Startseite Veranstaltungen im Rückblick "Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2015

"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2015

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Sonntag - 13. September




"Die Wasseranlage der Lahrensmühle"



Bilder der Wasseranlage der Lahrensmühle aus der Verangenheit und das neue Mühlrad in Aktion

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Bildergalerie vom Bau des Wasserrads.

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Auch das mächtige Getriebe konnte besichtigt werden.


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Lageplan der früheren Wasseranlage.

Das einstige Mühlrad der Lahrensmühle quittierte schon Anfang der 1960er-Jahre seinen Dienst, die zugehörige Wasseranlage konnte rund 10 Jahre dem damals modernen Drang zur Glemsbegradigung und -verdolung  nichts entgegensetzen und wurde eingeebnet und zerstört.
Im Zuge der Restaurierung der Lahrensmühle entstand jedoch breites öffentliches Interesse an der Wiederherstellung eines Mühlrads – untermauert durch zahlreiche private Spenden.
Indes musste der lang gehegte Wunsch, das künftige Mühlrad mittels einer neuen Wasseranlage zu betreiben, aufgegeben werden. Sich häufende Starkregen-Ereignisse und wachsende Bodenversiegelung liessen es geraten erscheinen, die Mühle vor Wasser zu schützen, statt noch mehr Wasser heranzuführen. Ausschlag für diese Entscheidung gab das katastrophale Hochwasser von 2010.
Trotzdem kann man am Tag des offenen Denkmals das von Spenden finanzierte und mit freiwilliger Arbeitsleistung vom Zimmergeschäft Ziegler 2013 erbaute Wasserrad in Aktion sehen. Eine Pumpanlage macht es möglich. Die Wasseranlage kann man an manchen Geländekonturen noch erahnen. Oder in alten Bildern auf unserer Internetseite erleben.

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Das Mühlrad dreht sich zur Freude aller Gäste.




"Bewirtung rund um die Streuobstwiese"

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Die "Fachwarte für Obst und Garten" bewirteten die Besucher

Streuobstwiesen sind ein traditionelles und landschaftsprägendes Element der bäuerlichen Kulturlandschaft. Der Begriff Streuobstwiese ist erst seit den 1970er Jahren bekannt als Abgrenzung zu den intensiv bewirtschafteten Niederstammkulturen des Erwerbsobstbaus. Hochstämmige Obstbaumarten (Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Walnuss u. a.) unterschiedlicher Altersstruktur stehen auf wenig genutzten Wiesen mehr oder weniger unregelmässig gestreut. Die Vielfalt der Obstbäume ist über viele Jahrhunderte entstanden und hat regional standortangepasste und robuste Sorten hervorgebracht.

Der Lebensraum Streuobstwiese setzt sich zusammen aus Elementen und Strukturen der lichten Wälder, Waldränder und Wiesen. Sie bieten bedrohten Tier- und Pflanzenarten als ökologische Nischen einen Ersatzlebensraum. In Baden-Württemberg existiert heute nur noch etwa ein Drittel des ursprünglichen Bestands an Streuobstwiesen. Aufgrund der genannten Besonderheiten ist der Schutz von Streuobstwiesen in unserem Raum sehr wichtig.

Die "Fachwarte für Obst und Garten" boten eine Vielfalt an Geschmackserlebnissen und informierten natürlich auch über die ökologische Bedeutung der Landschaftspflege.

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"Backen mit dem Holzbackofen"

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Erika Quast warf den historischen Holzbackofen an und zauberte Köstlichkeiten aus Dinkel.

Auch dieses Jahr war der Holzbackofen der Lahrensmühle wieder in heisser Aktion zu sehen. Schon die Griechen in der Antike schätzten wegen des besonders schmackhaften Ergebnisses Backöfen aus Lehm, die mit Holz beheizt wurden. Die Ofenkammern werden mit Holzscheiten auf eine Temperatur von etwa 600° C gebracht. Dabei steigt die Hitze in das Gewölbe des Ofens. Die Oberhitze ist deshalb größer als die Unterhitze. Bevor das Backgut eingebracht wird, muss der Ofen von der Asche gereinigt werden. Dabei kühlen die Schamottsteine auf etwa 280°C herunter. Brot braucht im Ofen ungefähr eine Stunde, bis es fertig ist, kleineres Backgut entsprechend weniger. Die besondere Kruste entwickelt sich beim Backen auf den heissen Steinen. Die Wärme im Ofen ist nie gleich, sodass jedes Gebäck seinen eigenen Geschmack entwickelt.

Auf die Besucher warteten herzhafte und süsse Überraschungen zum Verzehr.

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"Jazz und Lyrik in der Lahrensmühle"




Cécile Verny Quartet  – „...Memory Lane“-Tour 2014/15
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zur aktuellen CD und DVD „Memory Lane“ (VÖ.14.11.2014 / Jazzhaus Records)

Nachdem die Band 2013 ihr achtes vielbeachtetes und von einer stilistischen Weiterentwicklung geprägtes Studioalbum "Fear & Faith" vorgelegt hat, präsentiert das deutsch-französische Quartet nun im 25. Jahr seines Bestehens mit "Memory Lane" auf einer live-CD/DVD und natürlich auch live auf der Bühne eine Mischung aus jüngeren und älteren Kompositionen aus dem Fundus dieser besonderen Band mit ihrer Ausnahmesängerin Cécile Verny. Auf der Reise entlang der "Memory Lane" zeigt sich das CVQ extrem abwechslungsreich ohne – wie auch in der gesamten Entwicklung der letzten 25 Jahre – dabei seine musikalische Identität zu verlieren. Im Gegenteil: Genau durch diese nicht beliebige Vielfalt definiert sich die Band. Der Weg führt von bluesigem Swing, bis hin zur hymnischen (Soul) Ballade mit weitem dramaturgischem Atem und zum reizenden Bossa. Cecile Verny kostet dabei ihr ganzes vokales und musikalisches Spektrum aus und zeigt, welche fantastische Stimmendramaturgie sie zaubern kann. Sie und die Band bewegen sich dabei archaisch bluesig, lässig groovend, rockig schiebend, erdig stampfend genauso wie rhythmisch raffiniert, melodisch kokett, melancholisch delikat und auch gebetsmässig inbrünstig bis gospelig.... und das alles immer mit grossartiger Musikalität, grosser Spielfreude, tiefem Soul und improvisatorischem Erfindungsreichtum.

