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"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2013

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Sonntag - 08. September




"Ein Wasserrad für die Lahrensmühle"

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Die Achse des alten Mühlrads kommt wieder zum Vorschein. An der Wand die Schleifspuren von der hölzernen Radfelge.

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Die vorsichtig frei gelegte alte Radwelle.

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Bau des Widerlagers für die Radachse.

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Eine halbe Attrappe vermittelt die Grösse des einstigen Wasserrads.

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Frisch betoniertes Wasserbecken mit vollständiger Rad-Attrappe.

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Fertig gestelltes Wasserbecken.

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Teil der Holzfelge für das Wasserrad der Lahrensmühle.


Leonberg. In der Zimmerei Ziegler in der Bruckenbachstrasse wird ein neuer Antrieb für die Lahrensmühle gebaut. Für die erfahrenen Handwerker Willi und Jürgen Ziegler ist das Neuland. Sie erhalten damit ehrenamtlich ein Stück Heimatgeschichte.

Von Arnold Einholz (Leonberger Kreiszeitung 06. August 2013)

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach: Klipp, klapp! Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach: Klipp, klapp! Er mahlet uns Korn zu dem kräftigen Brot und haben wir dieses, so hat's keine Not! Klipp, klapp ...

Ganz so geschäftig wie in dieser alten Volksweise wird es in der Eltinger Lahrensmühle unten in der Glemsau auch in Zukunft nicht mehr zugehen. Doch dafür ist zur Zeit in Zimmerei Ziegler in der Eltinger Bruckenbachstrasse viel los. Unter anderem ist hier ein aussergewöhnliches Teil für die historische Mühle in der Mache: ein funkelnagelneues Wasserrad.


In einer Ecke der Werkshalle hat der Senior-Chef des Familienbetriebes, der 78-jährige Willi Ziegler, eine riesige Schablone liegen. Darauf ist bereits eine der beiden imposanten Holzfelgen des zukünftigen Wasserrades montiert. Die hat einen Durchmesser von 3,40 Meter. Kraftvoll wuchtet der Senior von einem Stapel eine Holzplanke, die ihn um einiges überragt, auf die Felge, um nachzuprüfen, ob sie auch richtig passt. Genau 30 dieser Planken werden später die Schaufeln des Wasserrades bilden und ihm eine Breite von 2,10 Metern verleihen. "Das ist bestes sibirisches Lärchenholz", streicht der Firmenchef Jürgen Ziegler über die glatt gehobelten und herrlich duftenden Bretter.

Er ist stolz, dass ein solches besonderes Stück in seiner Zimmerei gebaut wird. Das Lärchenholz sei in dem feuchten Medium eines Wasserkanales besonders widerstandsfähig gegen Pilze und Insektenbefall. "Durch fast konstante klimatische Bedingungen hat es sehr gleichmässige Jahresringe", schätzt der Fachmann die hohe Qualität des Holzes aus dem Norden. Früher habe man die Wasserräder aus Eichenholz gefertigt, doch heute werde die Lärche bevorzugt, erläutert Jürgen Ziegler.

Flink laufen die Räder und drehen den Stein: Klipp, klapp! Und mahlen den Weizen zu Mehl uns so fein: Klipp, klapp! Der Bäcker dann Kuchen und Zwieback draus bäckt, der immer den Kindern besonders gut schmeckt. Klipp, klapp, klipp, klapp ...

In der Lahrensmühle wird schon seit 1961 kein Mehl mehr gemahlen und auch die Futtermittelproduktion wurde schon 1975 eingestellt. Der Wasserkanal verschwand Ende der 60er Jahre, als die Glems begradigt und verdolt sowie das Gelände aufgefüllt wurde. Das alte Mühlrad und die Welle, über die die Kraft des Wassers in die Mühle übertragen wurde, verschwanden unter vier Meter Erde.

