Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2014

"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2014

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Sonntag - 14. September




"Das Wasserrad der Lahrensmühle"




Die Zimmerei Ziegler aus der Bruckenbachstrasse präsentierte das neue Mühlrad in Aktion

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Das Wasserrad der Lahrensmühle ist “oberschlächtig”: das Wasser zum Antrieb der Müllereimaschinen wird von oben an das Mühlrad herangeführt, wie die Zeichnung verdeutlicht.


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Über die links sichtbare Schütte gelangt das Wasser in die Schaufeln des Mühlrads. Eine um die andere Schaufel nimmt das herangeleitete Wasser auf: Das Rad dreht sich.

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Früher wurde das Wasser der Glems aufgestaut und im Mühlkanal zum Wasserrad geführt, das verborgen in der sogenannten Wasserstube montiert war.


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Die ursprüngliche Planung, die Wasserzufuhr wieder über den früheren oberen Kanal herzustellen, muss leider aufgegeben werden. Seit der Verlegung der Glems haben sich die wassergeologischen Verhältnisse so stark verändert, dass der geregelte Abfluss des herangeführten Glemswassers nicht mehr gewährleistet ist.

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So war der Stand zum Denkmalstag 2013: das Mühlrad ist fertig zusammengebaut, aber die Wasserzufuhr fehlt noch. Dieses Jahr treibt erstmals Wasser das Mühlrad an.


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Die Länge der Schütte musste empirisch ermittelt werden. Hier endet sie noch in der Mitte des Wasserrads.

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Damit die Schaufeln des Mühlrads richtig gefüllt werden, muss das Wasser bis vor die Radachse herangeführt werden. Eine 800-Liter-Pumpe besorgt die notwendige Wasserzufuhr.






"Bewirtung rund um die Streuobstwiese"

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Die Blütezeit der Streuobstwiesen war um 1900. Dörfer und Bauernhöfe sind von Obstbäumen umgeben, die mit hohen Stämmen auf Wiesen wachsen. Vor allem sind die Obstwiesen zur Deckung des Eigenbedarfs angelegt, Obst, Most, Saft, Marmelade, Dörrobst und Honig werden erzeugt. Die Obstwiesen schützen die Dörfer und Einzelhöfe vor Wind, mildern Nachtfröste, verhindern Bodenerosion, spenden Schatten für Mensch und Tier und sind außerdem Frischluftlieferanten.

Die unregelmässig im Gelände verteilten Obstbäume mit den umgebenden Kräutern und Gräsern bilden ein einmaliges Biotop. Pflanzen und Tieren finden hier ein hervorragendes Zuhause. Bis zu zweitausend Tierarten sind zu finden, in der überwiegenden Mehrzahl Insekten, de bei der Bestäubung der Blüten tatkräftig mitwirken. Und zahlreiche Vogelarten finden in einer Streuobstwiese ihr Zuhause.

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Die "Fachwarte für Obst und Garten" boten eine Vielfalt an Geschmackserlebnissen und informierten natürlich auch über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege.





"Backen mit dem Holzbackofen"

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Erika Quast zeigte, wie man mit einem Holzbackofen Köstlichkeiten aus Dinkel zaubert

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Auch dieses Jahr war der Holzbackofen der Lahrensmühle wieder in heisser Aktion zu sehen. Das Backen im Holzbackofen erfordert längere Vorbereitungen: Das Feuer muss mit absolut trockenem Holz entzündet werden, für besonderes Aroma haben manche Bäcker Vorlieben für ganz bestimmtes Holz, z. B. von der Eiche. Für gleichmässige Beheizung muss regelmässig Holz nachgelegt werden. Dann wird die Glut mit dem Schieber in Stufen nach vorn gezogen, um eine gleichmässige Verteilung der Hitze sicher zu stellen. Vor dem Backen müssen die verbliebene Glut und die Asche aus dem Ofen entfernt und die Backfläche mit einem nassen Lappen oder Jutesack von Asche- und Glutresten saubergerieben werden. Das Backgut kann eingeschoben werden.

Auf die Besucher warteten herzhafte und süsse Überraschungen zum Verzehr.




"Jazz und Lyrik in der Lahrensmühle"




Zwischen Orient und Okzident
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Duo Limes X und Jusuf Naoum
Patrick Bebelaar – Klavier, Bernd Settelmeyer – Percussion, Schlagzeug

Jusuf Naoum, der einzige Kaffeehausgeschichtenerzähler Deutschlands, ist einer der humorvollsten Erzähler überhaupt. Auf wunderbare Weise kontrastieren bei ihm die traditionelle Erzählweise und Geschichten, die direkt in der Gegen-wart seiner Zuhörer und Zuhörerinnen angesiedelt sind. Einzigartig auch seine Zusammenarbeit mit dem Jazz-Duo Limes X. Im Spannungsfeld von orientalischer Erzählkunst, die mit Jazz-Musik verwoben wurde, erlebt das Publikum eine ausgefeilte Collage voller Poesie, Humor und ungeahnter Pointen, die Jusuf Naoum mit blitzenden Augen aus der Luft zu zaubern scheint.

