen beiden Tagen die Kunst Einzug. Galeristin Imgard Heyd knüpft die Verbindung, ihre Partner sind Mitglieder der Künstlergruppe "Neue Meister". Die Böblinger Malerin, Mitbegründerin der Gruppe, Ines Scheppach, entführt die Besucher an diesem Ort in märchenhafte Bereiche. In den zarten Bleistiftzeichnungen erzählt die Künstlerin die Geschichten von gestern, verbunden mit dem Heute. Märchenhaft versponnen, in zarte Farbnuancen, setzt sie die Vergangenheit dem Heute, das auch schon wieder das Gestern ist, gegenüber. Im eigentlichen Sinne sind es typische Frauenthemen, die Ines Scheppach mit viel Feingefühl aufgreift. Dennoch lässt sie keine feministische Kunst im eigentlichen Sinn entstehen. Ihre gezeichneten Bilder, voller Naturzitate, schlagen eine Verbindung vom Gestern zum Heute.

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Das Betrachten der Arbeiten kommt einer Märchenlektüre gleich. Im Ambiente der alten Scheune in der Lahrensmühle denkt man unwillkürlich an die Geschichten, in denen Trolle auftauchen, und verwunschene Königstöchter und Seekönige, die mit dem Dreizack regieren. Ines Scheppachs Bilder sind eine Begegnung mit all dem, was so bruchstückhaft an Märchenerinnerungen, die jeder in sich trägt, erhalten geblieben ist. Doch aus dieser fiktiven Traumwirklichkeit bricht die Künstlerin immer wieder aus und wandert in eine surreale Welt des Symbolismus. Eine Verfremdung, die dazu geeignet ist, zu einem Dialog anzuregen.

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In diese Welt entführen auch die Bilder von Joachim Lehrer. Bei ihm endet Zivilisation, vor allem die automobile Fortschrittlichkeit im Endlosen des Nirgendwo. Davon erzählen die im Nirgendwo gestrandeten Automobile. Statussymbole, die sich überlebt haben, vor sich hinrotten in einer Landschaft, die diese Statussymbole einer untergehenden Welt aufnimmt. In feiner Lasurtechrnk beschreibt Lehrer seine Zukunftsvision vom Ende der Zivilisation, in der sich die Natur ihre Rechte zurückerobert. Bilder, in denen die Anwesenheit des Menschen nur noch sichtbar wird durch vor sich hinrostende Spuren einer langst überholten Technik.

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Als magischen Realismus hat Michael Krähmer seine Landschaftsbilder einmal bezeichnet. Die Meer- und Gebirgsbilder entstehen nicht vor dem realen Abbild, sie sind Traumlandschaften von tiefer Stille und unzerstörbarer Schönheit. Nichts kann in diesen großformatigen Arbeiten den Eindruck dessen stören, was in unseren Wunschvorstellungen die heile Natur ausmacht. Das Blau des leicht gekräuselten Meeres ist unzerstörbar, ebenso wie die Lichtspiele von Sonne und Schatten auf fiktiven, den eindrucksvollen ruhigen ruhigen und schneebedeckten Bergen. Michael Krähmers Landschaften haben meditativen Charakter: Sie sind ruhig und majestätisch in einer im Dialog immerwährenden Schönheit - ein Ort kontemplativer Unveränderbarkeit.

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Montag 28. Mai 18.00

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"Jazz und Lyrik in der Lahrensmühle"

Lauschprojekt  E.T.A. Hoffmann "Ignaz Denner"

mit den Sprechern Johannes Steck und Lutz Schäfer

Musik von Torsten Krills frimfram collective:

Carsten Netz – Saxophon, Klarinette, Flöte
Jo Ambros – Gitarre
Uwe Lange – Bass
Torsten Krill – Schlagzeug, Percussion


"Reality Music“ so bezeichnet der Schlagzeuger und Musikproduzent Torsten Krill  die Musik seiner Band "frimfram collective“, die an diesem Abend in der Lahrensmühle zu hören sein wird, eine abenteuerlustige Expedition durch einen Musik-Dschungel aus Jazz, Weltmusik und improvisierter Musik.