Bei der Restaurierung im Jahr 1999 hat der Inhaber Thomas Lautenschlager auch die Schuttberge aus dem Mühlkanal entfernt. "Wir haben vorsichtig gegraben, dabei die intakte Antriebswelle freigelegt und einige Radschaufeln gefunden", erinnert er sich. Das Wasserrad der Lahrensmühle ist oberschlächtig. Das bedeutet, dass das Wasser nach oben geleitet wird, auf die Schaufeln fällt und das Rad antreibt. Anhand der Reste der Schaufeln und der Spuren, die das alte Wasserrad in die Mauer geschliffen haben, konnte der ehemalige Durchmesser ermittelt werden. Daraufhin hat Lautenschlager eine Attrappe gebaut, um den Besuchern der Mühle eine ungefähre Vorstellung von den Ausmassen des Anlage zu übermitteln. Wie aus einem Artikel in der "Glems- und Würmgauzeitung" vom 29. Oktober 1912 hervorgeht, hat damals der Müller Emil Lautenschlager seine Mühle umgebaut und ein neues grösseres Wasserrad installiert.

"Vor allem anlässlich der Tage des offenen Denkmals wurde von Besuchern häufig die Idee vorgebracht, das Wasserrad neu zu bauen, das wäre doch das i-Tüpfelchen in der aufwendig restaurierten Lahrensmühle, meinten viele", erinnert sich Lautenschlager. Da er selbst das aber nicht finanziell stemmen konnte, sei ein Spendenkonto speziell für den Wiederaufbau eingerichtet worden. Das wurde an fangs von der Stadt Leonberg verwaltet, heute betreut es aus rechtlichen Gründen der Schwäbische Heimatbund.

Die Spendenbereitschaft sei überwältigend gewesen, so Lautenschlager. Von Kleinbeträgen bis zu 1000-Euro-Spenden sei alles dabei gewesen "Doch das neue Wasserrad wäre nicht möglich, wenn Zimmermeister Jürgen Ziegler nicht den Bau ehrenamtlich übernommen hätte", ist Thomas Lautenschlager voll des Lobes.

"Das ist einfach ein Stück Eltinger Heimat, das muss man unterstützen", sagt Jürgen Ziegler. “Es ist etwas besonderes, so etwas haben wir noch nie gebaut. Wenn es dann funktioniert, kann man ein bischen stolz sein", ergänzt auch Willi Ziegler. Er hat in den vergangenen Wochen fast ausschliesslich dafür gearbeitet, viele Arbeitsstunden werden noch folgen. Material, Bau und Montage würden sonst etwa 25.000 Euro kosten", rechnet Jürgen Ziegler vor.

Ein solches Antriebsteil zu bauen, ist leichter gesagt, als getan. "Das ist eine Technik, die man heute kaum noch kennt", sagt Zimmereimeister Jürgen Ziegler. Deshalb hat er sich mit Thomas Lautenschlager Rat von Eberhard Bohn in Kirchenkirnberg bei Murrhardt geholt. Der hatte einst eine Mühlenbauwerkstatt, der Senior betreut heute den Mühlenwanderweg im Welzheimer Wald. Er ist auch häufig mit Vorträgen zu Gast. So haben sie erfahren, dass wegen der sechs Speichen, deren Befestigungen bereits in die vorhandene Metallwelle eingegossen sind, die Anzahl der Schaufeln sich durch sechs teilen lassen muss.

Wenn reichliche Körner das Ackerfeld trägt: Klipp, klapp! Die Mühle dann flink ihre Räder bewegt: Klipp, klapp! Und schenkt uns der Himmel nur immerdar Brot, so sind wir geborgen und leiden nicht Not. Klipp, klapp, klipp klapp ...

