Startseite Wasseranlage Ein Mühlrad für die Lahrensmühle

Ein Mühlrad für die Lahrensmühle

Drucken


Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist (Victor Hugo).




Begonnen hat alles damit, dass im Zuge der Restaurationsarbeiten an der Lahrensmühle 2 Meter unter dem angefüllten Erdreich die Welle des alten Wasserrads nach 40 Jahren wieder freigelegt wurde.


Gefunden wurden auch Teile, die Rückschlüsse auf die Form der Schaufeln und die Machart des Rads möglich machten.

Ein befreundeter Ingenieur konnte damit eine Zeichnung erstellen, welche die vermutliche Dimension des Rads wiedergibt: Durchmesser etwa 3,40 m, Breite etwa 2,30 m Meter, 24 Schaufeln.


Zum Tag des offenen Denkmals 2003 wird zum ersten Mal die Idee zum Mühlradbau der Öffentlichkeit präsentiert. Die Resonanz ist gross. Balken symbolisieren die obere Hälfte des Rads.

Eine Baufirma wurde beauftragt, die Welle vollständig freizulegen und damit den Bau des Mühlrads erst zu ermöglichen.


Das Desaster nimmt seinen Lauf: Loses Erdreich, Grundwassereintritt, die äussere Lagerung der Welle drohte abzustürzen.

Der Bau eines Betonbeckens zur Stabilisierung der Welle, aber auch zur Sicherung des Wasserstands unter dem Rad war unumgänglich.


Nächste Hiobsbotschaft: Das Becken füllt sich von der Rückseite her – also über die Mühlenwand. Dort muss also auch eine wasserdichte Wand entstehen.

Um Platz für die Rückwand zu schaffen, muss das Rad schmäler werden. Der innere Naben-Stern des Rads (die Rosette) muss also versetzt werden.


Nur mit Trennschleifer und Gewalt lässt sich die Rosette auf der über 100 Jahre alten Welle lösen.

Endlich geschafft: Die Rosette wird um 40 cm nach aussen verschoben, das Mühlrad wird dadurch später einmal schmäler. Aber die Rückwand des Beckens kann nun gebaut werden.


Anschliessendes Zusammenschweissen der Rosette. Viele freiwillige Helfer finden sich ein.

Nächste Etappe. Die Lagerung des Rads wird überprüft. Dazu muss die Welle mit einem Wagenheber aus der Lagerschale gehoben werden.


Nicht mehr ganz taufrisch zeigt sich der Wellenstumpf nach der Entrostung, doch nach Auskunft von Mühlenspezialist Eberhard Bohn bestehen keine Bedenken gegen eine Weiterverwendung.

So macht die Sache schon einen ganz brauchbaren Eindruck: Zur Veranschaulichung der Rad-Dimension dienen Holzspeichen und Bänder, die der Zimmermann montiert hat.


Nun soll das Wasserrad mechanisch mit dem Mahlwerk verbunden werden. 44 Holzzähne fertigt Mühlenbauer Robert Vetter dazu unter  Aufsicht von Spezialist Eberhard Bohn.

Gleiches Vorgehen am grossen Kammrad. Dieses sitzt innerhalb der Mühle auf der gleichen Welle wie das Mühlrad. Nur die Hoffnung nicht verlieren: Hier müssen 120 Zähne aus Weissbuche angefertigt werden.


alt

2007 zum Tag des offenen Denkmals präsentiert sich das Mühlrad perfekt vorbereitet zum Montieren der Speichen, des Felgenkranzes und der Schaufeln. Das Rad dreht sich mit dem Mahlwerk – angetrieben vom Elektromotor.


alt

Und wie sieht es bei den anderen Mühlen an der Glems aus? Wer dem Mühlenradwanderweg folgt, wird enttäuscht feststellen: Nicht ein einziges Wasserrad versieht hier noch seinen Dienst!