Veranstalter  Warmbronn


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Die Lahrensmühle bietet ein Lauschprojekt über ETA Hoffmann

von Alexander Walther  (Leonberger Kreiszeitung 30.05.2012)

Von seiner magischen Kraft hat ETA Hoffmann, der im Jahre 1822 starb, nichts eingebüsst. Dies vermittelte in der Lahrensmuhle unter dem Titel Lyrik und Jazz die Lesung seiner Erzählung Ignaz Denner aus den berühmten Nachtstücken, die 1814 erschienen ist. Lutz Schäfer hat die Lesung dramaturgisch bearbeitet, Torsten Krill steuerte die Musik bei. Gemeinsam mit Johannes Steck bot Lutz Schäfer eine atemlose Interpretation dieses Stoffes. Beide arbeiten unter anderem für ARD Produktionen. Die Formation frimfram collective mit Carsten Netz (Saxophon Klarinette Flöte), Jo Ambros (Gitarre), Uwe Lange (Bass) und Torsten Krill (Schlagzeug Percussion) illustrierte die Erzählung atmosphärisch dicht und harmonisch überaus emotional.

Hoffmann wurde auch als Person vorgestellt. Er war ein kleiner Mann mit gelblichen Gesichtszügen und einem Hang zu Grimassen: "Man lebt Hoffmann, man liest ihn nicht", meinten die beiden Erzahler. Es gelang ihnen, sich mit grosser innerer Leidenschaft in die zuweilen gruselige Welt des Gespenster-Hoffmann zu versetzen.

Die Erzählung Ignaz Denner ist eine ungewöhnliche Räubergeschichte, die es in sich hat. Es geht um den Revierjäger Andres, der beim Grafen von Vach in Diensten ist und in die Fänge des teuflischen Räubers Ignaz Denner gerät. In Italien hat er sich in die schöne Giorgina verliebt, die er nach Deutschland mitbringt und heiratet. Sie bringt ihm Söhne zur Welt, welkt jedoch bald dahin. Die Musiker interpretierten Torsten Krills Musik mit thematischer Vielfältigkeit und starken Intervallspannungen. Die Waldgeräusche bei den Jagdszenen wirkten am unmittelbarsten und hinterliessen zuweilen eine Gänsehaut - so wie das in Musik gefasste unheimliche Blitzen der Augen des Ignaz Denner. Und so steigerte sich auch die elektrisierende Spannung immer mehr. "Beweis' deine Treue, gebt mir den Knaben", forderte Denner von Andres, weil er ihn mit Geldgeschenken immer wieder gefügig machte. Aber die Eltern Andres und Giorgina ahnten “schwarzes Unheil" und wollten den Knaben nicht hergeben. Andres rettete Ignaz Denner wiederholt aus den Fängen der Obrigkeit und lief Gefahr, dessen räuberische Straftaten zu decken.

Denner erwies sich von nun an als satanischer Bösewicht, der Andres' Söhne abschlachtete. Die ganze Stube war voller Blut, die Brust der Knaben zerschnitten. Und die Musik beschrieb dieses grausame Geschehen mit harten Staccato-Attacken. “Rette mein Kind aus den Klauen des Bösewichts", flehte Giorgina verzweifelt. Sie starb schliesslich. Nur der Sohn Georg überlebte und wurde von Andres zuletzt aus den Klauen des dämonischen Arztes Trabacchio befreit, der sich als Vater von Ignaz Denner und Giorgina entpuppte. Die Hinrichtung des Arztes Trabacchio geriet schliesslich zur grausigen Farce, denn der Arzt entging dem Scheiterhaufen und meldete sich mit gellendem Hohngelächter von der Anhöhe herab. Andres entging schliesslich seiner Hinrichtung. Das Gericht sprach ihn von der Unterstützung der Räuberbande frei. Und er machte Ignaz Denner und Trabacchio unschädlich. Melancholische und formal vielschichtige Klänge begleiteten dieses Ende mit eindringlicher Intensität. Überhaupt ergänzten sich Wort und Musik hier oftmals ideal. Dieses aufregende Lauschprojekt wurde übrigens von der Christian-Wagner-Gesellschaft Warmbronn veranstaltet.