"Internationaler Tag des offenen Denkmals" 2017

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Sonntag - 10. September




"Das Wasserrad der Lahrensmühle"


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Das Mühlrad in Aktion

Bereits im römischen Zeitalter wurden Wasserräder für den Antrieb von Mahlmühlen genutzt. Ganz so alt ist die Wasseranlage der Lahrensmühle nicht, aber immerhin ist das älteste erhalten gebliebene Schriftstück über die Wasseranlage der Lahrensmühle aus dem Jahr 1767.
Das einstige Mühlrad der Lahrens­mühle quittierte schon Anfang der 1960er-Jahre seinen Dienst. Mehr als 40 Jahre war die Mühlrad­welle zugeschüttet und mit Erde bedeckt.
Die ursprüngliche Planung, die Wasserzufuhr wieder über den früheren Mühlkanal herzustellen, musste leider aufgegeben werden. Seit der Verlegung der Glems haben sich die wassergeologischen Verhältnisse so stark verändert, dass der geregelte Abfluss des herangeführten Glemswassers nicht mehr gewährleistet ist.

Trotzdem konnte man das von Spenden finanzierte und mit freiwilliger Arbeitsleistung vom Zimmereigeschäft Ziegler erbaute Wasserrad in Aktion sehen.

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Bildergeschichte vom Bau des Wasserrads.




"Bewirtung rund um die Streuobstwiese"

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Frisch gepresster Apfelsaft von der Streuobstwiese.


Die "Fachwarte für Obst und Garten" bewirteten die Besucher

Streuobstwiesen sind ein traditionelles und landschaftsprägendes Element. Das Ziel war, das Land intensiver zu nutzen. Prinzip ist ein doppeltes Anbausystem: unten Gras oder Acker, oben der Baum. Im 19. Jahrhundert hatte der Streuobstanbau eine große kulturelle, soziale, landschaftsprägende und ökologische Bedeutung. Leider hat die Intensivierung der Landwirtschaft sowie das Bau- und Siedlungswesen dazu beigetragen, dass sich der Anteil der Streuobstwiesen stark dezimiert hat. Heute gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas (siehe auch Rote Liste der Biotoptypen). Streuobstwiesen bilden den Lebensraum für über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten. Bekannte Obstbaumarten sind u.a. Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge und Walnuss. Zu den Tieren gehören Charakterarten wie Steinkauz, Wendehals und Grünspecht. Streuobstwiese bieten bedrohten Tier- und Pflanzenarten als ökologische Nischen einen Ersatzlebensraum. In Baden-Württemberg existiert heute nur noch etwa ein Drittel des ursprünglichen Bestands an Streu­obstwiesen.

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"Backen mit dem Holzbackofen"

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Köstlichkeiten aus Dinkel

Auch dieses Jahr war der historische Holzbackofen der Lahrensmühle wieder in heisser Aktion zu sehen. Eine aufwändige Vorbereitung und viel Wissen sind notwendig, um einen Holzofen richtig zu bedienen. Historische Holzbacköfen werden direkt befeuert. Das bedeutet, es gibt keine Trennung von Backraum und Feuer. Der Ofenraum wird mit Reisig und Holz befeuert. Nach dem Hochheizen wird die restliche Glut entnommen und das Backgut kann eingelegt werden. Durch die hohe Anfangs­hitze bildet sich beim Brotbacken schnell eine leckere Kruste und ein unverwechselbares Aroma.

Auf die Besucher warteten von Erika Quast gebackene herzhafte und süsse Überraschungen zum Verzehr.

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"Lyrik und Jazz und in der Lahrensmühle"



Cécile Verny Quartet - Vocal, Mainstream, Jazz & Soul

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Foto Felix Groteloh


Dass es das Cécile Verny Quartet schon über 25 Jahre gibt, hat nicht nur mit der extrem hohen Qualität der Formation, ihrer erfrischenden Wandlungsfähigkeit und der Treue ihrer Fans zu tun. Längst gilt Cécile Verny als eine der größten Sängerinnen der modernen Unterhaltungskultur und ihre eingespielte Band um Bernd Heitzler, Andreas Erchinger und Lars Binder als ein musikalischer Organismus, der seinen Star in jeder Lebens- und Bühnenlage stützt, stärkt und leuchten lässt. Keine andere Künstlerin verstand es in der zurückliegenden Dekade besser, die rasante Wandlung  des Jazz von der einst puristischen Swing-Form hin zu einem offenen, erregenden Sound-Biotop in den Grenzbereichen von Improvisation, Soul, Funk, Folklore sowie anspruchsvollem Pop eindrucksvoller darzustellen als die charismatische Sängerin mit den französisch-afrikanischen Wurzeln.