alt

Schauen wir uns etwas weiter um im "Ländle": Schon im Rems-Murr-Kreis ist es um die Wassermühlen ganz anders bestellt. Entlang des Mühlenwanderwegs klappern beachtlich viele Wasserräder an historischen Mühlen. Eberhard Bohn, der "Mühlenpapst" aus dem Schwäbischen Wald betreut dort die historische Mühlentechnik. Ihm stehen ein mühlenbegeisterter Landrat und der Fremdenverkehrsverband Fränkisch-Schwäbischer Wald zur Seite. Sponsorengelder gab es dort reichlich – auch der Rotary-Club hat eines der Mühlräder unter seine Fittiche genommen.

alt

Die Voraussetzungen für ein Mühlrad sind gerade in der Lahrensmühle bestens: Die historische Mühlentechnik  mit ihren Holzzahnrädern ist instandgesetzt und funktioniert wieder so gut wie einstmals.

Problem ist hier wie überall die finanzielle Seite. Seitens der Besitzerfamilie wurde das Mühlen-Ensemble mit hohen Kosten saniert. Für die Veranstaltungen rund um den Deutschen Mühlentag und den Tag des offenen Denkmals stellt die Besitzerfamilie Gebäude und Hof stets unentgeltlich zur Verfügung. Weiterer finanzieller Einsatz kann von dieser Seite her kaum noch erbracht werden.


alt

Woher soll also das Geld für die Rekonstruktion des Wasserrades kommen? Ein Angebot mit etwa 25.000,- Euro markiert den etwaigen finanziellen Aufwand des Unterfangens.

Stadt, Kreis und Denkmalamt blicken in leere Kassen. Hilfe von dieser Seite ist zumindest in finanzieller Hinsicht nicht zu erwarten.

Stadt, Kreis und Denkmalamt blicken in leere Kassen. Hilfe von dieser Seite ist zumindest in finanzieller Hinsicht nicht zu erwarten.

Nach vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Gremien kam die zündende Idee von der Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbundes: Ein Spendenkonto könnte die ersehnte Hilfe bringen und viele Kleinspenden ergeben am Ende doch ein Ganzes.

Allerdings musste die Sache auf vernünftigen rechtlichen Boden gestellt werden, denn Spendenskandale sollte man anderen überlassen.
♦ Sicherheit: Die eingehenden Spenden werden lückenlos verbucht.
♦ Steuervorteil: Jeder Spender erhält eine steuerlich absetzbare Spendenquittung.
♦ Kontrolle: Die Spenden sind zweckgebunden. Sie können nur für ein Wasserrad an der Lahrensmühle verwendet und nicht missbraucht werden, darüber wacht die untere Denkmalbehörde.




Schwäbischer Heimatbund spendet für ein Mühlenrad an der Lahrensmühle - Glemswasser könnte die Mühle wieder in Gang bringen

von Jonas Müller (Leonberger Kreiszeitung 17.02.2009)

alt
alt


Leonberg. Die Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbunds feiert ihren 100-jährigen Geburtstag. Am Wochenende haben die Mitglieder dem Besitzer der Lahrensmühle einen Scheck über 500 Euro übergeben. Mit dem Geld soll das historische Wasserrad restauriert werden.

Der Schwäbische Heimatbund (SHB) setzt sich seit einem Jahrhundert für den Denkmalschutz ein. So entstand bei der Ortsgruppe Leonberg die Idee, Geld für die Lahrensmühle zu sammeln. "Diese Spende ist auch ein Zeichen der Unterstützung für mein Tun", freute sich Lahrensmüller. Der Besitzer der Mühle hat in den letzten Jahren die Technik des Gebäudes restauriert. "Bei einem solchen Projekt gibt es immer wieder Phasen, in denen alles ins Stocken gerät", sagte Lautenschlager. "Aber sicher ist, dass das Mühlrad sich irgendwann wieder drehen wird." Gegenwärtig müsse er eine Machbarkeitsstudie des Regierungspräsidiums abwarten. "Danach wird sich entscheiden, wie das Rad in Zukunft funktioniert." Entweder wird dann ein Seitenkanal der Glems das Wasser direkt zum Rad bringen oder eine Pumpe für den nötigen Antrieb sorgen.