Doch in der Lahrensmühle wird das neue Wasserrad keine Maschinen mehr antreiben. Auch wird kein Glemswasser in seine Schaufeln fliessen. "Es wird nur zu Schauzwecken dienen. Über eine Pumpe wird Wasser im einem Kreislauf nach oben befördert und fällt dann auf das Rad und bringt dieses in Bewegung", erläutert Lautenschlager. Doch bis es so weit ist, ist noch viel Arbeit zu verrichten. Der Besitzer der Lahrensmühle muss selbst noch das Wasserbecken und die Lager des Wasserrades instand setzen. Auch bei Ziegler ist noch viel zu tun, denn das Teil muss komplett in der Werkstatt vorgerichtet werden. Alles wird montiert, nummeriert und gekennzeichnet und wieder auseinander genommen, um dann vor Ort zusammengebaut zu werden. "Immerhin wiegt das Ganze so um die zwei Tonnen", sagt Jürgen Ziegler. Und ob es funktioniert, sehe man nur, wenn Wasser darüber läuft. Das erste Mal wollen Ziegler und Lautenschlager ihr grosses Werk am Tag des offenen Denkmals, am 8. September, präsentieren. Ob es dann funktionsfähig sein wird, lässt sich heute noch nicht einschätzen.




"Steinerne Zeugen geben Einblicke in die Geschichte"

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Spender und die Eltinger Familie Ziegler schenken der Lahrensmühle ein Wasserrad.

Von Ute Jenschur (Leonberger Kreiszeitung 09. September 2013)

Noch in der Nacht hatte es ausgiebig geregnet. Der Mühlenbesitzer hat immer wieder nach dem rechten gesehen und geprüft, ob das neue Mühlrad womöglich vom Regenwasser bewegt wird. Doch noch ist hier Muskelkraft gefragt. Denn derzeit fehlt die Schütte, die später das Wasser von oben auf das Rad transportiert, um es anzutreiben. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird es soweit sein. So bleibt Jürgen Ziegler und Thomas Lautenschlager nichts anderes übrig, als gemeinsam auf den Schaufeln des neuen Mühlrades entlangzulaufen, um es zur Eröffnung anzutreiben.

Sie machen das gerne, denn beide sind nicht nur am Tag des offenen Denkmals mit Herzblut bei der Sache. Der bundesweite Tag des offenen Denkmals bot Gelegenheit für eine bemerkenswerte historische Rundreise durch den Altkreis Leonberg, von einem Denkmal zum anderen. Insgesamt etwa 7500 historische Bauten und Stätten beteiligten sich in diesem Jahr an der Aktion, davon allein 20 im Kreis Böblingen. Viele davon sind sonst nicht, oder nur teilweise geöffnet. Den Startschuss im Altkreis Leonberg gab die Eltinger Lahrensmühle im Glernstal gleich morgens um zehn Uhr.

Als Lautenschlager 1999 mit der Restaurierung des Mühlenensembles aus dem Jahr 1576 begann, wurde er immer wieder von Besuchern auf das fehlende Mühlrad angesprochen. Die Radwelle gab es noch, wenn auch unter der Erde verschüttet. Das Getriebe hatte 45 Jahre still gestanden, die 200 Holzzähne waren verfault. Der Schwäbische Heimatbund richtete ein Spendenkonto ein für die Materialkosten und die Zimmerleute sicherten unentgeltlich ihre Arbeitskraft zu. Die sechs Mühlradsegmente wurden in rund 300 Stunden Arbeit von Willi Ziegler und seinem Sohn Jürgen aus Lärchenholz gefertigt und in den letzten Tagen vor Ort an der historischen Lahrensmühle montiert.

Dass sich das Rad mit Wasserkraft bewegt, kennt Lautenschlager noch aus der Kindheit. Mit der Begradigung der Glems verschwand der Wasserkanal. Mehl wird hier allerdings auch künftig nicht mehr gemahlen, das Mühlrad wird nur zu Schauzwecken laufen.

Und auch wenn das Rad noch nicht richtig in Betrieb ist, war es doch der Renner zum Tag des offenen Denkmals. Zur Stärkung der vielen Gäste wurde der rund hundert Jahre alte Holzofen der Mühle angeheizt und die Warmbronnerin Erika Quast sorgte für Lauch-, Speck- und Apfelkuchen. Die Fachwarte für Obst und Garten überzeugten die Gäste mit selbst gemachten Kuchen, Wein und Schnäpsen aus dem Streuobst der Lahrensmühle.