Seit 10 Jahren ist das Cécile Verny Quartet regelmäßig in der Lahrensmühle zu Gast und hat ihrem Publikum unvergessene Konzerterlebnisse geschenkt – eine Begegnung mit einem Weltstar in intimer Atmosphäre.            
(Weitere Infos: www.cvq.de)

Lineup:
Cécile Verny: vocal
Bernd Heitzler: basses
Andreas Erchinger: piano & keyboard
Lars Binder: drums & percussion

Veranstalter Warmbronn e.V.


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Songs mit Geschichte und Persönlichkeit

Von Gabriele Metsker (Leonberger Kreiszeitung 13.09.2017)

Leonberg Das Cecile Verny Quartet spielt in Leonberg vor vollem Haus.

Das Cécile Verny Quartet kommt gerne nach Leonberg – und die Leonberger kommen gerne zum Cécile Verny Quartet. Und so ist es kein Wunder gewesen, dass das Ensemble am Sonntagabend im Rahmen des Internationalen Tags des offenen Denkmals schon zum fünften Mal zu Gast waren. Vor zehn Jahren hat die Christian-Wagner- Gesellschaft sie zum ersten Mal eingeladen. Die vier Musiker spielten vor vollem Haus – und besser denn je. Von der Uraufführung bis zum „Best of“ war beim Programm alles vertreten.

Passend zur Jahreszeit machte der Titel „Automne“ den Anfang, so heißt der Herbst auf Französisch. Sängerin Cécile Verny hat französische Wurzeln, weswegen, wie sie anmerkte, das erste Set auch etwas französischlastig war. Weil Verny aber immer auf sehr charmante Weise erzählte, worum es im jeweiligen Song ging, war es gar nicht unbedingt notwendig, die Texte zu verstehen. Ohnehin lebt die Musik des Quartetts zu großen Teilen von der betörenden Homogenität des Klangs, der freilich von Song zu Song wechselt und dabei jeweils eine ganz eigene Persönlichkeit besitzt. In „Automne“ wie auch bei vielen anderen Nummern zeigte sich die Sängerin als Meisterin des Scat-Gesangs und bewies, wie ungeheuer vielseitig die menschliche Stimme sein kann, wenn man sie als reines Klanginstrument einsetzt. Um den Nuancenreichtum der verfärbten Blätter im Herbstwald ging es, die den Maler verzweifeln lassen, weil es ihm partout nicht gelingen will, sie zu malen. Mit einem Augenzwinkern entstand wohl der Text zur zweiten Nummer „À Gainsbourg“, den Pianist Andreas Erchinger komponiert hat. Sie habe sich immer gewünscht, dass der große französische Chansonnier etwas für sie schreibe, erzählte Cécile Verny. Allerdings haben die beiden sich nie persönlich kennengelernt – und außerdem möge Gainsbourg keine Sängerinnen mit starken Stimmen. Also habe sie sich selbst helfen müssen. Ziemlich funky groovte diesmal die Band, zu der neben Erchinger am Klavier Bernd Heitzler am Bass und Lars Binder an den Drums gehören. Ein leiser Hauch von Ironie machte das Mitgrooven bei diesem Titel besonders vergnüglich.

Mehrere Vertonungen von Gedichten aus der Feder des englischen Poeten William Blake standen auf dem Programm – die Spezialität von Andreas Erchinger. Sanft und balladesk gab sich beispielsweise „A poison tree“, in dem es darum geht, wie schädlich Ärger sich auswirken kann, wenn er nicht ausgesprochen wird. Ganz ruhig und leise strahlte diesmal das Timbre der Sängerin. Ganz anders „The wild heart of the earth“, das Bassist Bernd Heitzler geschrieben hatte. Starke, trockene Beats schufen eine coole, positive Grundstimmung mit guten Gelegenheiten für grandiose Soli. Auch von Schlagzeuger Lars Binder war eine Komposition mit dabei: „Seule, tout seule“, eine „Heavy-Metal-Ballade“, wie Verny und Binder witzelten. Zu kraftvollen Afro-Beats gesellten sich schwelgerische Klänge und eine starke, strömende Stimme. Gut vermittelte sich da der Inhalt, in dem es darum ging, wie ein Mensch seine Angst besiegt und mutig voranschreitet.

Als Dank für die Treue schenkte das Ensemble seinem Publikum nach dem langen und begeisterten Applaus eine besondere Zugabe: die erste öffentliche Aufführung von „I heard an angel singing“. Die leuchtend warme Ballade entließ die Zuhörer in den bereits recht kühlen Herbstabend.