Lineup:
Cécile Verny: vocal, keyboard
Bernd Heitzler: basses, backingvocal
Andreas Erchinger: piano & keyboard, backingvocal
Lars Binder: drums & percussion, backingvocal

Veranstalter Warmbronn e.V.


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Voller Glut und trotzdem melancholisch

Begeisterndes Konzert in der Lahrensmühle: Cécile Verny und ihre Musiker

Von Gabriele Metsger (Leonberger Kreiszeitung 16.09.2015)

Leonberg - Man kann sich kaum satthören an den Songs, die das Cécile Verny Quartet am Sonntagabend in der Lahrensmühle präsentiert. Schon zum fünften Mal sind sie in Leonberg zu Gast. Organisiert hat das Konzert wieder die Christian-Wagner-Gesellschaft, die traditionell am Internationalen Tag des offenen Denkmals Thomas Lautenschlagers Lahrensmühle bespielt. Das Quartett hat offenbar in Leonberg seinen Ruf: Das Konzert ist bis auf die allerletzte Karte ausverkauft.

Seit 25 Jahren gibt es die Formation inzwischen. Grund genug, eine Auswahl von Songs der zahlreichen in diesem Zeitraum veröffentlichten und teilweise mit Preisen ausgezeichneten Alben zusammenzustellen und dem aktuellen Sound des Ensembles anzupassen. Die Jubiläums-CD "Memory Lane" stellte das Quartett am Sonntag vor. Ein Live-Hörgenuss.

Die Stimme von Cécile Verny, die an der Elfenbeinküste geboren wurde, in Frankreich aufgewachsen ist und perfekt Deutsch spricht – sie ist ungemein wandlungsfähig. Und die Kompositionen, die in unterschiedlichen Varianten allesamt aus der Feder der Bandmitglieder Andreas Erchinger (Piano), Bernd Heitzler (Bass) und Lars Binder (Schlagzeug) stammen, lassen sich in keine musikalische Schublade stecken. Es sei denn, es stünde vielleicht Cécile Verny Quartet drauf. Denn trotz der vielen unterschiedlichen Facetten ist das Konzert musikalisch wie aus einem Guss.

Eine der großen Stärken der Sängerin, den Scat-Gesang, improvisiertes Wiedergeben bewusst sinnloser Silben, präsentiert sie in allen denkbaren Spielarten. Glutvoll und mit einen ordentlichen Schuss Melancholie gleich bei der ersten Nummer des Abends "I would", geschrieben vom Pianisten An­dreas Erchinger. Kräftige Beats und ein härteres Klangbild dominieren in "The Wild Heart Of The Earth" von Bassist Bernd Heitzler. Erchinger tauscht bei diesem Song das Klavier mit dem Keyboard. Kantig ist der Sound, regelrecht trocken, dabei herrlich funky und voller Spannung.

Einen Hauch von Glamour mischt Cécile Verny dem Titel "Snow Falling" bei. Er ist den Sängerinnen Whitney Houston und Amy Winehouse gewidmet, die, so erzählt Verny, sie mit ihrer Stimme und ihrer Art zu singen sehr berührt hätten. Zugleich probiere sie hier neue Möglichkeiten aus, mit ihrer eigenen Stimme umzugehen.

Das lässt sich beim Zuhören nachvollziehen: Überdeutlich und lautmalerisch ist an manchen Stellen die Artikulation. Cécile Verny gibt Power, verfällt gegen Ende regelrecht ins Schreien. All das im Dialog mit Bernd Heitzlers akustischem Saitenspiel und den Klängen von Andreas Erchinger, der simultan dem Keyboard und dem akustischen Klavier Töne entlockt. Dass die vielseitige, sehr authentische und charmante Sängerin bei der Ballade "On Another’s Sorrow" die schwarzen Lackpumps abstreift, ist kein Zufall. Irgendwie könne sie Balladen ohne Schuhe besser singen, erläutert sie nonchalant. Und man glaubt ihr. Mit reduzierten Mitteln, dafür großer gestalterischer Freiheit, präsentiert das Quartett Erchingers Vertonung eines Gedichtes von William Blake.

Die Urkraft traditioneller Gospelsongs strahlt "Lord have mercy" aus, rau und rebellisch ist der Song "No ID", mit dem das Quartett schon vor drei Jahren auf die Situation der Flüchtlinge aus Schwarzafrika aufmerksam machen wollte, die eine Heimat und eine Familie zurücklassen und sich plötzlich als Teil einer namen- und gesichtslosen Masse wiederfinden. Wilde, fast chaotische Passagen machen die Verzweiflung der Menschen spürbar. "Wir fanden das schon 2012 nicht in Ordnung", sagt Verny. "Und es ist seither nicht besser geworden." Auch das spricht aus der Musik des bemerkenswerten Ensembles: echte Aufrichtigkeit.