Patrick Bebelaar – Klavier
Landesjazzpreisträger Baden Württemberg 2000. Seine CDs "Raga" und "Passion" wurden für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Auch durch seine Zusammenarbeit mit u.a. Michel Godart, Günter Lenz oder Herbert Joos machte er sich einen Namen als "eines der größten Pianotalente der letzten Jahre". (W. Stiefele)

Bernd Settelmeyer – Percussion, Schlagzeug
studierte bei Pierre Favre an der Hochschule für Musik in Stuttgart. Er hat sich einen Namen als Schlagzeuger gemacht und spielte auf CDs neben so internationalen Größen wie Fred Frith und Maria Joaõ.

Jusuf Naoum
geboren 1941 in El Mina/Tripoli im Libanon immigrierte Naoum 1963 nach dem Abitur nach West-Berlin. Dort absolvierte er die Hotelfachschule und wurde später Physiotherapeut. Nebenbei begann er zu schreiben und machte sich 1983 als freier Schriftsteller selbständig. Das gute Ende dieser Geschichte: Naoum hat bis heute zahlreiche Bücher veröffentlicht, sich einen Namen als Märchen- und Kaffeehausgeschichtenerzähler gemacht, Hörspiele und Märchen im Radio produziert, Drehbücher für das Fernsehen geschrieben und mit der Jazzgruppe Limes X eine CD produziert.

Veranstalter


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Geschichten aus Berlin und Beirut

Leonberg „Limes X" und der Kaffeehauserzähler Jusuf Naoum bereiten ihrem Publikum einen poetischen Abend.

Von Barbara Bross-Winkler (Leonberger Kreiszeitung 16.09.2014)

Eine ungewöhnliche Mischung hat die Christian-Wagner-Gesellschaft mit ihrer Einladung zu "Lyrik und Jazz" in der ausverkauften Lahrensmühle beschert. "Zwischen Orient und Okzident" hiess das Programm aus Kaffeehausgeschichten mit Jusuf Naoum und dem Duo Limes X. Aus dem wahrhaft breiten Feld zwischen diesen Polen stammen auch die Protagonisten des Abends, Jusuf Naoum aus dem Libanon, die Musiker aus dem "Okzident": Das zwischenzeitlich vom Trio zum "Duo Limes X" umfunktionierte Jazz-Ensemble besteht aus Patrick Bebelaar (Klavier) und Bernd Settelmeyer (Percussion und Schlagzeug).

Kennengelernt haben sich Musiker und Erzähler übrigens vor fast 20 Jahren ebenfalls an einem ungewöhnlichen Ort, wie die Recherchen von Oberbürgermeister Bernhard Schuler in der Pause ergaben: in Wolgograd.
Zum besonderen Flair des märchenhaften Abends tragen auch jene ungewöhnlichen zwischen Orient und Okzident angesiedelten Percussionsinstrumente bei, die Bernd Settelmeyer mitgebracht hat: Neben einem "normalen" Schlagzeug sind das unter anderem eine Bettflasche, ein metallenes und wassergefülltes Waterphone sowie ein auf dem Prinzip der Röhrenglocken basierendes Klanggebilde aus Metallröhren an kurzen Seilen. Nicht zu vergessen die Bechertrommel Darbuka und eine tabla-verwandte indische Trommel. Bebelaar und Settelmeyer spielen an diesem Abend vor allem Eigenkompositionen, etwa den so glutvollen wie melancholischen Tango, das orientalisch angehauchte "Oued" oder den von indischer Musik inspirierten "Raga". Und einmal, zu einer Geschichte über Kirschbaumblüten, improvisiert Bebelaar frei.

Leise und dezent, ohne ihn zu übertönen, begleiteten die beiden Musiker aber auch die skurrilen und von großer Erzähllust geprägten Geschichten des einzigen Kaffeehauserzählers Deutschlands, Jusuf Naoum. Da streichelt der Percussionist mit seinen Drumsticks auch mal nur zart über das Becken und Bebelaar zupft an den Saiten im offenen Klavier. Passend zu den "wahren" fantastischen Geschichten, etwa der Liebesgeschichte von Tante Maryam zu Onkel "You know", der aus Amerika nach Beirut im Privatjet zurückkommt, und in der eine Gummipuppe, das Alter, Toupets und Sauerstoffgeräte eine schräge Rolle spielen, lassen die beiden Musiker auch bekannte Titel wie "As time goes by" und "New York, New York" erklingen.

Naoum erzählt unterdessen gut gelaunt und in lukullisch breitem Erzählfluss seine an Baron Münchhausen und Till Eulenspiegel erinnernden Geschichten, die etwa die ungewöhnlichen Erlebnisse des zwischen München und Berlin gestrandeten libanesischen Tierarztes Abu El Abed alias Jusuf Naoum nacherzählen. Der erlebt in München erstaunliche Dinge zwischen Schuhplattler, Dirndl und den seltsamen Pinseln, die bayerische Männer so kunstvoll auf ihren Hüten spazierentragen.

Doch Naoums Geschichten funktionieren nicht wie hiesige Anekdoten oder Witze. Sie sind getragener, breiter, voll märchenhafter Skurrilität und Räuberpistolen-Charme. Aus den Geschichten, die Naoum gekonnt, mit kleinen Pausen an der richtigen Stelle, mit knitzem Lächeln und sprechenden Händen auf der winzigen Bühne erzählt, spricht viel Menschenliebe und Verständnis für die Listen und kleinen Betrügereien, derer sich die einfachen Menschen bedienen, um irgendwie ihr Leben zu meistern. Annette Kollmann von der Christian-Wagner-Gesellschaft überreichte den drei Meistern des Abends schöne Rosen. Das Publikum spendete dazu viel Applaus.