"Ganz egal, wie es wird, das Geld ist hier richtig", betonte der Vorsitzende der Leonberger Ortsgruppe des SHB Rupert Wild. "Hier entsteht auf jeden Fall ein Kulturdenkmal. Wenn das Rad dann Wirklichkeit wird, ist das sicher eine Attraktion." Bisher können die Besucher nur eine Attrappe an der Seite der Mühle sehen. Aber zumindest erahnen sie so, wie das fertige Rad aussehen könnte. "Wir hatten mal einen Kostenvoranschlag machen lassen. Das komplette Rad hätte damals 20 000 Mark gekostet. Über 5000 Euro an Spenden sind bisher zusammengekommen", erklärte der Mühlenbesitzer. "Irgendwann in den 60er Jahren ist das komplette Mühlrad bei der Glemsbegradigung zugeschüttet worden. Wir haben dann 40 Jahre später die Reste des Rads gefunden. Das war wie eine archäologische Ausgrabung. Nach den Funden konnten wir auch das Mühlrad rekonstruieren. Denn am Anfang hatten wir davon noch keine Zeichnungen." Immer mehr Teile kamen dabei zum Vorschein. "Wir hatten viel Glück. Denn die Welle ist so gut erhalten, dass wir sie weiter verwenden können, obwohl sie so lange Zeit im Boden lag. Deshalb machen wir jetzt immer weiter."

Inzwischen liegt die Welle auf einer neuen Halterung. Nur noch die Speichen und die Schaufeln fehlen. "So ein Rad gehört zu einer Mühle einfach dazu", sagte der heutige Lahrensmüller. "Viele Leute fragen mich danach. Die finden das genauso spannend wie ich." Das komplette Mahlwerk habe er inzwischen wieder instand gesetzt. "Jetzt fehlt nicht mehr viel, und die Mühle, die seit dem Jahr 1350 hier nachgewiesen ist, läuft wieder." Ihn begeistert vor allem die einfache Technik. "Im Gegensatz zu einem Computer oder meinen Fensterhebern im Auto ist das begreifbar", lachte der Mühlenbesitzer.

Bei seinen Nachforschungen hat der Besitzer inzwischen herausgefunden, dass es das Mühlrad seit 1912 gab. Davor hatten noch drei kleinere Räder die Mahlgänge angetrieben. Wenn es nach ihm geht, sollen die bald wieder laufen. "Vor dem Hintergrund der langen Zeit, die die Mühle bereits hier steht, kann ich auch noch dieses Gutachten abwarten", meinte der Lahrensmüller. "Im Prinzip fehlt hier nicht mehr viel zu einem großen Effekt. Dann wird die Mühle, die 30 Jahre lang stillgestanden hat, einfach wieder laufen." Dass der Besitzer nicht allein auf das Ergebnis wartet, zeigen ihm nicht nur die vielen Besucher, die jedes Jahr zur Mühle strömen. Auch die Mitglieder des Schwäbischen Heimatbunds lauschten gespannt den Plänen des Mühlenbesitzers.


alt


Nach mehreren Jahren scheinbarer Ruhe geht es 2013 plötzlich ganz schnell: Das Spendenkonto ist so weit gefüllt, dass das notwendige Material gekauft werden kann. Das erforderliche Holz liefern Lärchen aus Sibirien, die als besonders widerstandsfähig gelten.

Die anspruchsvolle Aufgabe, ein neues Mühlrad zu bauen, haben Vater Willi und Sohn Jürgen des Eltinger Zimmergeschäfts Ziegler bereits in früherer Zeit zugesagt. Für die erfahrenen Handwerker ist das eine nie dagewesene Herausforderung, der sie sich mit vollem Einsatz stellen. Doch der eigentliche Durchbruch zur Realisierung des Projekts ist das Angebot der beiden Zimmermeister, den Bau ehrenamtlich zu übernehmen. "Das ist einfach ein Stück Eltinger Heimat, das muss man unterstützen" sagt Jürgen Ziegler.