"Bewirtung rund um die Streuobstwiese"

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Obstbäume waren bis vor wenigen Jahrzehnten wichtig für die Selbstversorgung der Bevölkerung und für die Herstellung von Apfelwein und -saft. Obstbaumgürtel zogen sich früher um alle Dörfer. Durch die zahlreichen Neubaugebiete sind viele dieser Streuobstflächen verloren gegangen. Auch werden nur noch wenige Bäume und Wiesen gepflegt und genutzt. Junge Bäume werden kaum nachgepflanzt. Der Baumbestand ist daher überaltert. Da Obstwiesen zu den artenreichsten Biotopen und vor allem im Ballungsraum zu den beliebtesten Naherholungsgebieten zählen, kommt dem Streuobstbau eine grosse Bedeutung zu.

Die "Fachwarte für Obst und Garten" verwöhnten die Besucher mit Kaffee und Kuchen sowie anderen Produkten und informierten natürlich auch über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege.

Die Besucher konnten Kuchen mit heimischen Früchten geniessen, erlebten Obst aus der Heimat, und halfen so mit, ökologischen Anbau zu erhalten. Natur ist durch nichts zu ersetzen. Die Fachwarte bewiesen das schmackhaft.




"Alles aus Dinkel"

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Erika Quast zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten zaubert

Dieses Jahr war der Holzbackofen der Lahrensmühle wieder in heisser Aktion zu sehen. Der Ofen muss zunächst mit trockenem Holz oder Reisig befeuert werden. Beim Feuern hat sich die gesamte Ausmauerung mit Strahlungswärme gewissermassen vollgesogen. Vorübergehend lagert sich Ruß an den Wänden des Ofens ab, der bei ausreichender Temperatur aber wieder abbrennt. Wenn es heiß genug und das Holz gut durchgebrannt ist, wird der Ofen ausgeräumt. Nach Entfernen der Glut wird der Ofen ausgewischt, damit sich auch keine Asche mehr darin befindet. Die jetzt dem Gargut zugeführte Strahlung ist um ein Vielfaches intensiver als in jedem herkömmlichen Backofen. Das Backgut kann eingeschoben werden.

Auf die Besucher warteten herzhafte und süsse Überraschungen zum Verzehr.


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Jazz und Lyrik in der Lahrensmühle

Cécile Verny Quartett

"Fear and Faith"

Die Sängerin Cécile Verny und ihre Band haben in den vergangenen zwei Jahren die Zeit "on the road" genutzt, um zwischen Clubs, Auftritten und Festivals in Hotelzimmern spontan und ohne einschränkende Vorgabe zu jammen und im eigentlichen Sinne des Wortes herumzuspielen. Aus den so, mit minimaler Instrumentierung, gefundenen Stücken entwickelte die Band ein ansteckend frisches und grooviges Programm, das nun in einer grösseren, vielfältigen Instrumentierung auf der nunmehr achten CD des CVQ wie auf der Bühne zu hören ist.

In den jung und teils aggressiv anmutenden Songs betrachtet Cécile Verny sich und ihre Umwelt und artikuliert hart, eindringlich und zugleich empfindsam ihre Gefühle und Gedanken. " ... Angst und Glaube gehören dazu“ – so die Ausnahmesängerin. Die Musik – entstanden auf Bühnen, in Hotelzimmern und irgendwo dazwischen – belegt die Entwicklungsmöglichkeiten einer Band, wenn Stücke mal unter anderen Bedingungen entstehen!

Lineup:
Cécile Verny - vocal
Bernd Heitzler - basses
Andreas Erchinger - piano & keyboards
Lars Binder - drums & percussion



Veranstalter




"Poesie und Jazz vom Feinsten im idyllischen Glemstal"

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Leonberg. Das Cécile Verny Quartet hat mit seinem neuen Programm in der ausverkauften Lahrensmühle begeistert.