Anfang August 2013 ist Ortstermin in der Zieglerschen Werkstatt mit dem Redakteur Arnold Einholz der Leonberger Kreiszeitung. Dort sind die vorbereiteten Einzelteile zu sehen. Es braucht schon viel Vorstellungskraft, darin ein Mühlrad zu erkennen. Dass zum "Internationalen Tag des Offenen Denkmals" am 8. September 2013 das neue Wasserrad an der Lahrensmühle zu bewundern sein soll, kann noch niemand so recht glauben, zumal auch noch zwei Wochen Bau-Ferien dazwischen liegen.

alt


alt

Mühlradfelge mit den Ausfräsungen für die Radschaufeln.

alt

Die fertig gestellten Speichen für das Mühlrad.

alt

alt

Zwei fertige Radsegmente und ein Stapel Mühlradschaufeln.


alt

Willi Ziegler setzt eine Radschaufel in das Felgensegment ein.

alt

alt

alt

04. September 2013: Zwei Radsegmente sind bereit zum Transport an die Lahrensmühle.

alt

Der Kran ist in Position und hebt das erste Mühlradsegment vom Anhänger ab.

alt

alt

Das eingesetzte Radsegment wird mit einer Schraubzwinge fixiert.

alt

Segment "2" wird abgeladen.

alt

alt

Beide Segmente sind fest gegen einander gespannt und werden mit Stahlplatten miteinander verschraubt.

alt

05. September 2013: Die Radsegmente "3" und "4" werden angeliefert.

alt

alt

Zu zweit muss das halbe Mühlrad zurück gedreht werden. Es gilt nicht nur den Reibungswiderstand des Mühlrads selbst zu überwinden, sondern auch das Getriebe im Untergeschoss der Lahrensmühle.

alt

Millimeterarbeit beim Einsetzen des 4. Segments.

alt

Das 5. Segment wird eingesetzt.

alt

Das neue Wassserrad ist so gedreht, dass das letzte Radsegment eingesetzt werden kann.

alt

Jetzt kommt der spannende Moment, ob alles so passt wie geplant.

Alles sitzt perfekt.

alt

Verschraubung der Speiche mit der Felge.

alt

Diese Bretter und die Stahlfedern vorn im Bild dichten den Innenring der Mühlradfelge zu den Schaufeln ab.

alt

So sehen die fertig verschraubten Bretter aus.


alt

Die neuen Speichen sind bereits auf der Radachse montiert.

alt

alt

Zum Aufsetzen auf die Speichen muss das Radsegment waagrecht aufgehängt werden.

alt

Das Mühlradsegment wird vorsichtig positioniert.

alt

Radsegment "1" ist beidseitig mit den Speichen verschraubt.

alt

Radsegment "2" wird herangeführt.

alt

Positionierung in Einbaustellung.

alt

Feierabend für heute.

alt

Vorbereitungen zum Verschrauben der Segmente "2" und "3".

alt

Segment "3" fertig verschraubt.

alt

Das 4. Radsegment gewissermassen im Anflug.

alt

Die beiden letzten Radsegmente sind in der Mühle angekommen.

alt

Segment 6 wird vom Kran herangeführt.

alt

Hier eine richtig angesetzte Schraubzwinge, dort ein gezielter Hammerschlag, und das letzte Segment rutscht in die richtige Stellung.

alt

Die Mühlradsegmente sind komplett miteinander verschraubt.

alt

Noch sind die Schaufeln des Wasserrads offen.

alt

In die Mühlradfelge ist eine Stahlfeder in die eingefräste Nut eingesetzt, die Bretter sind an der Anlagefläche jeweils durch eine Stahlfeder miteinander verbunden.

alt

Das sind ganz schön viele Bretter, die da festgeschraubt werden müssen!

Das fertig gestellte Wasserrad der Lahrensmühle wurde anlässlich des Tag des Offenen Denkmals 2013 der Öffentlichkeit präsentiert.


Die nächsten Baumassnahmen haben sich mit der Wasserzufuhr befasst. Pünktlich zum Tag des Offenen Denkmals 2014 war das Mühlrad mit Wasserantrieb zu bestaunen.