Von Rainer Enke (Leonberger Kreiszeitung 10. September 2013)

Immer wieder bieten die beliebten "Sonntagsgänge" der Christian-Wagner-Gesellschaft literarische Kostbarkeiten und hochkIassige musikalische Kleinodien. Ein schönes Ambiente dafür bietet immer wieder die Lahrensmühle. Hier gab am Sonntag zum Internationalen Tag des Offenen Denkmals und innerhalb der Reihe "Lyrik und Jazz" das Cécile Verny Quartet sein "Fear & Faith" überschriebenes Konzert.

Die Gruppe um die Sängerin Cécile Verny besteht seit 1989, in der heutigen Besetzung mit Andreas Erchinger am Piano, Lars Binder am Schlagzeug und Bernd Heitzler an den Bässen seit 1996. International viel unterwegs ist das Quartett inzwischen, war die vergangenen zwei Jahre auf Tour bei Festivals, Konzerten und Auftritten in Clubs. Kreativ wird die Band dazwischen in den Hotelzimmern, wo abseits des Programms an neuen Stücken gefeilt wird. "Wir haben uns dort die musikalischen Bälle zugeworfen, unsere Ideen entwickelt, nach Herzenslust losgejammt, bis es passte", erklärt Cécile Verny. So entwickelten sich Stücke von einzelnen Bandmitgliedern, manche wurden von zweien, manche auch von allen vieren geschrieben. Entstanden ist ein ansteckend frisches, grooviges Programm, manchmal mit beinahe agessiven Komponenten, aber auch ruhigen Balladen und sentimentalen Songs.

Dass das Quartett schon lange zusamen spielt, ist vom ersten bis zum letzten Stück zu spüren. Da passt jeder Einsatz, man verlässt sich "blind" aufeinander und das Zusammenspiel ist ein beeindruckendes Ganzes. Auch die Soli der Instrumentalisten, allesamt fantasievoll improvisiert, Freiheit lassend und doch ins musikalische Gesamtbild passend, überzeugen.

Seinem Schlagzeug entlockt Lars Binder feinste Schwingungen mit Besen und Schlegel, um dann beinahe eruptive Beets zu produzieren. Er bietet eine Rhythmusgrundlage, die stabil und zuverlässig ist, aber auch spontan. Dasselbe gilt für den Bassisten Bernd Heitzler, der mit Kontrabass, zwei E-Gitarren und einer Bass-Gitarre Rhythmus und Melodie beisteuert, wobei er mit der ausgeklügelten Fusspedalerie akribisch alle Klangvariationen ausjustiert. Die leisen wie die lauten Töne, flirrende Melodiebögen, Stakkati, ostinate Begleitungen, bombastische Klangteppiche und facettenreiche Soli in teils irrem Tempo legt Andreas Erchinger an seinem Pfeiffer-Piano und dem Keyboard - manchmal spielt er beides gleichzeitig - vor. Auf dieser professionellen instrumentalen Grundlage kann sich Cécile Verny stimmlich voll entfalten, und das tut sie mit Hingabe und riesiger Freude am Gesang. Ihre warme Altstimme verändert sie wie ein Chamäleon seine Farbe. Sie singt bluesig, jazzig, rockig, sie kann leise hauchen, sentimentales Timbre verbreiten, um in anderen Stücken laut, zornig, fröhlich die gesamte erstaunliche Dynamik auszuschöpfen. Ihre Texte sind faszinierend, egal, ob sie englisch oder französisch singt. So stellt sie sich Gott und die Engel als Frauen vor, singt verzweifelt vom Schicksal afrikanischer Flüchtlinge in Europa, und auch in anderen Songs gehen Traum und Wirklichkeit getrennte Wege.

Verträumte Balladen und ein vertontes Liebessonett aus dem 19. Jahrhundert schaffen mentalen und akustischen Ausgleich zur überwiegend "toughen" Musik. Ein Programm, das die Zuhörer in der Lahrensmühle mitnimmt und begeistert.